Energieversorger Eon zerlegt sich selbst

Der Energiekonzern Eon vollzieht die Strom-Revolution und splittet sich auf. Ein neuer Konzern könnte schon im Januar 2016 starten. "Uniper" soll eine Art Bad Bank werden.

Von Markus Balser, Berlin

Mit einem Handstreich hatte Eon-Chef Johannes Teyssen Ende des vergangenen Jahres seine ganz eigene Energiewende angekündigt. Es war wohl eine der radikalsten Entscheidungen, die ein Dax-Chef je getroffen hat. Eon, bislang mit 112 Milliarden Euro Umsatz und 59 000 Mitarbeitern Europas größter Energieversorger, leitete die eigene Aufspaltung ein. Die Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke, die zuletzt zu einem immer größeren Risiko geworden sind, sollten dem Plan zufolge in eine neue Gesellschaft ausgelagert werden. Der übrige Konzern werde sich vor allem auf erneuerbare Energien und Energienetze konzentrieren, hieß es vage.

Was sich bei Eon ändert

Am Montag Nachmittag kam nun der Aufsichtsrat des Düsseldorfer Unternehmens zu einem geheimen Treffen zusammen, um über den Vollzug der spektakulären Pläne zu beraten - und traf weit reichende Beschlüsse. Danach soll der neue Energiekonzern mit der konventionellen Erzeugung unter dem Namen Uniper bereits im Januar des nächsten Jahres starten. Sitz des Unternehmens, das 2016 an die Börse gehen wird, soll Düsseldorf bleiben. Geführt wird das alte Eon-Geschäft künftig von dem bisherigen Finanzchef Klaus Schäfer.

Eon-Chef Johannes Teyssen soll dagegen den Chefposten der grünen Zukunftsgesellschaft mit Sitz in Essen übernehmen. Er führt den Versorger seit Mai 2010 und hat für den bisherigen Konzern einen Vertrag bis Ende 2018. Das operative Geschäft übernimmt Eon-Vorstand Leonhard Birnbaum, Finanzchef wird Michael Sen, derzeit Finanzchef der Siemens-Gesundheitssparte.

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Für den hoch verschuldeten Eon-Konzern soll diese Aufspaltung zum Befreiungsschlag werden, für die Energiebranche könnte sie eine Zeitenwende einläuten. Kein anderer Versorger hat sich bislang so radikal vom Geschäft mit fossilen und nuklearen Kraftwerken getrennt. Der Schritt gilt auch als Eingeständnis, dass die Energiewende hin zu umweltfreundlichem Strom aus Sonne, Wind und Wasser nicht mehr aufzuhalten ist. Er markiert zudem das Ende einer Strategie, nach der sich Stromkonzerne als "integrierte Unternehmen" sahen, die von der Stromerzeugung bis zur Steckdose alles im Griff haben wollten. Eon selbst war aus dieser Logik um die Jahrtausendwende aus der Fusion der Mischkonzerne Veba, Viag und später auch Ruhrgas entstanden.

Warum die Aufspaltung die Politik beunruhigt

Die Kehrtwende in eigener Sache ist vor allem die Folge massiver Probleme. Denn Eon brechen wie auch den deutschen und europäischen Konkurrenten die Geschäfte in rasantem Tempo weg. Der schnelle Ausbau grüner Energien lässt konventionelle Kraftwerke immer häufiger still stehen. Der Fortschritt der Energiewende wird auch in den kommenden Jahren Dutzende Anlagen überflüssig machen. Für Eon in der heutigen Form sieht der Konzern auch deshalb keine Zukunft mehr. "Wir sind bei Eon zu dem Ergebnis gekommen, dass es zunehmend schwierig wird, als breit aufgestelltes Unternehmen in der alten und in der neuen Welt unterwegs zu sein", hatte Teyssen zuletzt erklärt.

Die voranschreitende Aufspaltung sorgt in der deutschen Politik allerdings auch für große Unruhe. Denn das neue Unternehmen Uniper soll auch Eons Ausstieg aus der Atomenergie finanzieren. Rund 14,6 Milliarden Euro an Rückstellungen hat der Konzern dafür gebildet, sie sollen komplett in die neue Gesellschaft fließen. Die mauen Geschäfte mit Kraftwerken hatten zuletzt wiederholt Zweifel geweckt, ob die Energiekonzerne künftig noch für die nukleare Hinterlassenschaft aufkommen können.

Die Eon-Aufspaltung bedeutet auch, dass nur noch ein Teil des heutigen Eon-Konzerns für finanzielle Risiken haftet. Wenigstens der Name der neuen Gesellschaft soll keine Zweifel an einem Erfolg des Umbaus lassen. Er gehe auf einen von 3000 Vorschlägen der eigenen Mitarbeiter zurück, erklärte Eon. Uniper sei eine Mischung aus "Unique" und "Performance" und stehe für einzigartige Leistungsfähigkeit.

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