Geheime Konten Steuerparadies Deutschland

Bankenstadt Frankfurt am Main.

(Foto: dpa)
  • Das internationale Netzwerk Steuergerechtigkeit (Tax Justice Network) hat den Schattenfinanzindex 2015 herausgegeben.
  • Demnach ist Deutschland auf Platz acht der weltweit "schädlichsten Schattenfinanzplätze".
Von Cerstin Gammelin, Berlin

Steuerausländer haben in Deutschland mehr als 2500 Milliarden Euro steuerfrei angelegt und nur ein Prozent davon bisher an die Heimatfinanzbehörden gemeldet. Das geht aus dem am Montag in Berlin veröffentlichten Schattenfinanzindex 2015 hervor. Er wird vom internationalen Netzwerk Steuergerechtigkeit (Tax Justice Network) herausgegeben.

Deutschland gilt nach wie vor als Steueroase. Im Ranking der weltweit "schädlichsten Schattenfinanzplätze" belegt die Bundesrepublik den achten Platz. Als "Mutter aller Steueroasen" wird die Schweiz geführt. Das Netzwerk kritisiert, dass die Schweiz in der Auswahl der Länder, mit denen sie Informationen austauscht, ausgesprochen selektiv vorgeht. Schweizer Banken nutzen diese Zeit, um ihre Geschäfte weg von den OECD-Ländern in Entwicklungsländer zu verlagern, die nicht vom gegenseitigen Informationsaustausch profitieren, da sie selbst keine Daten liefern können.

Großbritannien weist das Netzwerk als "versteckte" Nummer eins unter den Steuerparadiesen aus. Offiziell liegt das Land auf Platz 15. Allerdings unterhält es ein weltweites Netzwerk von Steueroasen. Auf den Cayman Inseln, den Bermudas, Jersey oder den Britischen Jungferninseln verwalten Trusts Billionen Dollar. Würden Großbritannien und seine von ihm abhängigen Gebiete als Einheit behandeln, läge das Land vor der Schweiz.

Doppelmoral der USA

Luxemburg, bisher eine der führenden Steueroasen, ist vom zweiten auf den fünften Platz zurück gefallen. Der Schattenfinanzindex sei "das größte Projekt weltweit zur Messung von schädlicher Geheimhaltung im Finanzsektor und zeigt, wo Kriminelle, korrupte Eliten und Steuerflüchtlinge am besten mit ihrem Geld untertauchen können", sagte Markus Meinzer, Projektleiter beim Tax Justice Network und Autor des gerade erschienenen Buches "Steueroase Deutschland".

Meinzer kritisierte insbesondere die Doppelmoral der USA. Einerseits gingen sie "drakonisch" gegen ausländische Steueroasen vor. Gleichzeitig müssten sich die Handels- und Investitionspartner "mit einem spärlichen Rinnsal an Informationen" aus den USA begnügen. Die USA belegen im aktuellen Ranking Platz drei. Meinzer zufolge spielt die Bundesrepublik politisch nicht mit offenen Karten. Auf europäischer Ebene würden Transparenzreformen wie etwa die Angabe der Eigentümer von Firmen oder zu länderspezifischen Berichtspflichten abgelehnt.

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