Kanzlei Mossack Fonseca Datenleck erschüttert Offshore-Dienstleister in Panama

Die Skyline von Panama-Stadt: Briefkastenfirmen in der Steueroase sind völlig anonym.

(Foto: REUTERS)
  • Die Mossack Fonseca Group aus Panama ist ein bekannter Dienstleister für Briefkastenfirmen, die Steuerhinterzieher und andere Kriminelle nutzen.
  • Ermittler aus den USA und anderen Staaten sind an interne Dokumente der Firma gelangt. Weitere Länder interessieren sich dafür. Deutsche Steuerfahnder haben Daten gekauft, die Deutschland betreffen. Sie haben aufgrund der Dokumente nun mit Razzien begonnen.
  • Die Beamten arbeiten jeweils nur mit Teilen der Firmen-Unterlagen. Der Süddeutschen Zeitung liegt der gesamte Datenberg der internen Mossack-Fonseca-Dokumente vor, der mehr als 80 Gigabyte umfasst. Er ist längst noch nicht ausgewertet.
Von Bastian Brinkmann, Katrin Langhans und Bastian Obermayer

Eine Briefkastenfirmen zu gründen, kostet oft nicht einmal 1000 Dollar. Dazu kommen ein paar Hundert Dollar für Jahresgebühren und Geschäftsführer, die zum Schein auf den offiziellen Papieren als Firmendirektoren auftauchen. Der Kunde darf noch einen Namen für seine anonyme Gesellschaft aussuchen - fertig.

Einer der großen Dienstleister für Briefkastenfirmen ist die Mossack Fonseca Group aus Panama. Der Süddeutschen Zeitung liegen Zigtausende Dokumente und Hunderttausende E-Mails vor, allesamt aus dem Bestand der Mossack Fonseca Group. Insgesamt wurden der SZ mehr als 80 Gigabyte Daten übergeben.

Auf den USB-Sticks mit den geheimen Daten finden sich Tausende Briefkastenfirmen, angemeldet auf den Seychellen, den Bahamas, den Britischen Jungferninseln oder in Panama. Errichtet von der Mossack Fonseca Group, bestellt und bezahlt von Banken, Vermögensverwaltern und Rechtsanwälten aus Dutzenden Ländern.

Der Datenberg ist längst noch nicht ausgewertet, aber klar ist schon jetzt: Mossack Fonseca hat ein Problem. Interne Daten liegen inzwischen auch den USA und anderen Staaten vor. Weitere Länder interessieren sich dafür.

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Ein kleiner Teil dieses Materials, der die deutschen Kunden betrifft, wurde den deutschen Steuerfahndern verkauft - und führte nun zu Razzien bei der Commerzbank und etlichen deutschen Kunden. "Wir reden hier von einem ziemlich dicken Fisch", sagt Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) über die Dokumente, die den Beamten vorliegen.

Auf Anfrage erklärt eine Sprecherin von Mossack Fonseca, dass die Firma ungesetzliche Handlungen "weder befürworte noch unterstütze", und dass die Partner der Kanzlei grundsätzlich keine Interviews geben.

Post aus Panama
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Die Kanzlei eines Deutschen verkauft seit Jahrzehnten aus Panama Briefkastenfirmen an Diktatoren, Steuerhinterzieher und Kriminelle - mehr über Mossack Fonseca auf der Seite Drei der Süddeutschen Zeitung. Jetzt 14 Tage gratis testen. Das Probeabo endet automatisch.

An der Spitze der Mossack Fonseca Group steht ein Deutscher: Jürgen Mossack, 66. Über ihn ist wenig in Erfahrung zu bringen, nur ein paar Eckpunkte sind bekannt. Mossack wurde 1948 in Fürth geboren, wuchs in Panama auf, studierte dort Jura, wurde Rechtsanwalt. Ungleich bekannter als er selbst ist die Firma, die seinen Namen trägt und deren Geschäfte so gut laufen, dass es inzwischen Ableger in 33 Ländern und Territorien gibt.

1986 schließt sich Mossack mit dem panamaischen Anwalt Ramon Fonseca zusammen. Sein Kompagnon ist ein einflussreicher Mann in Panama, Fonseca ist nicht nur Anwalt, sondern auch ein hochrangiger Politiker. Derzeit ist er Berater des panamaischen Präsidenten und einer der stellvertretenden Vorsitzenden der Regierungspartei Panameñista.

Briefkastenfirmen von Mossack Fonseca sind beliebt bei Schergen von Diktatoren. Rami Makhlouf, der Cousin des syrischen Herrschers Baschar al-Assad und einer seiner wichtigsten Berater, nutzte sie für seine Geschäfte. Ebenso fand eine Kommission der libyschen Regierung nach dem Sturz von Muammar al-Gaddafi sieben Firmen auf den Britischen Jungferninseln; Gaddafi soll sie genutzt haben, um seine Reichtümer in Sicherheit zu bringen. Die Firmen wurden laut der Kommission von der Mossack Fonseca Group gegründet.

Und auch der Chef der britischen Großbank HSBC, die gerade wegen einer Schwarzgeld-Affäre öffentlich unter Druck ist, besitzt eine Briefkastenfirma von Mossack Fonseca. Seine Erklärung: Nur dank des Geldverstecks in Panama konnte er vor seinen Kollegen geheim halten, wie viel er verdiente.

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