Finanzkrise Kreditkrise in Spanien nimmt bedrohliches Ausmaß an

Die Wirtschaftskrise befeuert sich selbst: Der drastische Einbruch der Konjunktur und die extreme Arbeitslosigkeit erschweren vielen Spaniern die Rückzahlung ihrer Kredite. Binnen kurzer Zeit hat sich nun das Volumen an faulen Darlehen gefährlich vergrößert.

Die Bankenkrise in Spanien weitet sich aus. Die desolate Lage der spanischen Wirtschaft und die daraus folgenden sinkenden Einkommen machen es vielen Spaniern unmöglich, ihre Kredite zurückzuzahlen. In den Bilanzen der Banken haben die faulen Kredite ein neues Rekordniveau erreicht.

Das Volumen lag im August bei knapp 179 Milliarden Euro - 51 Milliarden mehr als ein Jahr zuvor, wie die Madrider Zentralbank mitteilte. Der Anteil der nicht bedienten Kredite am Gesamtkreditvolumen stieg auf 10,5 Prozent und überschritt damit erstmals die Zehn-Prozent-Marke. Der Umfang der faulen Kredite steigt seit mehr als einem Jahr kontinuierlich an.

Spanien bekommt neues Geld für weniger Zinsen

An den Finanzmärkten haben sich die Anleger auf diese Entwicklung allerdings längst eingestellt. Die freuen sich derzeit viel mehr darüber, dass das Land anders als befürchtet vorerst nun doch nicht von der Ratingagentur Moody's heruntergestuft wird. Daher kommt Spanien am Kapitalmarkt wieder günstiger an frisches Geld.

Das Land nahm bei der Aufstockung von Staatsanleihen mit Laufzeiten von drei, vier und zehn Jahren insgesamt 4,6 Milliarden Euro ein und übertraf damit die eigenen Erwartungen. Bei den Auktionen zahlte das Land durchweg niedrigere Renditen als zuletzt.

Bei den zehnjährigen Papieren wurde am Donnerstag ein Zins von 5,4 Prozent fällig. Zuletzt hatte Spanien noch 5,6 Prozent bieten müssen. Die dreijährigen Bonds wurden mit rund 3,2 Prozent verzinst, nach zuvor 3,7 Prozent. Die Auktionen waren jeweils 2,6-fach überzeichnet. Die Nachfrage war damit weit stärker als zuletzt - ausgenommen die zehnjährigen Papiere.

Experten sprachen von einer gelungenen Anleihen-Auktion des südeuropäischen Landes: "Alles in allem war das sehr gut", sagte Marc Ostwald, Stratege bei Monument Securities in London.

Allerdings dürfe man nicht vergessen, dass die Spekulationen auf ein neues Anleihekaufprogramm der EZB eine entscheidende Rolle spielten. An den Märkten wird seit Wochen spekuliert, dass Spanien mit einem Hilfsantrag an den europäischen Rettungsfonds ESM den Weg für die Europäische Zentralbank (EZB) freimachen wird, ihr neues Anleihekaufprogramm namens OMT zu starten.

Insofern zeige die Auktion nicht, wie die Anleger wirklich die Lage in Spanien einschätzten, sagte Ostwald. Ministerpräsident Mariano Rajoy hat für den maroden Bankensektor Hilfe in Brüssel angefordert, zögert jedoch noch, für das Land insgesamt einen Hilfsantrag zu stellen.

Damit wären unpopuläre Spar- und Reformauflagen verbunden, die der regierenden Volkspartei derzeit äußerst ungelegen kämen. Dem konservativen Regierungschef stehen wichtige Wahlen ins Haus.

Linktipp: Wie die spanische Mittelschicht verschwindet, beschreibt Joseba Elola von El País.