Kurssturz von Banco Espírito Santo Portugiesische Bank versetzt Märkte in Panik

Vom Börsenhandel ausgesetzt: Banco Espírito Santo

(Foto: dpa)

In Portugal kehrt der Geist der Krise zurück, und sein Name ist Banco Espírito Santo: Die größte Bank des Landes soll Geldprobleme haben. Entsetzte Investoren schicken die gesamte Branche auf Talfahrt.

Von Thomas Urban, Madrid, und Stephan Radomsky, München

Die gute Stimmung der vergangenen Monate könnte trügerisch gewesen sein - und die europäische Finanzkrise längst noch nicht vorbei. Darauf zumindest deuten schwere Turbulenzen um die größte portugiesische Bank, die Banco Espírito Santo (BES), hin. Deren Mutterkonzern steckt offenbar in Zahlungsschwierigkeiten und versetzte damit die Finanzmärkte in Europa in Aufruhr.

Am frühen Nachmittag waren Aktien der Bank vom Handel ausgesetzt worden, nachdem sie zwischenzeitlich um 18 Prozent eingebrochen waren. Bereits zuvor war dasselbe mit Anteilen und Anleihen der übergeordneten Holding Espírito Santo Financial Group geschehen, die bis zu 16,2 Prozent an Wert verloren hatten.

Hintergrund der Talfahrt sind Berichte über "große Unregelmäßigkeiten" beim Mutterkonzern Espírito Santo Internacional (ESI): Er hatte eine kurzfristige Anleihe nicht bedienen können und damit Zweifel an der Stabilität der Bank geweckt. Den Medienberichten zufolge belaufen sich die ESI-Verbindlichkeiten auf mehr als sieben Milliarden Euro. Allerdings soll ein Großteil der Schulden durch Buchungen unter den Tochterfirmen getarnt worden sein.

Investoren reagierten entsetzt - und straften sowohl den gesamten Bankensektor als auch portugiesische Staatsanleihen ab. Deren Rendite stieg am Donnerstag zwischenzeitlich über vier Prozent, sank im weiteren Verlauf aber wieder knapp unter die psychologische wichtige Marke. Die Börse in Lissabon gab zwischenzeitlich knapp vier Prozent nach.

Risikospekulationen, exorbitante Gehälter, Korruption

Bisher hatte im Krisenland Portugal, das 2011 mit insgesamt 78 Milliarden Euro an Krediten des Internationalen Währungsfonds, der Europäischen Zentralbank und der EU vor dem Bankrott gerettet worden war, die Verschuldung der öffentlichen und privaten Haushalte im Fokus gestanden. Die Probleme der Banco Espírito Santo werfen nun ein Schlaglicht auf den Bankensektor, der kaum weniger als in Spanien seinen Teil zum Absturz der Wirtschaft beigetragen hat: Risikospekulationen, massive Kreditvergabe ohne ausreichende Bonitätskontrolle, horrende Geschäftskosten vor allem durch exorbitante Gehälter des Führungspersonals und eine offenbar ebenfalls gigantische Korruption.

Ein Sprecher der Zentralbank in Lissabon versicherte zwar, dass die Probleme des Mutterkonzerns ESI, der in allen portugiesischsprachigen Ländern im Bankensektor, im Immobilien- und Versicherungsgeschäft aktiv ist, das Geldhaus nicht beträfen. Doch Börsenhändler wie Kleinanleger schenkten diesen Zusicherungen offenbar wenig Vertrauen.

Beobachter warnten zudem vor einer Schieflage des gesamten Bankensektors, die das bislang erfolgreiche Konsolidierungsprogramm der konservativen Regierung unter Pedro Passos Coelho gefährden könnte. Erst vor zwei Monaten war das Rettungsprogramm der drei Kreditgeber ausgelaufen und die Regierung zur eigenständigen Finanzierung des Staatshaushalts zurückgekehrt.

Zugleich sorgte der portugiesische Aufruhr auch für Probleme an anderer Stelle: So spülte der zweite Verkauf von Staatsanleihen seit der Beinahe-Pleite Griechenlands der Regierung in Athen am Donnerstag deutlich weniger Geld in die Kasse als erwartet. Dabei musste das Land den Anlegern mit einer Rendite von 3,5 Prozent auch überraschend viel bieten, um überhaupt an frisches Geld zu kommen.