Zu aufgebläht und teuer: Ein Grieche nimmt den Kampf gegen den Beamtenapparat seines Landes auf - und zählt erst mal nach, wie viele Staatsbedienstete es überhaupt gibt.
Er könnte längst nach Hause gehen, sich ein schönes Leben auf einer Sonneninsel machen. Mit 72 Jahren hat Leandros Rakintzis auch das neue griechische Rentenalter schon um sieben Jahre überschritten. Der Mann aber hat eine Mission. Er ist der oberste Kontrolleur für den öffentlichen Dienst seines Landes, und in diesen Tagen hat er eher gute Laune. Weil Griechenland tut, was schon lange hätte getan werden müssen. Es zählt erstmals alle Staatsdiener.
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Bis zu eine Million Beamte sollen für den griechischen Staat arbeiten. Ganz genau weiß das aber niemand, deswegen wird gezählt. (© dpa)
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Es ist tatsächlich kaum zu glauben, aber wie viele der etwas mehr als elf Millionen Griechen für ihren Staat arbeiten, und was sie alle überhaupt machen, ist bislang nicht bekannt. Rakintzis zumindest glaubt: "Man könnte auch mit der Hälfte der Leute auskommen." Aber erst müsste man einmal wissen, wie viele es sind. 700.000 oder eine Million? Zwischen diesen beiden Zahlen liegen die Schätzungen.
Am ersten Tag brach gleich der staatliche Computer zusammen, als 200.000 Beamte sich beeilten, ihre Daten einzugeben. Kein Wunder: Wer sich nicht rechtzeitig meldet - also vor dem 23.Juli -, muss damit rechnen, dass er vorerst kein Geld mehr erhält.
Wie die "Feudalherrscher"
Der aufgeblähte öffentliche Dienst ist eine der Hauptursachen für das horrende Haushaltsdefizit, das Hellas an den Rand des Bankrotts gebracht hat. Die EU und der Internationale Währungsfonds gewähren dem Land Milliardenkredite, verlangen dafür aber, dass es sich entsprechend anstrengt.
Kontrolleur Rakintzis findet das richtig. In seinem neuesten Bericht hat er die Missstände im öffentlichen Dienst beschrieben. So nahm die Zahl der Angestellten der Athener Trambahn in der Zeit der konservativen Regierung zwischen 2004 und 2009 um 533 zu, das Streckennetz aber wuchs um gerade mal zwei Kilometer. Die Verantwortlichen der Straßenbahngesellschaft will Rakintzis nun vor Gericht bringen.
Staatsjobs wurden in Griechenland bislang, besonders vor Wahlen, wie Geschenkpakete verteilt, und zwar auf allen Ebenen. Wie "Feudalherrscher" hätten sich gerade Kommunalverwaltungen benommen, schimpft Rakintzis. Gegen die Rundumerfassung, die er plant, hatten staatliche Datenschützer zunächst Einwände erhoben, sie dann aber mit Auflagen genehmigt. Aus den Computerbögen wurden einige persönliche Fragen gestrichen.
Behörden, die es nicht gibt
Manche Staatsdiener hätten auch mehrere Jobs, sagt Lykurgos Liaropoulos, Ökonom an der Universität von Athen und Spezialist für das hochdefizitäre Gesundheitssystem. "Wir werden Leute entdecken, die Geld aus drei oder vier Quellen bekommen." Andere wurden gar nicht bezahlt. Weil sie nur Kurzzeitverträge haben und angeblich seit Monaten auf ihr Gehalt warten, hinderten frustrierte Angestellte des Kultusministeriums in dieser Woche Hunderte Touristen an einem Besuch der Akropolis.
Jüngst erst wurde eine Gesundheitsbehörde abgeschafft, die nie existierte. Zumindest hatte sie keine Angestellten. Überbesetzt seien vor allem Ämter, die gut bezahlen, sagt Rakintzis. Andernorts gebe es viel zu wenig Mitarbeiter - etwa auf einsamen Inseln, in den Grenzgebieten zur Türkei oder im Amt zum Schutz der Wälder.
