Kurssturz von Banco Espirito Santo Aufseher verbieten Aktien-Leerverkäufe von Portugals größter Bank

Die Kurse in Lissabon sind abgestürzt, die britische Finanzaufsicht will nun die Spekulanten stoppen. Sie sollen den Einbruch der portugiesischen Bank Espirito Santo nicht noch verstärken.

  • Die britische Börsenaufsicht verbietet sogenannte Leerverkäufe auf Aktien der portugiesischen Banco Espirito Santo, die zuvor massiv eingebrochen sind. So soll verhindert werden, dass Spekulanten den Kurs noch weiter unter Druck setzen.
  • Die Bank beschwichtigt, sie sei ausreichend kapitalisiert. Der Handel mit Aktien der Bank war am Donnerstag ausgesetzt worden.
  • Ein Schweizer Bankenaufseher gibt seinen Posten auf. Es geht um einen Interessenkonflikt, weil er auch im Verwaltungsrat von Espirito Santo sitzt.

Furcht vor Wetten auf sinkende Kurse

Die britische Börsenaufsicht hat Leerverkäufe mit Aktien der in die negativen Schlagzeilen geratenen portugiesischen Banco Espirito Santo (BES) verboten, teilte die Financial Conduct Authority mit. Bei Leerverkäufen handelt es sich um eine Wette auf sinkende Kurse.

Leerverkäufe bedeuten, dass Investoren wie Hedgefonds auf fallende Kurse wetten können: Sie verkaufen Papiere, die sie nicht besitzen, sondern nur geliehen haben, und kaufen sie erst später ein, wenn der Kurs gesunken ist. Die Differenz zwischen altem und neuem Preis ist ihr Gewinn. Verwendet werden Leerverkäufe entweder zur Absicherung anderer Finanzgeschäfte - oder zur Spekulation, um Profit aus Krisen von Unternehmen oder Ländern zu schlagen. Europäische Aufseher hatten im Zuge der Finanzkrise bereits in mehreren Fällen Leerverkäufe verboten oder eingeschränkt, vor allem Deals mit Aktien von Banken.

"Liquidität von BES ist ausreichend"

ESI, der Mutterkonzern der Bank, soll in Zahlungsschwierigkeiten geraten sein. Deshalb verkauften Anleger am Donnerstag panisch Papiere von BES. Das irritierte viele Beobachter, da Portugal nach Jahren der Krise seit Kurzem wieder als stabil galt.

Die Bank behauptet, sie gerate nicht in Zahlungsschwierigkeiten: "Der Vorstand von BES glaubt, dass die potenziellen Verluste aus dem Engagement bei der Espirito Santo Group die Einhaltung der Kapitalvorgaben der Regulierer nicht gefährden." Die BES ist beim Mutterkonzern mit 1,18 Milliarden Euro engagiert, die sie verlieren könnte. Diese Verluste würden die von der Aufsicht vorgeschriebenen Kapitalreserven nicht gefährden, sie habe Ende des ersten Quartals über mehr als die ihr vorgeschriebenen 2,1 Milliarden Euro verfügt. Seitdem habe die Bank durch eine Kapitalerhöhung weitere 1,045 Milliarden Euro eingenommen. Dies sei der Stand Ende Juni, man warte nun auf die Veröffentlichung des Restrukturierungsplans für die Gruppe, um dann die Verluste genauer schätzen zu können.

Die Geldgeber von EU und EZB hatten Portugal 2011 mit einem Hilfspaket von 78 Milliarden Euro vor der Pleite bewahrt. Lissabon musste sich im Gegenzug zu einer strikten Sparpolitik und einer Sanierung seiner Staatsfinanzen verpflichten. Am 17. Mai verließ Portugal den EU-Rettungsschirm.

Auch die portugiesische Zentralbank versucht aber, abstürzenden Kursen und Gerüchten um eine neue Krise entgegenzuwirken: "Die Liquidität von BES ist ausreichend und wurde zuletzt durch eine Kapitalerhöhung deutlich gestärkt", sagte ein Sprecher der Notenbank.

Tokio und New York reagieren

Am Donnerstag stürzten die Aktien der größten Bank in Portugal ab und mit ihr andere Bankpapiere im Land, und auch andere Börsen gaben nach - eine mögliche Reaktion auf den Fall BES. Der japanische Nikkei-Index fiel - allerdings tat er das seit Tagen, also schon bevor die Probleme aus Portugal bekannt wurden. Er gab am Morgen 0,3 Prozent nach. In den USA ging der Leitindex Dow Jones Industrial 0,42 Prozent tiefer aus dem Handel. Manche Analysten halten die Kursverluste in Portugal für den Grund der Unsicherheit: "Die Situation in Portugal hat das Potenzial, das europäische Bankensystem wieder ins Wanken zu bringen", sagten zum Beispiel Experten vom Broker ETX Capital.

Portugal und seine Banken

Der Fall BES wirft ein Licht auf die Lage der Banken in Portugal. Ähnlich wie in Spanien trugen sie mit Risikospekulationen und Kreditvergaben ohne ausreichende Bonitätskontrolle zum Absturz der Wirtschaft in der Euro-Krise bei. Der Fall zeigt, dass das Bankensystem in manchen europäischen Krisenländern noch immer zerbrechlich ist.

Schweizer Bankenaufseher räumt Posten

In Zusammenhang mit dem Einbruch von BES gibt ein langjähriger Vertreter der Schweizer Bankenaufsicht Finma sein Amt im Verwaltungsrat der Behörde auf. Denn Jean-Baptiste Zufferey ist gleichzeitig Verwaltungsrat bei der Banque Privee Espirito Santo. "Herr Zufferey möchte mit diesem Schritt jeglicher Diskussion um eine allfällige Befangenheit der Finma gegenüber der Schweizer Gesellschaft der Espirito Santo vorbeugen", hieß es aus der Behörde.