SZ: Dem Deutschlandfonds der Bundesregierung liegen mehr als 1300 Rettungsanträge von Unternehmen vor. Wie wollen Sie es schaffen, dass nur denen geholfen wird, die wegen der aktuellen Finanzkrise in Not geraten sind?
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Guttenberg: Wir haben dafür ganz klar formulierte und überprüfbare Kriterien. Es lässt sich sehr wohl feststellen, ob jemand die Krise nutzt, um eigenes fehlerhaftes Managementverhalten zu kaschieren, oder plausible Zahlen vorlegt, die eindeutig beweisen, dass das Unternehmen krisenbedingt in Schwierigkeiten geraten ist und gute Chancen hat, auch nach der Krise zu überleben. Mir ist besonders wichtig, dass es zu 90 Prozent mittelständische Firmen sind, die den Deutschlandfonds nutzen.
SZ: Sie sagen, Sie machen keinen Wahlkampf mit Heilsversprechen. Gleichzeitig verspricht die Union Steuersenkungen. Wie passt das zusammen?
Guttenberg: Wir haben uns ja nicht auf ein bestimmtes Jahr festgelegt, aber wir wollen die Chance zu Entlastungen nutzen, wenn dies machbar ist. Erste Priorität hat für mich die Bekämpfung der heimlichen Steuererhöhung durch die sogenannte kalte Progression.
SZ: Wie wollen Sie Steuersenkungen denn finanzieren, ohne die dramatisch steigende Neuverschuldung noch weiter zu erhöhen?
Guttenberg: Wir dürfen uns nicht an kommenden Generationen versündigen. Deswegen müssen wir im Rahmen des haushaltspolitisch Verantwortbaren bleiben. Das bedeutet, dass wir zusätzliches Wachstum, das wir ab nächstem Jahr hoffentlich wieder haben werden, sowohl zur Schuldentilgung, als auch zur Entlastung der Bürger nutzen wollen.
SZ: Wollen Sie das Steuersystem ökologisch umbauen? Ihr Parteichef Seehofer sagt: "Die CSU soll so grün wie möglich werden."
Guttenberg: Der Respekt vor der Schöpfung auch im Sinne der folgenden Generationen ist für mich ein Kernelement konservativer Politik. Das ist natürlich nicht nur eine Frage der Steuersystematik. Ich habe sehr viel Sympathie dafür, dass wir auch die Wirtschaftspolitik stärker mit ökologischen Themen vernetzen. Ökologie ist nicht als Badeschlappenthema zu begreifen, sondern als wirtschaftliche Chance. Erneuerbare Energien wie Windkraft, Solarenergie und Biomasse, effiziente Technologien - das sind Industrien, bei denen Deutschland weltweit führend ist; hier wollen wir unsere Wettbewerbsfähigkeit noch ausbauen. Das ist für mich auch Teil einer modernen Industriepolitik.
SZ: Die grüne Parteiprominenz liebäugelt nach dem Desaster der SPD bei den Europawahlen verstärkt mit schwarz-grünen Koalitionen. Halten Sie solche Bündnisse im Bund oder zum Beispiel in Bayern für möglich?
Guttenberg: Wir sollten im Bund eine bürgerliche Koalition hinbekommen. Diese Frage stellt sich deshalb im Herbst gar nicht. Und in Bayern sollten wir aus unseren Fehlern so gelernt haben, dass wir bald wieder alleine regieren können. Auf ewig ausschließen darf man solche Bündnisse aber nie. Ich glaube allerdings, dass wir da noch viel beweglicher werden müssen.
SZ: Also auch Ihre Partei, die CSU?
Guttenberg: Ich sehe in der grünen Partei eine besondere Notwendigkeit, sich zu bewegen.
SZ: Sie können sich also schwarz-grüne Koalitionen vorstellen?
Guttenberg: Hamburg zeigt, dass sich diese Konstellation nicht ausschließen lässt. Auf Bundesebene wäre allerdings noch eine sehr weite Wegstrecke zu gehen. Das würde im Zweifel Jahre dauern.
SZ: Ist nicht der Atomausstieg ein K.-o.-Kriterium?
Guttenberg: Wir brauchen eine begrenzte Verlängerung der Laufzeiten, bis wir mit vernünftigen Alternativtechnologien wirtschaftlich und klimafreundlich arbeiten können. Dazu gehört auch die Möglichkeit, die bestehenden Atomkraftwerke mit modernsten Technologien auszustatten, um sie noch sicherer und effizienter zu machen. Ich sehe aber keine Notwendigkeit, neue Atomkraftwerke zu bauen.
SZ: Das heißt, Sie haben generell nichts gegen den Atomausstieg, wenn er nur ein paar Jahre später kommt als jetzt vorgesehen?
Guttenberg: Wenn es uns gelingt, schnell genug wirtschaftlich tragfähige Alternativen zu etablieren - nein.
