Karstadt geht das Geld aus, weil die Kunden einfach wegbleiben. Doch die klassischen Kaufhäuser haben auch ihre Stärken - sie müssen sie nur nutzen.
Vielleicht begann der Niedergang mit einem Wort. "Konsumtempel" ist eines, das Marketingstrategen oder Verkaufsmanager gerne bemühen, wenn sie über Kaufhäuser reden. Doch so viel Weihe bekam dem guten alten Warenhaus gar nicht gut. Der hohe Anspruch hat dazu beigetragen, dass eine traditionsreiche Kette wie Karstadt vor der Insolvenz steht. Nicht mehr Verkäufer mit dem Gespür für den Kunden hatten zuletzt das Sagen, sondern Manager aus der Großindustrie, für die es in den Innenstadtlagen nicht edel genug zugehen konnte.
Die Kunden entscheiden sich immer öfter gegen das klassische Kaufhaus. Dabei haben Karstadt und Co. Stärken, die sie ausspielen können. (© Foto: dpa)
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Es sind die Kunden, die das Angebot abgelehnt haben. Weshalb nun Karstadt am Abgrund steht, und in Berlin die Politik darüber nachdenkt, ob der Staat mit einer Bürgschaft einspringen soll. Dies würde wiederum dem Konkurrenten Kaufhof das Geschäft schwermachen, in dem er sich bisher wacker schlägt - weshalb nun über eine Fusion der beiden Ketten spekuliert wird. Doch ob es nun eine Deutsche Warenhaus AG geben wird oder nicht, ist letztlich unbedeutend. Es gilt, das Kaufhaus mit neuen Ideen für die Mittelschicht wiederzubeleben.
Keine Frage, der Niedergang der Kaufhäuser hat viele Gründe. Shopping Center an den Stadträndern, Internet-Händler wie Ebay, Discounter mit breitem Sortiment und Fachmärkte ziehen viele jener Kunden ab, die im vergangenen Jahrhundert auf der Suche nach einem Wasserkocher, Turnschuhen oder Schulheften noch im örtlichen Warenhaus Rolltreppe gefahren sind. Die Zeiten, in denen Verbraucher in jeder mittleren Stadt zwischen Karstadt, Hertie, Wertheim, Woolworth und anderen wählen konnten, werden nicht wiederkommen. Selbst großzügige Staatshilfen könnten nichts daran ändern, dass noch etliche Warenhausfilialen schließen werden.
Einen großen Teil der gegenwärtigen Misere müssen sich Konzerne wie die Karstadt-Mutter Arcandor selbst zuschreiben. Viel zu lange haben sie auf überkommene Konzepte vertraut, zu wenig investiert und, was am schwersten wiegt, sich zu wenig um die Bedürfnisse ihrer Kunden gekümmert. Viele große Häuser verließen sich allein darauf, dass die Konsumenten schon kommen würden. Schließlich besaßen die Konzerne Immobilien in zentralen Lagen. Als die Umsätze zäher flossen, versuchten die Kaufhaus-Manager als Erstes, einige dieser Immobilien zu Geld zu machen. Erst als das auch nicht mehr reichte, holten sie Marketing-Fachleute. Die redeten ihnen ein: Entweder geht ganz billig oder ganz teuer. Die Mitte will niemand mehr.
Und so haben die Kaufhäuser umgebaut. Billig schrieben sie gleich ab; das Geschäft sollten doch Aldi und Co. machen. Von den Markenartiklern ließen sie sich einflüstern, wie sich Marge machen ließe. Statt auf Kleiderständern mit Hosen oder Mänteln, statt in Geschirrregalen mit Porzellan oder Töpfen sortierten die Kaufhäuser ihre Waren nun in sogenannten Markenwelten. Dort präsentiert jeweils ein Hersteller eine Auswahl seiner Produkte. Das ist für den Produzenten großartig, denn er muss sich nicht mehr unmittelbar mit der Konkurrenz vergleichen lassen. Für den Kunden ist es eine Zumutung. Wer schon einmal auf der Suche nach einer blauen Hose oder einer gläsernen Salatschüssel durch Markenwelten geirrt ist, wird so bald nicht wiederkommen.
Anwälte der Kunden
Dabei haben Kaufhäuser Stärken, die sie ausspielen könnten. Die eine, häufig totgesagte, ist das Konzept "alles unter einem Dach". Für die zunehmende Zahl von Menschen, die sich bemüht, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, ist Zeit kostbar. Das Kaufhaus kann ihnen eine angemessene Auswahl bei kurzen Wegen bieten - kürzer werden sie nur noch im Internet. Discounter machen vor, dass Kunden auch kleine Sortimente akzeptieren, wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.
