Energiewende Behörde warnt vor lahmem Netzausbau

Auch unter dem neuen Umweltminister Peter Altmeier gibt es weiter Probleme bei der Energiewende: Der Ausbau des deutschen Stromnnetzes geht immer noch schleppend voran. Die Bundesnetzagentur mahnt, die Projekte nicht weiter zu verzögern.

Anfang der Woche musste sich der neue Umweltminister Peter Altmaier wieder an die Arbeit machen. "Mach mich jetzt vom Acker. Mein Saarland-Urlaub ist leider um, dafür gibt's ab morgen wieder Energiewende!", schrieb er auf Twitter. Und Ackern ist dringend notwendig, mahnt nun die Bundesnetzagentur. Der Netzausbau, einer der zentralen Punkte der Energiewende in Deutschland, geht immer noch nur schleppend voran. "Der Ausbau des deutschen Höchstspannungsnetzes muss dringend beschleunigt werden", warnte Jochen Homann, Präsident der Behörde.

Ende Mai hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel Norbert Röttgen durch Altmeier als Umweltminister ersetzt und die Energiewende zur Chefsache erklärt. Seither scheint sich wenig bewegt zu haben. Die Bundesnetzagentur habe beim Monitoring wichtiger Bauprojekte neue Verzögerungen festgestellt, heißt es in einer Pressemitteilung. Dabei geht es um Stromtrassen, deren Bau von der Bundesregierung schon 2009 mit dem Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) beschlossen worden war.

"Der weiterhin schleppende Ausbau ist Beleg für den dringenden Handlungsbedarf", sagte Homann. Eigentlich sollte das EnLAG den schnellen Bau von rund 1834 Kilometer Höchstspannungstrassen vorantreiben. Doch drei Jahre nach der Verabschiedung des Gesetzes wurden gerade einmal 214 Kilometer davon realisiert. Und bis zum Jahresende werden voraussichtlich lediglich weitere 35 Kilometer hinzukommen. Erst 2 der 24 geplanten Leitungen gingen in Betrieb.

Insgesamt 15 der 24 Vorhaben liegen nach Angaben der Bundesnetzagentur deutlich hinter dem Zeitplan zurück. Der Zeitverzug liegt zwischen ein und fünf Jahren. Zwar soll bis 2016 zumindest die Hälfte der Leitungen realisiert sein, doch scheint es angesichts immer neuer Verzögerungen ungewiss, ob dieses Ziel tatsächlich erreicht wird.

Nach dem im Frühjahr von den deutschen Netzbetreibern vorgelegten Entwurf eines ersten nationalen Netzentwicklungsplans müssen bis 2022 rund 3800 Kilometer neue Stromtrassen gebaut und außerdem rund 4000 Kilometer vorhandener Trassen aufgerüstet werden. Die Bundesregierung zog bereits Konsequenzen aus den Verzögerungen und legte mit dem Netzausbaubeschleunigungsgesetz nach. Es bündelt zahlreiche Kompetenzen bei der Bundesnetzagentur und soll die Dauer der Planungs- und Bauphase für Stromautobahnen von zehn auf vier Jahre verkürzen.