Konjunktur Deutsche Exporte erleben einen "Ausrutscher"

Insgesamt exportierten deutsche Unternehmen im ersten Halbjahr Waren im Wert von 638,4 Milliarden Euro ins Ausland - ein Plus von 6,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

(Foto: dpa)
  • Die deutschen Ein- und Ausfuhren sind im Juni unerwartet stark eingebrochen.
  • Ein Alarmsignal für die Wirtschaft ist das aber nicht, Ökonomen gehen weiter von einer starken Entwicklung der Wirtschaft in diesem Jahr aus.

Die deutschen Exporte sind im Juni so kräftig gesunken wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Sie gingen im Vergleich zum Vormonat um 2,8 Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Mit dem Minus endet eine Serie von fünf Anstiegen in Folge. Auch die Importe fielen, sogar noch kräftiger um 4,5 Prozent.

Für viele Volkswirte kommt das überraschend, sie hatten jeweils nur mit einem moderaten Rückgang gerechnet. Alarmiert sind sie von den schlechten Monatszahlen aber nicht, denn über die Verfassung der Konjunktur sagen einzelne Daten wenig aus: Um einen neuen Trend zu etablieren, bräuchte man wenigstens drei Monate mit enttäuschenden Exportdaten in Folge. "Das ist ein Ausrutscher, der in den kommenden Monaten wettgemacht werden dürfte", sagt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank und verweist auf den Sommerbeginn. Wenn viele Betriebe Ferien machen, werden auch weniger Waren und Dienstleistungen ausgeführt. Der Ökonom bleibt optimistisch für die deutsche Wirtschaft, denn der Welthandel belebt sich. Davon dürften die deutschen Exporteure profitieren. Auch Andreas Rees von Unicredit glaubt, dass der Aufwärtstrend intakt bleibt. Die enttäuschenden Juni-Zahlen seien nur "eine technische Korrektur", also nicht weiter bedeutsam. Nach fünf Anstiegen in Folge ist es durchaus normal, dass auch einmal ein schlechter Monat kommt.

Die Wirtschaft wächst und der Handel dürfte neuen Schwung bekommen

Zugleich sieht es so aus, als ob der Welthandel im zweiten Halbjahr neuen Schwung bekommt. Zugleich dürfte es mit der Konjunktur in der Euro-Zone weiter aufwärts gehen. Das ist für die deutschen Exporteure besonders wichtig, gehen doch beinahe 40 Prozent ihrer Ausfuhren in den Euro-Raum. Die enge Verbindung mit den europäischen Nachbarn kam den deutschen Unternehmern schon im Juni zugute: Zwar gingen die Exporte insgesamt zurück, aber die Geschäfte mit den anderen Euro-Ländern liefen gut, sie legten um 2,7 Prozent zu. Viele Staaten - darunter der nach den USA größte Exportkunde Frankreich - befinden sich in einem Aufschwung.

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Wie gut es derzeit läuft, wird deutlich, wenn man sich die Bilanz des ersten Halbjahres ansieht: Deutsche Unternehmen lieferten Waren im Wert von 638,4 Milliarden Euro ins Ausland. Das waren 6,1 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders stark war die Nachfrage nach "Made in Germany" im Euro-Raum. Die Einfuhren legten gleichzeitig um 9,2 Prozent auf 516,0 Milliarden Euro zu.

Vieles spricht deshalb dafür, dass auch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) kräftig gewachsen ist. Im ersten Quartal 2017 legte es um 0,6 Prozent gegenüber dem vierten Quartal 2016 zu. Im zweiten Quartal könnte der Anstieg noch größer gewesen sein. Das Ifo-Institut schätzt, dass die Wirtschaftsleistung in diesem Zeitraum um etwa 0,8 Prozent zulegen konnte, heißt es einer am Dienstag veröffentlichten Prognose. "Das ergibt sich aus dem ununterbrochenen Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex in den vergangenen Monaten in Verbindung mit der sehr guten Entwicklung anderer wichtiger Konjunkturindikatoren wie den Auftragseingängen und den Einzelhandelsumsätzen", sagte der Leiter der Ifo-Konjunkturforschung, Timo Wollmershäuser. "Viele Indikatoren deuten auf ein wirklich starkes zweites Quartal." So kämen aus der Euro-Zone viele Bestellungen für die deutsche Wirtschaft. "Die Zahl der Arbeitsplätze wächst und wächst, das hilft auch dem Konsum", sagte Wollmershäuser. Und noch seien die Ölpreise und der Euro-Kurs relativ niedrig. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht am 15. August seine erste Schätzung zum zweiten Quartal.

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