SZ: Aber kämpfen Sie nicht beide gegen Windmühlen, solange unser Essen so billig ist?
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Bauernpräsident Gerd Sonnleitner will nicht auf die konventionelle Landwirtschaft verzichten. Eine grünere Landwirtschaft lässt sich schrittweise umsetzen, sagt er. (© Robert Haas)
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Ribbe: Die Konsumenten haben hier tatsächlich eine hohe Verantwortung. Nahrung muss uns mehr wert sein. Aber ich muss die Verbraucher in Schutz nehmen: Es wird uns doch suggeriert, dass alles, was wir kaufen, gut ist. Im Supermarkt finden wir Fleisch, auf dem "Bauernglück" steht, obwohl der Bauer so wenig Geld für sein Tier bekommt, dass er sicher nicht glücklich ist. Auf den Milchtüten lächeln Kühe von der Weide, obwohl die Tiere wahrscheinlich niemals eine Weide gesehen haben. Und glauben Sie, dass Wiesenhof, der größte Hersteller von Geflügelfleisch, seine Tiere auf Wiesen und Höfen hält?
Sonnleitner: Ich heiße auch Sonnleitner, obwohl ich die Sonne nicht leite. Das sind eben Marken, die im Laufe der Zeit entstanden sind. Wenn ich hier aus der SZ-Redaktion Richtung Alpen schaue, dann entsprechen diese Bilder genau dem, wie die Kühe hier gehalten werden.
Ribbe: Oberbayern ist ein Spezialfall. Aber mit solchen Bildern entsteht beim Verbraucher der Eindruck, dass die Welt der Landwirtschaft eine Idylle ist und ihre Produkte zugleich unglaublich billig sind - was müssen wir da überhaupt ändern? Wir brauchen hier eine Marktdifferenzierung: In Deutschland gibt es im Supermarkt nur normale Milch oder Bio-Milch. In Österreich kann man hingegen beim Discounter zusätzlich auch echte Weidemilch kaufen, und dafür sind die Verbraucher bereit, mehr Geld auszugeben. Anstatt immer nur wachsen zu müssen, um überleben zu können, können die Bauern so auch mit ihrer guten Milch von weniger Kühen auskommen. Oder wir machen mehr Direktvermarktung - ich kaufe mein Schweinefleisch zum Beispiel direkt bei einem Bauern.
SZ: Ist das Agrarromantik?
Sonnleitner: Das ist ein Teil des Marktes. Ich kann aber nicht von jedem Bauern verlangen, der irgendwo auf dem Land sitzt, dass er seine Milch direkt an die Verbraucher vermarkten soll. Der muss eine andere Chance des Überlebens haben - und die kann bedeuten, 60 statt 20 Kühe zu haben.
SZ: Was zahlen Sie bei Ihrem Bauern denn für das Schwein, Herr Ribbe?
Ribbe: Ich kaufe es bei einem Bauern, der seine Tiere nach einem Programm hält, das besonders artgerecht ist. Ich zahle ihm etwa 2,50 Euro pro Kilo. Verarbeitet wird es beim Metzger, insgesamt kostet es durchschnittlich fünf Euro pro Kilo.
SZ: Und was kostet ein Schwein aus herkömmlicher Landwirtschaft?
Sonnleitner: In der Regel 40 Prozent weniger. Derzeit erhalten die Bauern aber als Folge der Dioxinkrise nur 1,12 Euro.
SZ: Wäre es da nicht im Interesse der Landwirte, wie der Bauer von Herrn Ribbe auf Spezialprogramme oder gleich auf Ökolandbau umzusteigen?
Sonnleitner: Nur ein Prozent der verkauften Schweine in Deutschland sind aus Bio-Haltung. Der Markt fragt es nicht stärker nach. Wenn alle, die für Bio sind, auch Bio kaufen würden, und wenn alle, die Mitglied bei Umweltorganisationen sind, so leben würden, wie sie reden, dann hätte die Öko-Landwirtschaft schon einen Marktanteil von 50 Prozent. Auch ich möchte eine bäuerlich-ökologische Landwirtschaft, aber ich glaube nicht, dass die Öko-Landwirtschaft alleine die Menschen ernähren könnte.
SZ: Müssten die Deutschen also hungern, wenn alle Bauern ökologisch produzieren würden?
Sonnleitner: Das nicht. Aber in Notfällen, wie etwa Ernteausfällen, könnte es passieren, dass das Essen knapp wird. Dann müsste uns das Ausland versorgen. Ich möchte daher die Versorgungssicherheit mit der konventionellen Landwirtschaft erhalten.
