Pipeline durch das Schwarze Meer BASF steigt bei South Stream ein

Russisches Gas für Europa: Das BASF-Tochterunternehmen Wintershall engagiert sich beim Pipeline-Projekt South Stream und brüskiert damit die EU. Das Ende für das Konkurrenzprojekt Nabucco?

Von Oliver Bilger

Spekulationen gab es schon länger, zuletzt machte das Gerücht über das Wochenende die Runde: Die BASF-Tochter Wintershall könnte beim Gasprojekt South Stream einsteigen. Durch die neuen Leitungen soll Erdgas aus Russland durch das Schwarze Meer nach Südeuropa strömen.

BASF-Vertreter Hambrecht (links) schüttelt Gasprom-Chef Miller (rechts) die Hand, beobachtet von Russlands Ministerpräsident Putin (Mitte).

(Foto: REUTERS)

Am Montagabend folgte - letztlich doch überraschend - die offizielle Bestätigung. Gazprom-Chef Alexej Miller und der BASF-Vorstandsvorsitzende Jürgen Hambrecht unterzeichneten in der Residenz des russischen Ministerpräsidenten nahe Moskau eine entsprechende Absichtserklärung. Wintershall soll demnach 15 Prozent der Anteile an der South-Stream-Gesellschaft erhalten.

Die Öl- und Gastochter aus Kassel könnte etwa zwei Milliarden Euro investieren, sagte der für Energiefragen zuständige russische Vizeregierungschefs Igor Setschin. Die Unternehmen machten zum finanziellen Umfang keine Angaben.

Bisher ist nur der italienische Versorger Eni an dem Großprojekt mit Gazprom beteiligt. Im Laufe des Jahres könnten außerdem Verträge mit französischen Konzern EdF abgeschlossen werden. Gazprom, so hieß es am Montag, werde allerdings seinen Anteil von 50 Prozent an South Stream behalten.

Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin nannte die Vereinbarung "enorm wichtig" und ein Zeichen der Stabilität. "Das ist heute erst einmal nur ein Memorandum", sagte Hambrecht. "Wir müssen hart arbeiten, um die Verträge unter Dach und Fach zu bringen." Wintershall und Gazprom arbeiten bereits beim Bau der Ostsee-Pipeline Nord Stream von Russland nach Deutschland zusammen.

Zukunft von Nabucco ungewiss

South Stream soll frühestens ab 2015 bis zu 63 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr aus Russland durch das Schwarze Meer nach Südeuropa pumpen. Die Kosten werden auf bis zu 25 Milliarden Euro geschätzt. Das Vorhaben gilt als Konkurrenzprojekt zu der von der Europäischen Union favorisierten Gaspipeline Nabucco, die Russland umgehen und die Abhängigkeit der EU vom russischen Gas verringern soll.

Der Einstieg von Wintershall "bedeutet aber nicht, dass Nabucco tot ist", sagte Hambrecht der Nachrichtenagentur dpa. Die Projekte könnten weiterhin gut parallel verfolgt werden. Putin hingegen hatte Nabucco in der Vergangenheit wiederholt als "sinnlos und gefährlich" kritisiert.