Formel-1-Affäre Neue Klage gegen Ecclestone

Die CVC war nicht der einzige Bieter auf die Formel-1-Anteile der BayernLB. Jetzt fordert eine US-Investmentgesellschaft überraschend Schadenersatz von Bernie Ecclestone. Sie sei durch Schmiergeldpraktiken um ein lukratives Geschäft mit der Rennserie gebracht worden.

Von Klaus Ott

Die Affäre um mutmaßliche Schmiergeldzahlungen in der Formel 1 ist jetzt auch ein Fall für die US-Justiz. Die Investmentgesellschaft Bluewater hat Informationen der Süddeutschen Zeitung bei Gericht in New York eine Schadenersatzklage in Höhe von 650 Millionen Dollar gegen Renn-Chef Bernie Ecclestone und andere eingereicht. Bluewater behauptet, man habe im Jahr 2005 beim Ausstieg von Bayerns Landesbank aus der Formel 1 das beste Angebot für die Renn-Anteile der BayernLB abgegeben und hätte demzufolge den Zuschlag erhalten müssen.

Ecclestone habe dann aber mit einer Schmiergeldzahlung an den damaligen Landesbank-Vorstand Gerhard Gribkowsky erreicht, dass nicht Bluewater, sondern der Konkurrent CVC als Käufer ausgewählt worden sei. CVC, ebenfalls eine international agierende Investmentgesellschaft, war damals von Ecclestone ins Spiel gebracht worden. Auch von CVC, Gribkowsky und der BayernLB verlangt Bluewater Schadenersatz. Weder CVC noch die BayernLB äußerten sich am Dienstagabend zu der in New York eingereichten Klage. Es ist bereits die dritte Schadenersatzforderung in dieser Affäre gegen den britischen Renn-Boss.

Nach dem Ausstieg der BayernLB aus der Formel 1 hatte deren Chef Ecclestone zusammen mit einer Stiftung seiner damaligen Frau dem Bankvorstand Gribkowsky heimlich 44 Millionen Dollar zukommen lassen. Nachdem das später aufflog, wurde der inzwischen aus der Bank ausgeschiedene Gribkowsky wegen Bestechlichkeit und anderer Delikte zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Das Landgericht München kam zu dem Ergebnis, Gribkowsky habe sich von Ecclestone schmieren lassen und den Ausstieg der BayernLB aus der Formel 1 dann ganz im Sinne des Briten gesteuert. Ecclestone habe nach Klagen der Landesbank gegen ihn um seine Macht in der Rennserie gefürchtet und die BayernLB loswerden wollen. Mit Hilfe des neuen, von ihm ausgesuchten Hauptaktionärs CVC habe der Brite seinen Chefposten gesichert.

Seit Gribkowskys Verurteilung treibt die Münchner Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen Ecclestone voran. Nach dem derzeitigen Stand der Dinge ist noch in diesem Jahr mit eine Anklage gegen Ecclestone zu rechnen, sofern nicht entlastendes Material auftaucht und zu einer Wende führt. Der Renn-Boss bestreitet die Vorwürfe und sagt, er sei von Gribkowsky erpresst worden. Nach Erkenntnissen der Ermittler wusste CVC nichts von Ecclestones heimlichen Zahlungen an Gribkowsky.

Die Klage in New York ist insofern überraschend, als die Münchner Justiz bislang keine Anhaltspunkte hat, dass damals ein höheres Angebot als das von CVC vorgelegen hätte. CVC hat rund 830 Millionen Dollar für die Formel-1-Anteile der BayernLB bezahlt. Bluewater behauptet nun laut Bloomberg in der in New York eingereichten Klage, man sei bereit gewesen, mehr zu zahlen. Da die Renn-Serie stark an Wert gewann und Investoren ihre Aktien mit Gewinn verkaufen konnten, sieht sich Bluewater um einen hohen Profit gebracht.

Kürzlich hat bereits die BayernLB 400 Millionen Dollar Schadenersatz von Ecclestone verlangt. Die Landesbank geht davon aus, dass ihr damaliger Vorstand Gribkowsky einen höheren Preis von CVC herausholen hätte können, wenn er nicht von Ecclestone geschmiert worden wäre. Die Bank ist aber ebenso wie die Justiz bisher nicht davon ausgegangen, dass ein besseres Angebot als das von CVC vorgelegen hätte. Auch die Familie des früheren Formel-1-Inhabers Leo Kirch fordert über eine ihrer Gesellschaften Schadenersatz von Ecclestone, weil sie ebenfalls von einem höheren Verkaufspreis profitiert hätte.