Hauptversammlung der Deutschen Bank Schmusen mit Anshu Jain

Als ginge es bei der Deutschen Bank nicht mehr ums Geld: Auf der Hauptversammlung verzückt Konzernchef Jain die Aktionäre mit ein paar freundlichen Sätzen auf Deutsch. Chefaufseher Achleitner redet viel von Ethik. Nur die Demonstranten mit ihren Panzern stören.

Von Jannis Brühl

Die Sprache, die Anshu Jain vom Blatt abliest, ist schon schwierig genug. Und dann fangen auch noch die Friedensfreunde an zu schreien. Die erste Rede des Chefs der Deutschen Bank auf Deutsch hat kaum begonnen, als Demonstranten auf der Hauptversammlung den Konzern als Kriegstreiber beschimpfen und Flugblätter durch den Raum werfen. Jain grinst etwas hilflos.

Aufsichtsratschef Paul Achleitner muss sich kümmern. Er gibt dem indischen Ko-Konzernchef Anschauungsunterricht in deutscher Kultur und sagt den wütenden Demonstranten: "Bitte zum Wortmeldetisch und anmelden." Nachdem die Demonstranten schweigen, holt sich Jain für seine deutschen Sätze - und seine überraschend gute Aussprache - Applaus von den Aktionären ab: "Schön, dass sie gekommen sind." Klatschen. Er lobt die Freundlichkeit, mit der er und seine Familie im vergangenen Jahr in Deutschland aufgenommen wurden: "Das tat gut. Vielen Dank dafür." Klatschen.

Bei so viel Schmusen bleibt keine Zeit, auf die Probleme der Bank einzugehen. Jain spricht zwar vage von Herausforderungen, sagt aber zum Beispiel nichts zur Manipulation des Zinssatzes Libor, die derzeit weltweit Aufseher und Gerichte beschäftigt. Auch Mitarbeiter der Investmentabteilung der Deutschen Bank manipulierten mit - während Anshu Jain ihr Chef war. Nach einem schwierigen Jahr, dem ersten unter der Doppelspitze aus Jain und Jürgen Fitschen, kuschelt sich das größte deutsche Kreditinstitut in der Hauptversammlung an seine Aktionäre - und umgarnt die Öffentlichkeit.

Das Medium ist die Botschaft, und in diesem Fall ist das Medium die deutsche Sprache, die Jain gelernt hat. Dass er zum ersten mal eine Rede gänzlich auf Deutsch hält, soll heißen: Ich rede wie ihr, ich bin einer von euch geworden. Ein bisschen weniger Finanzjongleur, ein bisschen mehr Sparkassendirektor. Jains Metamorphose, vom Chef der risikofreudigen Londoner Investmentbanker zum verantwortungsbewussten Konzernchef, sie soll heute in der Festhalle der Frankfurter Messe verkauft werden.

Der Fokus auf ein paar deutsche Worte ist eigentlich absurd für einen kapitalistischen Finanzmulti. Er agiert in einer Welt, für die nationale Grenzen keine Rolle spielen. Als könnte man auf Deutsch kein Roulette spielen. Aber in der Spitze herrscht augenscheinlich das Gefühl, dass ihr der vor einem Jahr versprochene Kulturwandel nicht so richtig geglaubt wird. Jains Ko-Chef Jürgen Fitschen versichert später auf dem Podium: "Wir stehen zu unserem Heimatmarkt. Hier in Deutschland ist die Bank tief verwurzelt."

Der Druck kommt von zwei Seiten. Von außen drängen Aktivisten die größte deutsche Bank dazu, mehr auf Ethik und Compliance zu setzen. Die Deutsche Bank treibe mit Nahrungsmittelspekulation die Preise für Mais und Weizen hoch, wetterte die NGO Oxfam einen Tag vor der Hauptversammlung (ob die Bank das wirklich tut, ist allerdings umstritten). Vor der Halle in Frankfurt haben Demonstranten Panzer aus Pappe aufgestellt, wie jene Störer im Saal werfen sie der Bank vor, Rohstoffunternehmen bei blutigen Geschäften in Afrika zu helfen. Aktionärsschützer fordern von Jain, Fitschen und anderen Mitarbeitern, ihre Millionen Boni zurückzuzahlen. Die hätten sie wegen hoher Verluste der Bank nicht verdient.

Die Aktionäre dagegen wollen bei allem Kulturwandel ordentliche Dividende kassieren, Geld mit ihren Papieren verdienen. Die Ausschüttung für sie bleibe bei 75 Cent pro Aktie, verkündet Chefaufseher Achleitner.