Auch wenn Ex-Postchef Zumwinkel wohl nicht ins Gefängnis muss: Deutschlands Top-Manager werden kritisch beäugt - es ist die Chance für einen Neuanfang.
In Bochum beginnt soeben ein seltenes Schauspiel: Der Chef eines Dax-Konzerns steht vor Gericht. Klaus Zumwinkel, 65, der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, ist der Steuerhinterziehung angeklagt, er muss aber wahrscheinlich nicht ins Gefängnis. Er dürfte mit Bewährung und einer Geldstrafe davonkommen.
Ex-Postchef Zumwinkel: Katastrophenjahr für die Kaste in den Vorstandsetagen. (© Foto: AP)
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Aber Zumwinkel hat spätestens bei seiner Verhaftung im Februar 2008, die vor Fernsehkameras öffentlich zelebriert wurde, zu spüren bekommen, dass sich in diesem Land etwas geändert hat. Manager werden heute kritischer gesehen als je zuvor, sie werden nicht mehr als Teil einer Elite betrachtet, für die angeblich andere Gesetze gelten als für Normalsterbliche. Der Steuerhinterzieher Zumwinkel steht nicht nur als Zumwinkel vor Gericht, sondern auch als Prototyp des heute übel beleumundeten Managerwesens.
Mit der spektakulären Festnahme eines prominenten Wirtschaftsführers vor laufenden Fernsehkameras wollten Justizbehörden und Finanzministerium offenbar demonstrieren, dass Gesetz und Rechte auch für Manager Geltung haben. Für die Kaste in den Vorstandsetagen war damit ein Katastrophenjahr eingeleitet. Als im weiteren Verlauf von 2008 die Finanzkrise ihre zerstörerische Wucht zeigte, als die Gewinne schrumpften und die Aktienkurse abstürzten, wurden die Führungskräfte unsanft daran erinnert, dass sie nichts Besonderes sind und sie keineswegs eine neue Zauberwirtschaft mit Wunderrenditen erfunden hatten, in der die alten ökonomischen Regeln nicht mehr gelten.
Sie mussten einsehen, dass hohe Gewinne nur mit großem Risiko zu haben sind. Sie wurden an die schlichte Wahrheit erinnert, dass in einer auf Pump gegründeten Wirtschaft eines Tages der Kredit zurückbezahlt werden muss. Das Kurzfristdenken mit einem Horizont von drei Monaten wurde entzaubert wie der Glaube an den Garten Eden der Finanzmärkte. Ernüchternder konnte ein Jahr für die Manager kaum sein als das Jahr 2008.
Heerscharen von Managern glaubten zuletzt, in den modernen Zeiten seien dauerhafte Kapitalrenditen von 25 Prozent möglich, wer sie nicht schaffe, sei ein Versager. Diese Vorstellung ist vom angelsächsischen Investment-Banker-Denken geprägt und wurde in Deutschland vom Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, verbreitet. Der aber backt inzwischen viel kleinere Brötchen, die Deutsche Bank ist von der Finanzkrise eingeholt worden und in die Verlustzone gerutscht. Sie steht auch nicht so krisensicher da, wie ihr Chef behauptet. Wenn aber nicht einmal die Deutsche Bank ein Hort der Sicherheit ist, darf man sich nicht wundern, wenn das Wort von Managern bei den Bürgern nur noch wenig gilt.
Wo sich die Finanzelite durch eine Mischung aus Leichtsinn, Skrupellosigkeit und Gier ins gesellschaftliche Abseits manövriert, schlägt die Stunde der Politiker, die den Staat als letzten Hort des Vertrauens empfehlen. Man kann es den Politikern nicht einmal übelnehmen, dass sie sich selbst zu feiern beginnen, nur weil die einst großen Chefs von Banken und Konzernen inzwischen um Hilfe vom Staat betteln, um Folgen abzufedern, die sie selbst heraufbeschworen haben. Die Politiker sollten aber nicht vergessen, dass auch sie den Beleg dafür schuldig blieben, dass sie die besseren Unternehmer sind. Ausgerechnet die Banken, die in der Hand des Staates liegen, stehen in dieser Finanzkrise am schlechtesten da.
Die Chefs von Konzernen und Banken müssen einen Neuanfang wagen, wenn sie wieder zu Ansehen kommen wollen. Sie müssen Vertrauen und Anstand, die alten Werte, wieder zu ihren neuen Werten machen. Vor allem aber muss ihnen klar sein, dass sie in die nächste Katastrophe rennen, wenn sie glauben, dass ihnen die Regeln und Gesetze egal sein können, weil sie diese selber machen können. Zumwinkel wird Bewährung erhalten. Nicht nur er muss sich bewähren.
- Manager Zumwinkel Seine Höhen, seine Tiefen 22.01.2009
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(SZ vom 22.01.2009/tob)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Es geht hier nicht um den Manager Zumwinkel, sondern um den Zumwinkel, der über zwanzig Jahre hinweg mit erheblicher krimineller Energie dem Volk deutlich mehr als eine Millionen geklaut hat. Und der sollte nach rechtsstaatlichen Grundsätzen verurteilt werden wie jeder andere "stinknormale" Deutsche eben auch. Nicht umsonst steht im Artikel 3 des Grundgesetzes "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich."
