Hochspezielle Rohstoffe Unverzichtbare Rohstoffe

Will Deutschland seine ehrgeizigen Ziele umsetzen, die Elektromobilität forcieren, Wind- und Sonnenenergie ausbauen, dann steigt der Bedarf an Seltenen Erden in den nächsten Jahren erheblich. Beim Bau von Elektromotoren, Magneten und vielen neuen Technologien gelten sie als unverzichtbar.

Professor Armin Reller, der an der Universität Augsburg den Lehrstuhl für Ressourcenstrategie leitet, schätzt den künftigen Bedarf der deutschen Industrie auf mindestens 50000 Tonnen pro Jahr. Er warnt bereits seit einigen Jahren vor einem bevorstehenden Engpass, "aber erst jetzt merken viele Abnehmer, dass manche Stoffe kaum noch verfügbar sind, egal, was es kosten mag."

Auf der Suche nach neuen Lieferanten richten sich die Blicke nach Australien, Kanada, Grönland, Vietnam und in die Mongolei. Auch dort kommen die Seltenen Erden an einigen Stellen in so hohen Konzentrationen in der Erdkruste vor, dass sich ein Abbau lohnen könnte. "Allerdings dauert es fünf bis zehn Jahre, bis eine neue Mine erschlossen ist", sagt Reller.

Einfacher und schneller ist es, stillgelegte Bergwerke wieder zu öffnen. Ein Beispiel dafür ist die Mountain Pass Mine in Kalifornien, die vor Jahren die Förderung einstellte, weil sie mit den Dumpingpreisen der Anbieter aus China nicht mithalten konnte. Sie soll schon in den nächsten Monaten wieder in Betrieb gehen. Die erwartete Ausbeute wird jedoch nicht annähernd ausreichen, die große Lücke im Angebot zu schließen.

Fest steht deshalb schon jetzt: Die deutschen Unternehmen müssen sich in den nächsten Jahren auf einen sparsameren Umgang mit den seltenen Grundstoffen einstellen. Experten sehen darin aber auch eine Chance. Denn die Unternehmen werden verstärkt nach Ersatzstoffen und neuen technologischen Lösungen suchen und können sich so einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.