Die sozialistische Regierung will nun für je fünf Angestellte, die in Pension gehen, nur noch einen einstellen. Rakintzis hat 28 Mitarbeiter, das ist wenig für die Kontrolle des ganzen Landes. Der rundliche Mann sagt, in den 38 Berufsjahren als Richter habe er gelernt, "fast alles allein zu machen". Er ist wirklich ein Vorbild.
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(SZ vom 02.01.2011/stl/hgn)
Bitte überlegt euch mal genau, wer vom griechischen "über-die-Verhältnisse-leben" wirklich profitiert hat und warum z.B. Herr Ackermann von der Deutschen Bank jetzt "Gewinne" verbuchen kann. Weil der Steuerzahler jetzt gezwungen ist, die Risiken der Deutschen Bank (und anderer) zu übernehmen. Den Griechen wurde jahrelang das Geld dieser "ehrwürdigen Institute" nachgeschmissen und jetzt wundert man sich, dass die nicht zurückzahlen können. Ich bin der Meinung, wer Risiken eingeht, indem er Kreditunwürdigen Kredite bewilligt, muss selbst dafür geradestehen.
(Dann sähe allerdings die Bilanz des Herrn Ackermann anders aus!)
Liebe Frau Schlötzer,
1) es wäre schön, wenn sich jemand (und warum nicht Sie?) mal genauso ernsthaft mit den entsprechenden "Zuständen" in Deutschland befasst. Ist es nicht so, dass z.B. die Medikamentenpreise in Deutschland ebenfalls wesentlich teurer sind als im EU-Ausland?
und
2) Ich dachte eigentlich, dass die Milliarden für Griechenland dafür gedacht sind, dass Griechenland seine Verbindlichkeiten bei deutschen und französischen Banken bedienen kann und die überaus "erfolgreichen" Ackermann und Konsorten keine Verluste abschreiben müssen? Das sind doch keine "schwarzen Löcher"! Das sind doch die herausragenden Stützen der EU-Gesellschaft und des EU-Systems!! (siehe auch heute in PrintSZ Seite 16 rechts oben!!!!
bis die dort mal auf diese Idee kamen, macht nichts, passieren wird eh nichts, höchstens bei uns wird wieder mal zugunsten dieser Südlichen Kostgänger, was zum Nachteil der hiesigen Bürger verändert, Wie im richtigen EU-Leben.
An marlon07:, Es ist so wie sie schreiben,nur einige glauben nur in der linken Welt liegt das Glueck der Welt. Boese,Schlecht sind die anderen,Deutschland sowieso und der Westen erst recht,arme Welt,wie soll es nur mit soviel Ignoranz weitergehen ? Ja und das die Grichen diese Schulden gemacht haben,daran ist Deutschland Schuld,sie haben damit unsere Kojunktur hochgehalten. Ja so ist die Welt der linken und Schauspieler.
Sie sind sich aber schon darüber im klaren, dass Griechenland genau wie Italien mit 115% des BIP verschuldet ist? Wir bräuchten etwa 750 Mrd mehr Schulden um auf das gleiche Niveau wie Griechenland zu kommen, wären "lediglich" 30 Mrd mehr Zinsen wie aktuell. Auf unserem 4% Niveau ... sollte das angesichts der Schulden auf 8-10% steigen wäre es auch für uns vorbei. Unsere heutigen(!) 1700 Mrd zu 8% verzinst wären 136 Mrd Zinsausgaben. Das wären etwa die vierfachen der Einnahmen aus der Mineralölsteuer bzw. quasi die gesamte Lohnsteuer. Zusammen mit dem üblichen Rentenzuschuss wäre dann der Bundeshaushalt "weg". Damit könnten wir die gesamte Politik abschaffen, denn ohne nen Cent in der Tasche gibts nichts zu verteilen, gestalten und verwalten.
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