Deutschland erwacht aus der Rezession - doch Euphorie ist fehl am Platz. Denn für ein stabiles Wachstum muss noch viel getan werden.
Etwas Besseres hätte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Krisenjahr 2009 kaum passieren können: Sechs Wochen vor der Bundestagswahl überrascht das Statistische Bundesamt mit einer guten Nachricht. Die deutsche Wirtschaft ist nach vier Minus-Quartalen im zweiten Vierteljahr wieder leicht gewachsen. Deutschland erwacht aus der Rezession. Bereits in der vergangenen Woche hatte es hoffnungsvolle Zahlen zu Exporten und Auftragseingängen gegeben. Der nächste Aufschwung scheint nahe zu sein.
Bauarbeiter in Düsseldorf: Nach vier Minus-Quartalen in Folge ist die deutsche Wirtschaft zuletzt wieder gewachsen. (© Foto: AP)
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Die Bundesregierung wird dies in erster Linie als Erfolg ihrer Politik verbuchen. Und tatsächlich ist es zumindest teilweise ein Verdienst der großen Koalition, dass die Talfahrt gestoppt ist. Hatten Amerikaner und Franzosen der Regierung in Berlin vergangenen Herbst noch vorgeworfen, dem weltweiten Abschwung allzu zögerlich zu begegnen, stellen sich nun gerade die deutschen Konjunkturprogramme als recht wirksam heraus.
Einerseits haben die - von vielen Ländern kopierte - Abwrackprämie und die öffentlichen Investitionen die Wirtschaft in den dunkelsten Wochen der Krise stimuliert. Andererseits hat die Kurzarbeit dafür gesorgt, dass kränkelnde Betriebe einen Großteil ihrer Mitarbeiter halten konnten. Dies stützte die Kaufkraft und damit die Wirtschaftsleistung im Inland.
Die Mannschaft um Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hat es allerdings auch den Ökonomen und ihren Katastrophen-Prognosen zu verdanken, dass das Plus von 0,3 Prozent jetzt so hell strahlt. Denn berauschen kann sich an so einem Mini-Wachstum niemand.
Schließlich liegt das Bruttoinlandsprodukt immer noch um 7,1 Prozent unter dem Wert, der im zweiten Quartal des vergangenen Jahres erreicht wurde - in dem die Wirtschaft auch schon schrumpfte. Und das Plus bei den Auftragseingängen von 4,5 Prozent im Juni, gemessen am Vormonat, kontrastiert mit der schlechten Nachricht, dass trotzdem gut ein Viertel weniger Bestellungen bei deutschen Firmen einliefen als im Juni 2008. Ähnlich lässt sich das für die Exportzahlen vorrechnen. Ein Aufschwung ist das nicht.
Spätestens dann, wenn sich die Effekte der Abwrackprämie nächstes Jahr ins Gegenteil verkehren, weil weniger Menschen Autos kaufen, wird sich zeigen, ob die Wirtschaft wieder aus eigener Kraft wachsen kann. Spätestens dann müssen deutsche Firmen Strategien entwickelt haben, mit denen sie Kunden im In- und Ausland begeistern können.
Jedes Unternehmen sollte sein Angebot deshalb daraufhin prüfen, welche Produkte und Dienstleistungen zum Verkaufsschlager taugen. Das könnten Umwelttechnologien oder saubere Autos sein; beides wird bei absehbar wieder steigenden Energiepreisen weltweit stark nachgefragt werden. Die neue Bundesregierung muss dabei vor allem Investitionen und Innovationen fördern. Sie wird sich daran messen lassen müssen, ob sie den nächsten Aufschwung richtig flankiert hat.
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(SZ vom 14./15.08.09/tob)
Streit um Parteispitze bei der Linken
Wie soll es zu einem Aufschwung kommen wenn die Binnenkaufkraft seit Jahren vernachlässigt wurde und die Wirtschaft mit Scheuklappen auf Exporte gesetzt hat, die offensichtlich nur auf Sand (15 ungedeckte Kreditkarten pro Kunde) gebaut war?
Und was folgt nach der Wahl? Eine erneute Schwächung der Binnenkonjunktur durch Streichungen, Kürzungen und Erhöhungen.
Die Wirtschaftsjournaille hat übrigens einen Gutteil schuld an der Misere.
Jetzt wird ein robustes Kaufverhalten diagnostiziert, das nur der Angst vor Inflation und dem Misstrauen auf die Prosperität von Bankguthaben und Anlagen geschuldet ist
Man könnte meinen, es handelt sich bei dem Kommentar von Frau Borchardt um die Wettervorhersage für das Jahr 2010. Ökonomische Worthülsen und nichtssagende wirtschaftliche Floskeln ohne Ende. Im Winter wird es in den Alpen schneien. Es wird ein paar Gewitter geben, aber der Sommer 2010 wird voraussichtlich sehr schön.
Und was ist mit dem (langfristigen) Klima?
Zitat: "Die neue Bundesregierung muss dabei vor allem Investitionen und Innovationen fördern. Sie wird sich daran messen lassen müssen, ob sie den nächsten Aufschwung richtig flankiert hat."
Die Investitionen und Innovationen werden doch seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland subventioniert und steuerliche gefördert bis zum Abwinken oder etwas nicht? Und wo sind wir damit inzwischen gelandet?
Tatsache ist: Wir haben auf der einen Seite Millionen Arbeitslose, die von 350 Euro im Monat leben müssen und auf der anderen Seite sogenannte Topmanager, die sich selbst bereichern und die Millionenabfindungen gegenseitig hinten rein schieben. Darum geht es und nicht um ein paar Promille Wachstum.
Es geht aufwärts durch Pfeifen im Wald bei nacht. 0,-Prozente erzeugen Begeisterung, Bankengewinne durch Steuergelder ermöglicht, werden zu Jubelnachrichten. Man muss die Stimmung bis zum 27. September mit Gewalt und Spucke hochhalten. Klar denken ist gefährlich. Die Wähler sollen in Karnevalsstimmung die schwarzgelbe Suppe bestellen, die ihnen die Speiseröhre verbrennen wird. Denn da ist eine Milliarden-Rechnung unbezahlt aber fällig. Und die Mahnung: Jetzt wird gefeuert bundesweit. Hertie, Quelle, Escada, Opel und, und ...
Ich glaube auch, dass es nicht reicht, den unverwuestlichen Optimismus eines tinus77 dagegenzusetzen ("zeigt mir Beweise" sprach der Blinde).
Zum Schuldenabbau AUCH durch Inflation wird die naechste Regierung keine Alternative sehen; dass damit zB die naechsten Rentner tiefer in die Armut geschoben werden, wird sie nicht stoeren, sie errhalten ja wohl ausreichende Beamtenpensionen oder notfalls Fruehstucksdirektoren-Apanagen als Aufsichtsrat o.ae.
Welche Wahrheit gibt es kurz nach der Wahl? Und haben sie Belege für diese Wahrheit? Das wird bestimmt viele hier interessieren. Lassen sie uns nicht dumm sterben!
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