Kaufhäuser könnten außerdem die Anwälte der Kunden sein. Denn anders als die Läden der Hersteller bieten sie gute Möglichkeiten zum Vergleich von Preisen und Qualität. Dies setzt allerdings voraus, dass die Häuser genug Menschen im Verkauf beschäftigen, diese entsprechend schulen und bei Reklamationen hilfsbereit und kulant sind. So manch einer würde sich gerne das Einkaufen im Internet ersparen, fühlte er sich nur in den Läden anständig beraten. Und kaum etwas zählt so viel wie ein loyaler Kunde.
Ein weiterer Vorteil der Kaufhäuser ist ein alter: ihre zentrale Lage. Schließlich geht bei der Entwicklung der Siedlungsstrukturen der Trend zurück in die Stadt. Menschen jeden Alters schätzen sie wieder: die kurzen Wege, das kulturelle Angebot, die Vielfalt der urbanen Zentren. Die Kaufhäuser könnten attraktive Treffpunkte für sie werden - ansprechend gestaltet, vielleicht mit schönen Restaurants, Kinderbetreuung oder Verbraucherberatung ausgestattet.
"Konsumtempel" wie das KaDeWe in Berlin oder Harrods in London haben nur dort eine Chance, wo sie als Touristenmagneten funktionieren. An allen anderen Orten müssen sich die Verantwortlichen überlegen: Schließen wir, oder gelingt es uns, das Kaufhaus zu einem neuen Zentrum zu machen? Dabei sollten sie bedenken, dass viele Menschen gar nicht "shoppen" wollen. Sie möchten nur einkaufen: zügig, gute Qualität, an zentralem Ort und in angenehmer Atmosphäre.
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(SZ vom 19.05.2009/lauc/mel)
Gysi und Lafontaine beim Linke-Parteitag
Also, ich versuche jetzt so objektiv wie möglich zu sein.
Sicher, du hast mit dem genannten KaDeWe 2.0 vollkommen recht. Und in diese Bauruine haben die letzten 4 Jahre so einige Karstädter teile Ihres Gehaltes fließen lassen müssen. Genau wie in das Alsterhaus das echte KaDeWe und einige andere. Daher kann ich die Karstädter auch ganz gut verstehen, sie sind nicht sonderlich gut zu sprechen auf Middelhoff.
Wenn Du jetzt auf die Steuergelder kommst, das ist ein 2-schneidiges Schwert. Stell Dir mal vor, es werden mit einem Schlag 53.000 Menschen arbeitslos. Das bedeutet für den Staat einen riesen Batzen Arbeitslosengeld UND 53.000x keine Lohnsteuer mehr. Und bei der derzeitigen Wirtschaftslage und dem ohnehin großen Andrang auf eine Stelle im Einzelhandel dauert das ne weile an. Das sind zwar keine 650 Millionen aber zumindest zweistellige Millionensummen im Monat. Kommt auch vom Staat, auch von uns ! Und es schadet natürlich auch der Wirtschaft, da diese 53.000 Hansel nicht mehr soooo viel Kohle zum Ausgeben haben.
Auf der anderen Seite bin ich auch nicht unbedingt für eine Verschmelzung von Kar und Kau. Ich denke, daß die Staatliche Unterstützung wohl die einzige Möglichkeit ist, Arcandor noch zu retten. Und diese Investition ist allemal besser, als z. B. Bushaltestellen zu bauen die niemals angefahren werden oder Straßen die an einer Brücke enden, welche auch niemals gebaut wird... ( evtl bisschen weit hergeholt, gibts aber auch viel bei uns... )
Hefte raus, Klassenarbeit !
In München ist der neueste Edelkonsumtempel Oberpollinger eine einzige Investitionsruine. In Selbstherrlichkeit haben irgendwelche Manager von Arcandor am Reißbrett entschieden, hier ein KaDeWe 2.0 zu etablieren. Sicher nur ein Beispiel von vielen. Sollen wir jetzt diese Früchte der Arroganz mit unseren Steuergeldern aus der Welt schaffen?
Früher hat ein Schüler, der gar zu übermütig war, schon mal sein Schulheft um die Ohren gekriegt. Analoges sollte so manchen Managern mit ihren Bilanzen passieren.
