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Aktionärsvereinigung DSW:Deutsche-Bank-Chefs sollen Boni zurückgeben

Die Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen

Jürgen Fitschen und Anshu Jain

(Foto: dpa)

Libor-Manipulationsaffäre, Gerichtsprozesse in den USA und Gehaltsexzesse der Investmentbanker: Die Deutsche Bank steht bei vielen Themen in der Kritik. Jetzt müssen sich die Chefs ihren Aktionären stellen - und die finden, dass die Manager ihre variable Vergütung nicht verdient haben.

Es werden keine angenehmen Stunden für Jürgen Fitschen und Anshu Jain. An diesem Donnerstag müssen sich die Chefs der Deutschen Bank bei der Jahreshauptversammlung auf kritische Fragen ihrer Aktionäre einstellen. Denn die Bank steht bei vielen Themen im Kreuzfeuer der Kritik: Ihren Investmentbankern werden Gehaltsexzesse vorgeworfen, Behörden und Gerichte in den USA beschäftigen sich mit Verfehlungen im Zusammenhang mit Hypothekenkrediten, die Finanzaufsicht untersucht die Rolle der Bank in der Libor-Manipulationsaffäre - und obendrein durchsuchte die Staatsanwaltschaft die Räumlichkeiten der Bank, weil sie einem Steuerbetrug auf der Spur ist. Insgesamt hat das Geldhaus für all diese Streitereien über zwei Milliarden Euro an Rückstellungen gebildet, im schlimmsten Fall beziffert sie die Kosten sogar auf über vier Milliarden Euro.

Das bringt selbst sonst moderate Aktionärsvertreter auf. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) fordert nun eine umfangreiche Überprüfung der gezahlten Boni. "Banker sollten ihre Boni zurückzahlen müssen, wenn sich Geschäfte als verlustreich herausgestellt haben. Das gilt nicht nur für Mitarbeiter in der zweiten Reihe, sondern auch für Vorstände", sagt DSW-Vertreter Klaus Nieding im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung.

Viele Skandale, mit denen die Bank heute kämpft, haben ihre Wurzeln im Investmentbanking, also jener Einheit, der über Jahre hinweg Anshu Jain vorstand. Deswegen sieht ihn Nieding in der Pflicht, genauso wie Josef Ackermann, der in all diesen Jahren als Vorstandschef die Gesamtverantwortung für die Bank trug. "Die Bank muss offenlegen, welche Vorstände durch Boni persönlich von Geschäften profitiert haben, die im Nachhinein Verluste verursacht haben. Und sie muss erklären, wie sie diese Personen zur Rechenschaft gezogen hat", so Nieding weiter.

Dass die Bank künftig Boni besser zurückfordern kann, wenn das neue Vergütungssystem in Kraft tritt, will Nieding als Argument nicht gelten lassen. Denn gerade im Geschäftsjahr 2012 hätten sich besonders viele Geschäfte als belastend für die Bank herausgestellt. "Es gehört zum Kulturwandel dazu, dass man diese Geschäfte im Nachhinein auf den Prüfstand stellt", so Nieding.

Die neuen Chefs der Deutschen Bank haben im Zusammenhang mit dem von ihnen ausgerufenen "Kulturwandel" das Vergütungssystem für die Manager der Bank verändert. Künftig sollen variable Gehaltsbestandteile über fünf Jahre gestreckt ausbezahlt werden, damit das Institut das Geld einbehalten kann, falls sich später herausstellt, dass die Erfolge nicht nachhaltig waren.

Die Forderung, dass auch die Vorstände ihre hohen Boni zurückzahlen sollten, dürfte bei den Kleinaktionären am Donnerstag in der Frankfurter Messe auf Zustimmung stoßen. Schließlich hatte die Öffentlichkeit schon der Skandal um den Händler Christian Bittar aufgebracht, der Bonizahlungen von rund 80 Millionen Euro kassiert haben soll. Davon soll die Bank rund die Hälfte zurückgefordert haben, Bittar war unter anderem mit dem Reizthema Libor betraut gewesen. Das Gehaltsthema steht aber auch ganz offiziell auf der Agenda, weil die Aktionäre dem neuen Gehaltsschema zustimmen müssen. Die Bank hatte dazu auch eine externe Vergütungskommission unter Leitung des früheren BASF-Chefs Jürgen Hambrecht eingesetzt.

Nicht nur die Kleinaktionäre, auch Vertreter großer Investoren haben schon im Vorfeld der Hauptversammlung Kritik angebracht. So hat die einflussreiche Aktionärsberatung ISS, deren Empfehlung viele Fonds folgen, in einem Bericht an Investoren festgestellt, dass der Kulturwandel für die neuen Chefs deutlich schwieriger umzusetzen sei als gedacht. Zudem kritisierte die Aktionärsberatung die erneute Mandatierung von Henning Kagermann, der bereits seit 13 Jahren im Aufsichtsrat sitzt.