Milliardenauftrag für Siemens Die nächste Generation - Bahn ordert neue ICE-Flotte

Projektname ICx: Die Deutsche Bahn bestellt bis zu 300 neue Fernzüge bei Siemens. Damit sollen endlich alle technischen Probleme des Staatskonzerns der Vergangenheit angehören.

Von Daniela Kuhr und Martin Hesse

Es ist der größte Auftrag, den die Deutsche Bahn je vergeben hat: Mit bis zu 300 Zügen einer völlig neuen Generation will der Staatskonzern von 2016 an all seine technischen Probleme hinter sich lassen - und endlich wieder einen reibungslosen Fernverkehr anbieten.

Das geht aus einer Präsentation der Bahn für den Aufsichtsrat hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Das 42-seitige Papier dient als Grundlage für die kurzfristig einberufene außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrats am kommenden Donnerstag. Mit den Zügen, deren Projektname ICx lautet, will die Bahn nach und nach die alte Intercity-Flotte sowie die ICE-1- und ICE-2- Züge ablösen.

Aus dem Dokument geht hervor, dass die Bahn zunächst verbindlich nur 130 ICx-Züge bestellt, aber die Option auf weitere Lieferungen erhält. Ein Festpreis wurde den Angaben zufolge nicht vereinbart, um keine "unnötigen Risiken" einpreisen zu müssen, wie es in dem Papier heißt. Stattdessen einigten sich die Vertragspartner auf einen Preiskorridor. Die Details sollen auf der Aufsichtsratsitzung bekannt gegeben werden. Schätzungen gehen davon aus, dass die 300 Züge insgesamt einem Auftragsvolumen von gut fünf Milliarden Euro entsprechen würden.

Auch für Siemens wäre dies einer der größten Einzelaufträge der Geschichte. Die konkreten Kosten hängen auch von der allgemeinem Preisentwicklung bei Zügen in den kommenden Jahren ab. Die Bahn hat sich ausbedungen, dass sie erst bei Lieferung zahlt. Eine Anzahlung leistet sie nicht.

Die seit Ende 2008 geplante ICx-Bestellung hatte sich immer wieder verzögert. Die Bahn, die seit einer Zugentgleisung im Juli 2008 mit massiven technischen Problemen bei ihren ICEs zu kämpfen hat, bestand auf weitreichende Garantien. Siemens warf dem Konzern jedoch vor, völlig unrealistische Preisvorstellungen zu haben.

Aus Kostengründen langsamer

Die Bahn wiederum hatte den Standpunkt vertreten, dass derjenige, der diesen Auftrag bekommt, auf Jahre hinaus gut ausgelastet sein werde. Das müsse sich im Preis niederschlagen. In den vergangenen Wochen hatte es im Siemens-Umfeld geheißen, es zeichne sich eine Lösung ab, die für beide Seiten wirtschaftlich tragbar sei.

Um Kosten zu sparen, verzichtet die Bahn nun auf die Option, mit den neuen Zügen 280 Stundenkilometer fahren zu können. Stattdessen werden die Züge, die die Intercity-Flotte ablösen, maximal 230 Stundenkilometer schnell sein, und die Züge, die die ICEs ablösen, 249 Stundenkilometer. Siemens kommt den Wünschen der Bahn offenbar in Haftungsfragen entgegen.

In dem Papier heißt es, die "Haftung für sämtliche Ansprüche aus dem Vertrag" erhöhe sich von 15 auf 20,7 Prozent. Siemens soll dafür künftig früher und systematischer über technische Probleme informiert werden, um Mängel abstellen zu können. In dem Bahn-Papier heißt es außerdem, in den ICx-Verträgen würden "alle Punkte berücksichtigt, welche uns heute bei der Verfügbarkeit der Fahrzeuge großen Ärger machen", wie Achsen, Klimaanlagen und weitere Qualitätsmängel.