Der Kriminelle Zumwinkel und dessen Gleichbehandlung wäre also das Thema und nicht der bzw. die Manager. Da geht der Kommentar grundsätzlich am Thema vorbei. Aber er bringt schon wieder einseitig die von der SZ seit Monaten standardmäßig vorweggenommene Behauptung, dass der Kriminelle Zumwinkel lediglich mit einer Bewährungsstrafe zu rechnen habe und damit praktisch ungeschoren davon kommen soll, während andere, wahrlich nicht als links zu bezeichnende Blätter wie die WELT korrekterweise darauf hinweisen, dass die Rechtslage durchaus auch eine Freiheitsstrafe hergibt.
Deswegen eine Vorschlag am Ende: Wäre es denn nicht ehrlicher, wenn die SZ sich diesbezüglich umbenennen würde, etwa in "Solidaritätsblatt für den Steuerhinterzieher Zumwinkel" oder warum nicht direkt "Was juckt uns unser freiheitlich-demokratisches Grundgesetz, wenn es um die Rettung von Eliten vor selbstverschuldeter Strafe geht"?
(Der Anmerkung von markusmeinzer dass ein rechtstaatliches Verfahren angesichts der dubiosen bzw. kriminellen Begleitumstände des Prozesses vor deren vollständiger Aufklärung nicht möglich ist, kann ich nur zustimmen. Dem ganzen Rechtswesen in Deutschland entsteht ein schlimmer Schaden und Vertrauensverlust, wenn dennoch einfach so weiter gemacht wird und eine Chance für die in dem herrschenden Chaos dringend notwendige Stärkung eines unabhängigen Rechtsstaates wird zunichte gemacht. Da sägen Einige ganz schon kräftig an dem Ast, auf dem wir alle sitzen!)
Wer? Unsere Politiker, unsere Manager, unsere Justiz?
Alle segeln am Limit. Alle sind kurz vorm Absturz. Kann mir nur einer den (Schwach) Sinn erklären? Ich fasse es nicht mehr. Aber selbst in der größten Krise, der Vertrauenskrise, wird sich im Grunde, wie man heute sieht, nichts ändern.
Genau das ist unser größtes Problem.
Zwei Parallelgesellschaften? Viele, viele...
"wirres zeug","wer nichts von finanzwirtschaft versteht"......
lieber forist gutvieh: dieses abbügeln von missliebigen kommentaren hätte man eher von einem schnarrenden preussischen offizier erwartet,nicht aber von einem leser einer politisch gemässigten zeitung.......
sie verstehen natürlich ganz viel von finanzwirtschaft und wirres zeug schreiben sie natürlich nicht,oder?
Irgendwie ist der erste teil meines Kommentars verloren gegangen. Hat da was nicht der AGB entsprochen (kann ich mir nicht vorstellen).
Die Beispiele sollen zeigen, wie wenig Lernfähig unsere Wirtschaft doch ist. Das ertste Beispiel stammt aus dem Frühkapitalismus: Ein "freier" Arbeitsmarkt hat die Löhne gedrückt, wodurch die Märkte und der Absatz zusammengebrochen sind. Das hat zu einer Überproduktion geführt, wodurch der Wert der Arbeit verfallen ist.
Ab hier geht es mit meinem vorigen Kommentar weiter.
Ökonomische Regeln in der Weltgeldwirtschaft ? Waren die schon jemals eingeführt ? Seit der Entdeckung der unbekannten Kontinente durch die Länder in Europa ging es ja erst mal darum, alles Wertvolle von dort für die eigenen Staatskassen (Höfe und Kriegsmaschinerien) zu klauen. Dann hat man sich gegenseitig beim Schätzeklauen auf hoher See beklaut (Kaperbriefe, etc.) und lustig weitergemacht mit der Geldvermehrung per 'Import'. Dann gab es 'Währungsreserven' - aus was schon - natürlich traditionsgemäß aus Gold. Irgendwann vorher hatten die Niederländer mal die Börse erfunden, die bis heute mit anderen Wucherungskonstruktionen mithalf auf dem Privatsektor ähnlich 'lustige' Geldvermehrungsmethoden einzuführen, wie sie früher die Staaten besaßen, nur das aus Gold Papier wurde und aus Papier 'Marketingzahlen' im Computer. Wenn da bis heute irgendeine Regel gewesen sein sollte, dann hab' ich das wohl übersehen. Was immer noch an den Sparten für Betriebswirtschaft gelehrt wird, ist die hemmungslose Profitmaximierung des einzelnen Betriebes ohne Rücksicht auf die Kosten und Nachteile anderer (Ist da auch Geld im Ausland verstecken dabei ?). Volkswirtschaftler sind da irgendwie doch etwas anders. Will sagen: nicht nur die weltweite Geldwirtschaft muss wirklich mal verifizierbare ökonomisch/ökologische Regeln bekommen, sondern die heutige Fachausbildung von Betriebswirtschaftlern zu Möchtegernheuschrecken muss radikal umgekrempelt werden.
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