Formel-1-Chef Bernie Ecclestone kurz vor Schmiergeld-Anklage

Bernie Ecclestone muss um seinen Chefposten in der Formel 1 fürchten.  

(Foto: Getty Images)

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat nach SZ-Informationen ihre Ermittlungen gegen Formel-1-Chef Ecclestone abgeschlossen und will im Mai Anklage beim Landgericht München erheben. Die Strafverfolger beschuldigen den Briten, den damaligen BayernLB-Vorstand Gribkowsky mit 44 Millionen Dollar bestochen zu haben.

Von Hans Leyendecker und Klaus Ott

Anfang Juli, beim Formel-1-Gastspiel auf dem Nürburgring, könnte sich Bernie Ecclestone eigentlich wieder mal in Deutschland blicken lassen. Der Brite, der das Motorsportspektakel zum Milliardengeschäft gemacht hat, schaut gern bei den Rennen vorbei. Um mit den Fahrern zu plaudern, um Sponsoren zu treffen, um neue Deals einzufädeln. Ein Besuch des Nürburgrings könnte der letzte angenehme Auftritt für den Renn-Boss in der Bundesrepublik sein. Der übernächste Auftritt soll vor Gericht stattfinden. Dorthin will ihn die Münchner Staatsanwaltschaft bringen, als Beschuldigten in einem Schmiergeldprozess.

Seit mehr als zwei Jahren ermitteln die Münchner gegen Ecclestone. Der Brite hatte einem deutschen Spitzenbanker, der in der Formel 1 viel zu sagen hatte, heimlich 44 Millionen Dollar zukommen lassen. Nun sind die Ermittlungen abgeschlossen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ist die seit langem geplante Bestechungs-Anklage gegen Ecclestone so gut wie fertig und soll noch im Mai beim Münchner Landgericht eingereicht werden. Vielleicht sogar noch vor Pfingsten. Bis die Anklageschrift dann bei Bernie ankommt, wie der Renn-Boss meist genannt wird, dürfte es noch einige Zeit dauern. Das Werk soll erst ins Englische übersetzt werden, damit der Brite selbst nachlesen kann, was ihm vorgeworfen wird. Anschließend bekommen Ecclestones Verteidiger Sven Thomas und Norbert Scharf Gelegenheit zur Stellungnahme.

Die beiden Juristen werden alles tun, um das Gericht im Zwischenverfahren davon zu überzeugen, dass die Vorwürfe nicht zuträfen und deshalb kein Prozess nötig sei. Thomas und Scharf haben schon versucht, die Anklage zu verhindern, aber ohne Erfolg. Sollte das Gericht zu der Überzeugung gelangen, die Anschuldigungen seien stichhaltig genug für einen Prozess, dann dürfte dieser sicher nicht vor Herbst beginnen. Es wäre ein ungewöhnliches Verfahren. Einer der mächtigsten Männer im globalen Sportgeschäft wegen Schmiergeldvorwürfen auf der Anklagebank.

Mit Ruhe ist nichts

Aber ist Ecclestone dann noch Chef der Formel 1 ? Bereits vor Monaten, als sich eine Anklage abzeichnete, haben Top-Leute aus der Formel 1 überlegt, wie mit der Münchner Angelegenheit umzugehen sei. Es entstand die Idee, Ecclestone nahezulegen, sein Amt ruhen zu lassen. Als offizieller Grund sollte dann angegeben werden, Ecclestone brauche seine ganze Zeit und Kraft, um sich gegen die Vorwürfe zu wehren. Inoffiziell ginge es in solch einem Fall darum, Schaden von der Formel 1 fernzuhalten. Sponsoren und Staatschefs, mit denen die Renn-Gesellschaften über Werbe-Millionen und neue Strecken verhandelt, wollen keinen Angeklagten als Ansprechpartner haben.

Ecclestone wird im Oktober 83 Jahre alt. Er ist aber nach wie vor fit, und mit Ruhe ist nichts. Der Brite beteuert vehement seine Unschuld. Er habe die 44 Millionen Dollar dem damaligen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky nur deshalb zukommen lassen, weil er von diesem erpresst worden sei. Die BayernLB war mal Hauptaktionär der Formel 1 und machte Bernie das Leben schwer, bis Gribkowsky plötzlich umschwenkte. Der frühere Banker behauptet jetzt, von Ecclestone geschmiert worden zu sein. Er ist selbst wegen Bestechlichkeit und weiterer Delikte zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Das Urteil ist jetzt rechtskräftig geworden, nachdem sowohl Gribkowsky wie auch die Staatsanwaltschaft Einsprüche beim Bundesgerichtshof zurückgezogen haben. Dass der Banker ins Gefängnis kam, bedeutet aber nicht, dass nun automatisch auch der Formel-1-Chef verurteilt wird. Ein Prozess gegen Ecclestone wäre ein ganz neues, eigenes Verfahren. Äußern will sich dazu derzeit niemand. Weder die Münchner Staatsanwaltschaft noch die beiden Anwälte des Briten.