Krise in Griechenland Athen sperrt Konten von einstigem Vorzeigemanager

Einst war er ein erfolgreicher Unternehmer, vielleicht sogar der erfolgreichste. Jetzt droht Lavrentis Lavrentiadis ein tiefer Fall. Die griechische Regierung nimmt reiche Schuldner ins Visier und lässt erstmals seit Beginn der Krise auch Schweizer Konten sperren. Vor allem Lavrentiadis soll dem ausgebluteten Land viel Geld zurückgeben.

Von Klaus Ott

Er war einmal "Griechischer Unternehmer des Jahres" und durfte an der Wahl des weltweit besten Konzernchefs teilnehmen, ausgerichtet im mondänen Monte Carlo. Inzwischen aber hat Lavrentis Lavrentiadis, geboren in Athen, groß geworden in der Chemiebranche und später Vorstandschef sowie Hauptaktionär der Privatbank Proton, jede Menge Ärger.

Nun wird an dem einstigen Vorzeigemanager ein Exempel statuiert. Erstmals seit Beginn der Krise in Hellas haben die dortigen Behörden bedeutende Auslandsguthaben eines reichen Griechen blockieren lassen, der dem finanziell ausgebluteten Staat viel Geld schulden soll. In der Schweiz sind drei Konten gesperrt, auf denen 158 Millionen Euro von Lavrentiadis liegen.

Der Unternehmer und weitere Geschäftsleute sollen in den vergangenen Jahren bei Proton bis zu 700 Millionen Euro in andere Länder verschoben haben. Später wurde die Bank verstaatlicht und mit Mitteln der EU und des IWF in Höhe von fast 900 Millionen Euro vor dem Zusammenbruch gerettet. Lavrentiadis weist alle Vorwürfe zurück und beteuert seine Unschuld.

Staat als Schuldeneintreiber?

Greift der griechische Staat nun durch und macht endlich Ernst mit dem Versuch, Steuern und andere vermeintliche Schulden vermögender Landsleute einzutreiben? Das wäre zu viel gesagt. Die 158 Millionen Euro sind nicht einmal ein Prozent jener gigantischen Summe, um die große Unternehmen und reiche Leute das eigene Land betrogen haben sollen. 40, 50 oder noch mehr Milliarden sind angeblich versteckt worden, teils in Steuerparadiesen, zum Unmut der Bürger in Staaten, die Athen nun mit einem weiteren Rettungspaket vor der Pleite bewahren wollen.

Führende Politiker - auch in Deutschland - verlangen, "die Konten wohlhabender Griechen zu sperren", bis diese ihre Schulden bezahlt hätten. So fordert das SPD-Chef Sigmar Gabriel. Und so ähnlich lässt das, mit diplomatischen Worten, auch Bundeskanzlerin Angela Merkel anklingen.

Die 158 Millionen Euro wären, sofern Griechenland tatsächlich Anspruch darauf hätte, nur ein Anfang. Aber immerhin. Das Geld liegt auf Schweizer Konten mit nichtssagenden Kürzeln: Asri, Sobr und Rivi. Die Firmen, die dahinter zum Vorschein kommen, haben Allerweltsnamen: Business Company, Sol Brillante Investment, Riva Investment. Geführt werden diese Konten von einer privaten Vermögensverwaltung für den Mandanten Lavrentiadis, hinter dem die Athener Justiz her ist.

Auf Antrag der dortigen Staatsanwaltschaft haben Schweizer Behörden vor wenigen Tagen die drei Konten gesperrt. Zum Unmut von Lavrentiadis, dessen Athener PR-Agent auf Anfrage erklärt, das sei sauberes Geld. Es handele sich um "persönliches Vermögen" des Unternehmers, der diese Mittel schon vor Jahren in seiner Steuererklärung in Griechenland angegeben habe. Mit den Untersuchungen bei Proton habe das "absolut nichts" zu tun.

Womöglich der größte Finanzskandal

Die Causa Proton könnte sich zu einem der größten Finanzskandale in Griechenland entwickeln. Lavrentiadis hatte die Privatbank Ende 2009 übernommen. Danach wuchsen die Proton-Kredite für Gesellschaften, die unter "direktem oder indirektem Einfluss" des Unternehmers standen, auf 724 Millionen Euro. Genau davor hatte die Griechische Zentralbank gewarnt. In einem umfassenden Untersuchungsbericht dokumentierte sie 2011 allerlei fragwürdige Geschäfte bei Proton. Vor allem mit Firmen aus dem Wirtschaftsimperium von Lavrentiadis und Offshore-Gesellschaften, deren tatsächliche Inhaber unbekannt sind.

Seit einigen Monaten ermittelt die Athener Staatsanwaltschaft wegen Betrugs und anderer Delikte bei Proton. Lavrentiadis ist bislang nicht als Beschuldigter in den Akten eingetragen. Von seinem Amt als Verwaltungsratspräsident der von ihm mitbegründeten Lamda-Bank in Liechtenstein ist der Unternehmer bereits zurückgetreten. Das sei kein Schuldeingeständnis, sagte Lavrentiadis. Er wolle Lamda vor "möglichen Reputationsschäden schützen".

Es droht ein tiefer Fall

Lavrentiadis hat Wirtschaftswissenschaften und Marketing studiert, er hat jung Karriere gemacht und mit gerade einmal 39 Jahren schon viel erreicht. Nun droht ihm ein tiefer Fall. Die Athener Staatsanwaltschaft bedrängt ihn angeblich, ins Ausland abgeflossenes Vermögen zurückzubringen. Daran ist auch die verstaatlichte Proton-Bank interessiert. Bislang konnte sie nur 51 Millionen Euro aus Asien zurückholen. Der frühere Unternehmer des Jahres spielt auf Zeit. In Athen heißt es, er wolle die Wahlen im Frühjahr abwarten und hoffe auf eine ihm dann freundlich gesinnte Regierung.

Lavrentiadis äußert sich dazu nicht. Er will auch keine Fragen beantworten, die ihm unangenehm sind. Etwa, ob es zutreffe, dass er auch großes Vermögen in Libanon, Singapur und anderswo besitze. Und falls ja, ob diese Mittel von Proton stammten. Sein PR-Agent entgegnet, die Anwälte von Lavrentiadis betrachteten das als feindselig.

Am besten wäre es, mit Lavrentiadis selbst zu sprechen. Der PR-Agent verweist auf Verhandlungen zwischen den Anwälten des Unternehmers und Proton. Danach sei vielleicht ein Treffen möglich. Er könne aber nichts versprechen, schreibt der PR-Agent.