Entschädigung der BayernLB 900 edle Tropfen von Gribkowsky

Er ist im Gefängnis, sein Vermögen gibt er frei: Die BayernLB hat jetzt Zugriff auf Gribkowskys Stiftung und seine Weinsammlung - als Schadenersatz für die Schmiergeld-Affäre um Formel-1-Chef Ecclestone. Neben der Landesbank will auch der Freistaat einiges kassieren. Für beide ist der Zugriff eine Art Spätlese.

Von Klaus Ott, München

Der Vorstand von Bayerns Landesbank könnte sich künftig Wein aus einer ganz besonderen Sammlung kredenzen lassen. Gleiches gilt für die Regierung von Ministerpräsident Horst Seehofer. Der Vorrat umfasst 900 Flaschen edlen Rebensaft, die bislang dem einstigen BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky gehört haben. Einem früher ziemlich reichen Mann, der einem Urteil des Münchner Landgerichts zufolge bei einem Schmiergeld-Deal 44 Millionen Dollar eingestrichen hat.

Die BayernLB hat jetzt Zugriff auf Gerhard Gribkowskys Stiftung und Wein.

(Foto: dapd)

Nun sitzt Gribkowsky im Gefängnis, sein Vermögen ist er gerade losgeworden. Die weiß-blaue Staatsbank hat sich den Zugriff auf Gribkowskys österreichische Privatstiftung Sonnenschein und dessen übrige Besitztümer gesichert, um Schadenersatz einzutreiben. Schadenersatz für die Affäre um den ehemaligen Spitzenbanker und Formel-1-Chef Bernie Ecclestone, bei der die BayernLB viel Geld verloren haben dürfte.

Doch auch der bayerische Fiskus will einiges kassieren und beansprucht in etwa die Hälfte des Vermögens, das auf 25 bis 30 Millionen Euro geschätzt wird. Denn Gribkowsky hat seine Schmiergeld-Millionen nicht in München versteuert, wo er das hätte tun müssen, sondern in Österreich, zu weit günstigeren Abgabesätzen.

Deshalb ist der Manager im Juli 2012 nicht nur wegen Bestechlichkeit und Untreue sondern auch wegen Steuerhinterziehung verurteilt worden, zu achteinhalb Jahren Gefängnis. Um sich mit der Justiz gut zu stellen und irgendwann Hafterleichterungen zu bekommen, hat der Ex-Banker seine Privatstiftung und alles andere nunmehr freigegeben. Dazu gehört auch eine Villa im Münchner Prominenten-Vorort Grünwald. Und eben die Weinsammlung, die sich der BayernLB-Vorstand und Seehofers Kabinett eigentlich teilen könnten. Damit ist aber nicht zu rechnen. Der Wein würde wohl etwas bitter schmecken.

"Unser Mandant hat den Tresorschlüssel zurückgegeben"

Für die Landesbank und den Freistaat ist der Zugriff auf das Vermögen eine Art Spätlese. Die BayernLB war einst Hauptaktionärin der Formel 1. Als sie aus dem Rennzirkus wieder ausstieg, steuerte Gribkowsky nach Erkenntnissen der Justiz den Verkauf der Anteile ganz im Sinne von Ecclestone. Der Brite soll sich so seine Macht im Milliardengeschäft Motorsport gesichert haben. Zugleich kassierte er von der Landesbank noch satte 41 Millionen Dollar als Provision. Anschließend sorgte er dafür, dass Gribkowsky zu viel Geld kam.

Der Banker legte das Vermögen vor allem in seiner Privatstiftung Sonnenschein an, deren wertvollster Besitz ein großer Häuserblock in Berlin mit mehreren Hundert Mietern ist. Das alles wollte der einstige Topmanager auch noch behalten, als er längst auf der Anklagebank saß. Das Landgericht München rügte, Gribkowsky habe das Geld in einem Tresor versteckt und den Schlüssel weggeworfen, damit niemand anderer herankomme.

Eine österreichische Privatstiftung ist nur schwer zu knacken. Doch inzwischen stellt die BayernLB, mit Einverständnis des verurteilten Ex-Managers, die Stiftungsvorstände. "Unser Mandant hat den Tresorschlüssel zurückgegeben", sagt Daniel Amelung, einer von Gribkowskys Verteidigern. Die Landesbank kann sich nunmehr daran machen, das Vermögen zu verwerten. Die Auflösung der Stiftung und der Verkauf der Immobilien dürfte viele Monate dauern. Und ob sich für den teuren Wein überhaupt Abnehmer finden, die einen gerechten Preis zahlen, wird sich erst noch zeigen. Vielleicht müssen die Landesbanker, Minister und andere Staatsdiener den Wein doch selbst trinken.