Vielen Dank für die nette Begrüßung ! ( Ehrlich ! )
Noch ein ganz erheblicher und nicht zu unterschätzender Aspekt der unser Aller Kaufverhalten beeinflusst ist das Image eines Geschäftes. ( Fast ) alle Menschen neigen zu Pauschalisierungen. Das Image oder die Wertschätzung eines Geschäftes muß schon ziemlich positiv und gefestigt sein, damit man schlechte Beratungen verzeiht oder daß sie einem komplett Egal sind. Welches Image haben also unsere Beiden aktuellen Kandidaten ?!? Alles andere als hip, oder ? Eher konservativ und überteuert. Da ist ja von vorherein schon kein Tolleranzpuffer vorhanden. Nimmt man jetzt aber mal den Textilanbieter mit den roten Buchstaben unden Möbelanbieter mit den gelben Buchstaben, dann stellt man sehr schnell fest, daß hier das Image siegt.
Denn, die Quallität der Klamotten ist nicht so gut wie man sich das immer vormacht, die der Möbel auch nicht. Aber cool ist es doch irgendwie... ( ich geh da auch hin ! ) Beratungsquallität ist in meinen beiden die Hölle ! Und ich Dussel geh seit 10 Jahren da hin !!!!
Dann gibt es da noch die Discounter und Billigdrogerieler, die wie wir Alle wissen, eher schlecht mit ihrem Personal umspringen. ( Meschenunwürdig ? ) Hier sigt der Preis über das Image, wie der zustande kommt ist egal.
Meiner Meinung nach ist dies der Fehler, den sich das Management ankreiden lassen muss; Es in Jahrzehnten nicht geschafft zu haben ein vernünftiges Image aufzubauen. So sind leider nur die Häuser ( Abteilungen ) erfolgreich, die durch wirklich gute Kundenorientierung in der Stadt bekannt sind. Es geht bei weitem nicht allen Häusern schlecht !
na du woisch abr`wo de babba de moschd holt !!!
Genauso ist es. Auch in vielen Fachhandels-Standorten fehlt es oft an Service und Personal-Qualität oder zumindes Verfügbarkeit. Ganz zu schweigen vom E-Commerce und Versand-Handel, die als Gruppe gesehen nicht zu unterschätzen sind, aber NIEMALS den stationären Handel verdrängen werden! Es sollte niemand den Fehler machen und eine pauschalisierte Beurteilung über die Mitarbeiter, den Service, die Atmosphäre etc. in den Warenhäusern abgeben. Denn nachwievor gibt es motivierte, service-freudige und sehr professionell geschultes Personal in Warenhäusern der Städte. Teilweise wird dieses von der Industrie gestellt, aber dass soll uns Konsumenten doch eigentlich egal sein! Ich für meinen Teil gebe sehr gerne mein Geld sowohl bei Karstadt alsauch bei Kaufhof aus, da ich dort i. d. R. ein wesentlich breiteres und tieferes Sortiment vorfinde als in manchem Fachhandelsgeschäft. Denn nicht nur die Topmarken wie Prada, Gucci, Samsonite Black Label und Co. werden in einem Preimum-Haus wie dem Oberpollinger, KaDeWe oder Alsterhaus standesgemäß präsentiert, sondern auch das mittlere Preissegment wird dort umfassend und professionell dargestellt. Das sollte man nicht aus den Augen verlieren! Selbstverständlich wird uns zur Zeit durch die aktuellen Schlagzeilen mehr als deutlich vor Augen geführt, dass das Management bei Arcandor gravierende Fehler gemacht hat. Aber wo ist das heute NICHT der Fall??? Opel ist kein schlechtes Auto - und Karstadt und Kaufhof sind noch lange nicht reif zum Abwracken! Fakt ist, im Großteil der Häuser ist der Lack ab, und das steht oftmals zu sehr im Kontrast mit einzelnen Premium Häusern (sowohl bei Kaufhof als auch bei Karstadt). Es muss kernsaniert, umgedacht, geopfert und geschuftet werden, um diese Struktur zu gesunden. Dies dürfte mittlerweile auch und gerade in den obersten Etagen in Essen angekommen sein und dort werden sich die entsprechenden Leute sicherlich ihre Köpfe zerbrechen. Ohne Entlassungen auf allen Ebenen, bis hin zu Verkaufsmitarbeitern wird es nicht ablaufen, das ist gewiss. Hoffen wir, dass die "guten" bleiben, dann können wir irgendwann wieder "schöner shoppen in der Stadt". Alles wird gut!
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