Ribbe: Und im derzeitigen System könnten wir uns ohne die ständigen Futtermittelimporte aus dem Ausland überhaupt nicht ernähren. Da kommen wir an die Grenzen der industrialisierten Landwirtschaft.
SZ: Kann es sein, dass Herr Ribbe der Visionär ist, während Sie, Herr Sonnleitner, der Funktionär sind - weil Sie überlegen müssen, wie die Visionen in der Praxis funktionieren können?
Sonnleitner: Funktionär klingt so negativ. Ich würde es so sagen: Es gibt diejenigen, die glorreich von Visionen schwärmen, und diejenigen, die sie mühsam in der Realität Zug um Zug umsetzen.
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(SZ vom 20.01.2011/olkl/mel)
- Mechaniker für Land- und Baumaschinentechnik (m/w)– Wacker Neuson Produktion GmbH & Co.KG, Unterschleißheim, Kehl, Aalen, Koblenz, Gießen, Erfurt, Essen, Berli-Süd, Hannover, Münster, Gotha
- Duales Studium Bachelor of Engineering (Maschinenbau) Fachrichtung Entwicklung und Konstruktion– Wacker Neuson Produktion GmbH & Co.KG, München
- Duales Studium Bachelor of Arts (Ba) Fachrichtung Industrie– Wacker Neuson Produktion GmbH & Co.KG, München
In Frankreich würden solche Futtermittel Hersteller von den Erzeugern gesteinigt!
Es gibt eine ess Kultur durch alle Schichten der Bevölkerung!
Hier schafften wir sie ab weil ein paar Leute schnelles Geld machen wollen!
...ist besser zu rationalisieren und damit gewinnträchtiger, allerdings unnatürlich und dumm, wie das System das es erzwingt.
was Herr Sonnleitner hier von sich gibt.
Danke für ihren Beitrag, sie geben mir Mut und führen ein Beispiel an bei dem man sieht das es geht. Saubere Lebensmittel zu normalen Preisen.
Gruß
PS: Was hilft der Kohle Filter im Auto wenn zu Hause Dioxin und Gammelfleisch inklusive BSE auf den Teller kommt?
Als bei uns in der Schweiz Mitte der neunziger Jahre auf Druck der WTO und EU unser praktisch vollständig abgeschotteter Markt aufgebrochen wurde war die Frage....wollen wir weiterhin qualitativ hochwertige Lebensmittel oder diese ganzen E-Lebensmittel aus dem Rest der Welt. Der Stimmbürger hat sich an der Urne für eine ökologische Landwirtschaft entschieden. Der Landwirt erhält jetzt Direktzahlungen die an strenge ökologische Bedingungen geknüpft sind. Unser Glück war auch das unsere zwei Grossverteiler Genossenschaften sind die noch ein soziales Gewissen haben. Sie führten diverse Labels ein...die bekanntesten sind wohl Naturaplan und TerraSuisse. Auf jedem Produkt steht eine ID Nummer....mit der kann ich feststellen woher dieses Produkt kommt. Wir haben auf einer Motorradtour aus Neugier mal einen Besuch von einem Naturaplan-Betrieb eingeplant und wurden echt überrascht. Der junge Bauer zeigte uns voller Stolz seinen ganzen Betrieb. Das Prunkstück war ein riesiger Laufstall den die Tiere nach Lust und Laune und in jeder Jahreszeit verlassen konnten. Als vor ein paar Jahren Aldi und Lidl bei uns Filialen eröffneten war die Angst gross das dieses System zusammen bricht. Das Gegenteil ist passiert...die Harddiscounter mussten ihr Sortiment anpassen...z.B. EU-Karton-Käse raus...richtiger Käse rein. Das für ein solches System in einem globalisierten Markt ständig gekämpft werden muss ist wohl logisch...es passieren auch Fehler und viele Landwirte mussten ihre Betriebe aufgeben. Zuoberst steht aber die Willensäusserung aller Beteiligten...den Produzenten, Grossverteilern und Konsumenten/Stimmbürger...wir wollen keine vergifteten Lebensmittel...und gesunde Lebensmittel müssen nicht teurer sein.
Zum Schluss noch ein kleiner Tipp an die EU-Politiker...die Bedingungen für die Labels und Direktzahlungen sind alle über Internet abrufbar...man muss ja nicht ständig nur auf die tausenden Lobbyisten hören...die so ums Parlament rumschwirren.
Paging