EU will Wiederverwertung neu regeln Edler Elektroschrott

Wenn Elektroschrott im Hausmüll landet, gehen wertvolle Rohstoffe verloren. Die Bürger sollen alte Geräte einfach in Geschäften abgeben können, so will es die EU. Doch dagegen läuft der Handel Sturm, weil er den Aufwand scheut. Auch Umweltschützer sind nicht begeistert.

Von Marlene Weiss

Da liegt es in der Schublade, das Handy samt Ladegerät, und schaut vorwurfsvoll, bis der Besitzer sich nicht mehr traut, die Schublade aufzumachen. Der Föhn verstaubt im untersten Regalfach, man hat ja längst einen neuen, aber deswegen zum Wertstoffhof fahren? Und wo ist der überhaupt? Irgendwann kommt der nächste Umzug, und oft wandern Handy und Föhn bei der Gelegenheit einfach in den Hausmüll - illegal zwar und womöglich mit schlechtem Gewissen, aber so ist man die Geräte endlich los.

13 Prozent des Elektroschrotts in Europa geraten so oder so ähnlich in den Hausmüll, schätzt die EU-Kommission. Die wertvollen Rohstoffe gehen dabei verloren, und beim Verbrennen oder Deponieren leidet die Umwelt. Weitere 41 Prozent werden zwar separat entsorgt, aber nicht fachgerecht - teils außerhalb der EU. Und nur der Rest, etwa 46 Prozent des anfallenden Elektroschrotts, wird laut Schätzung richtig verwertet. Genau weiß man nicht, wie viel es ist, denn das Erfassungssystem ist kompliziert und in allen EU-Staaten unterschiedlich.

Das Ergebnis: viel Aufwand für die Hersteller, die ihre Produkte registrieren und die Entsorgung bezahlen müssen, und wenig Kontrolle für die Behörden. Das soll jetzt anders werden - mit der Neufassung einer Richtlinie, die an diesem Dienstag veröffentlicht werden und kurz darauf in Kraft treten soll. Sie trägt den Namen WEEE, was englisch ausgesprochen wie ein Quieken klingt. Es steht für "Waste Electrical and Electronic Equipment", kurz Elektroschrott - durch die Novelle soll mehr davon wiederverwertet werden.

Händler laufen Sturm

Das Papier hat es in sich. Vor allem soll es für Verbraucher viel einfacher werden, alte Elektrogeräte legal loszuwerden: Die Mitgliedstaaten sollen alle größeren Elektrogeräte-Händler verpflichten, Kleingeräte bis zu 25 Zentimeter Kantenlänge kostenlos einzusammeln. Auch wenn diese nicht bei ihnen gekauft wurden - und ohne eine Verpflichtung, ein anderes Gerät zu erstehen. Denn derzeit ist es meist viel einfacher, ein Kaufhaus oder die Filiale einer Elektronikkette zu erreichen, als etwa einen Wertstoffhof. Aber gegen diese Pflicht läuft der Handel Sturm, weil sie zusätzlichen Aufwand bedeutet. Darum erlaubt Brüssel den Mitgliedstaaten, davon abzusehen, wenn es ihnen gelingt, ein vergleichbares Sammelnetz aufzubauen. Das deutsche Bundesumweltministerium will "ergebnisoffen und ohne Vorfestlegung" beide Varianten prüfen.

"Da hat es ein paar böse Briefe vom Handel gegeben", sagt Karl-Heinz Florenz, CDU-Abgeordneter im Europaparlament und Berichterstatter für die Elektroschrott-Richtlinie. Aber es gebe ja andere Sammelsysteme - wenn die Staaten nachweisen können, dass sie damit auf vernünftige Sammelquoten kommen, sei es ihm recht. Was eine vernünftige Sammelquote ist, bestimmt künftig Brüssel: Derzeit liegt das EU-Sammelziel bei vier Kilogramm pro Einwohner und Jahr. Laut EU-Kommission fallen aber etwa 20 Kilogramm pro Kopf an, bis 2020 dürfte es noch deutlich mehr werden. Entsprechend groß ist die Sammel-Spannbreite: Während etwa Italien gerade so vier Kilogramm erreicht, bringt Schweden es auf das Vierfache; Deutschland liegt mit knapp neun Kilogramm im oberen Mittelfeld.

Von 2016 an müssen in jedem EU-Staat nun 45 Prozent des Elektroschrotts gesammelt werden, berechnet auf der Basis der Geräte, die in den Vorjahren verkauft wurden. Drei Jahre später sollen es 65 Prozent sein. Auch der Anwendungsbereich wächst: Etwa gelten die Vorschriften künftig für Solar-Paneele, auch wenn noch nicht klar ist, wie und wo Verbraucher kleine, selbstmontierte Solarmodule entsorgen können. Eine freiwillige Vereinbarung mit den Herstellern von Photovoltaik-Anlagen scheiterte daran, dass der Vorschlag aus der PV-Industrie dem EU-Parlament viel zu vage war: "Das sind Unterlasser, keine Unternehmer", sagt Florenz empört, "nach diesem Vorschlag war es zu spät."