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- Arcandor-Insolvenz In der Koalition kracht's 11.06.2009
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(SZ vom 19.06.2009/mel)
Großprojekte in Berlin
Zu "unpopuläre Meinungen":
Man/frau nehme
1. ein Umfrageergebnis vom November 2008: 54 % der befragten BundesbürgerInnen sprechen sich gegen Staatshilfen für Opel aus - 40 % dafür
2. auch eine Meinung von einem führenden Kopf der deutschen Automobilindustrie- z. B. die von VW-Chef Martin Winterkorn "keine Hilfszahlungen an Opel" (Ende Februar 2009) und mache sich diese zueigen (wobei die VW-Bank [VW-Bank-"Filialen" finden sich unter Namen wie "Audi-Bank", "Seat-Bank" und "Skoda-Bank"] - gewiss keine systemische/n - eine Woche vor der Winterkorn-Forderung vom Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung einen Garantierahmen von zwei Mrd. Euro erhalten hatte)
3. sowie ein Umfrageergebnis vom März 2009: 50 % der befragten BundesbürgerInnen sprechen sich gegen Staatshilfen für Opel aus - 44 Prozent dafür
4. als auch ein Umfrageergebnis vom Mai 2009: 61 % der Befragten sind gegen staatliche Hilfen für den Karstadt-Mutterkonzern Arcandor - 32 % dafür
und orientiere sich - nach eingehender Prüfung/Analyse/Hinterfragung der Fakten - und seine Position an diesen vorherrschenden Befragten- & Elitenmeinungen; schon hat man sich in den Augen der Öffentlichkeit als Verfechter unpopulärer Meinungen/Standpunkte profiliert und "rankt" in der PolitikerInnenbeliebtheitsskale auf Platz 2. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis man mit dieser Strategie Frau Merkel um- bzw. over"rankt" hat.
Es ist schon echt bewundernswert, wie mutig er derart unpopuläre Meinungen vertritt - unser AC/DC-CSU-Wirtschafts-Messias zu Guttenberg.
Keineswegs ist das ist das Europawahlergebnis eine Ablehnung der Position des unsäglichen Populisten G. . Allerdings, solches schrieb ich auch nirgendwo. Ganz offensichtlich haben sie hier erhebliche Verständnisdefizite. Ich schrieb vielmehr, das der G., wie aus den Wahlanalysen hervorgeht eine populistische Mehrheitsposition vertritt und keineswegs, wie von ragazzo fälschlicherweise behauptet eine, unbequeme Minderheitenposition. Dies nur um klarzustellen das der G. eben ein gefährlicher Populist ist und keineswegs über die notwendige Eignung verfügt, irgendeine leitende Poition zu begleiten.
Übrigens: ragazzo, inkohärenzen in der Argumentation (unpopuläre Ansichten und gleichzeitig Mehrheitsmeinung wie von Ihnen postuliert) kann man vermeiden indem man ab und an nachdenkt. Das setzt voraus, dass Sie Ihre Ideologiebrille absetzen. Und bitte, vermeiden Sie es zukünftig anderen Foristen Dinge in den Mund zu legen, die diese oder jene definitiv nicht geäussert haben. Das zeigt nur die Schwäche Ihrer Position und das will ich nun wirklich nicht. Eine Auseinandersetzung mit Ihnen würde für mich in der Folge jeglichen Reitz verlieren.
Ich frag jetzt gar nicht mehr nach ihrer Alternative - das kann ja nur noch schlimmer werden.
Zum Glück denkt ein Großteil der wählenden Menschen anders - und die Nichtwähler stehen eh außerhalb jeglicher Wertung...
... dass sie sich nun als Hüter der Staatsfinanzen und Retter des Steuerzahlers aufspielt.
Nachdem sich der Finanzsektor (und damit nicht unerhebliche Teile der Unionsklientel!) die Taschen ordentlich vollgestopft hatten, wurde mit Hunderten von Milliarden eben dieser Finanzsektor gestützt, was zumindest in der Größenordnung fragwürdig war.
Nun, da es um reelle Arbeitsplätze und Unternehmen geht, ist natürlich kein Geld mehr da.
Aber, was interessiert sich die Union denn auch für Arbeiter und Angestellte? Totes Humankapital, oder, Herr Ackermann?
Und leider ist die Vereinzelung und der Egoismus in unserer Gesellschaft derart weit fortgeschritten, dass sich acuh Arbeiter von den schwarz-gelben Rattenfängern per Bild-Zeitung einfangen lassen und allen Ernstes glauben, diese von der Lobby der "Oberen 10.000" ferngesteuerten Mietmäuler würden etwas für sie tun.
AUFWACHEN!
Man kann ja zu dem Baron durchaus verschiedener Meinung sein, aber eines spricht ganz klar für ihn: er verhindert möglicherweise einen Durchmarsch des unsäglichen Söder innerhalb der CSU und dafür kann man gar nicht dankbar genug sein!
Paging