Deutschlandcard und Payback Wenn Punkte verpuffen

Schnäppchen - oder dreiste Abzocke? Verbraucherschützer stänkern gegen Payback und Deutschlandcard. Die Kundenkarten-Anbieter würden ihre Prämien überteuert verkaufen.

Auf den ersten Blick sieht die Offerte verlockend aus. Wer bei einer bestimmten Tankstelle tankt, sein Shampoo bei einem speziellen Supermarkt kauft und seinen Handyanbieter entsprechend wählt, kann Treuepunkte sammeln - und diese anschließend in Sachprämien eintauschen. Die populärsten Anbieter in Deutschland sind Payback (Partner: Aral, dm, Kaufhof und andere) sowie die Deutschlandcard (Edeka, Deutsche Bank, L'tur), hinter Letzterem steckt die Bertelsmann-Tochter Arvato.

Nur - lohnen sich die bunten Plastikkarten für die Konsumenten? Nein, schimpft die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und spricht von einer "herben Schnäppchenfalle" der beiden Kundenkarten-Systeme. Die Kunden würden mit teuren Prämien abgezockt. Das Urteil der Verbraucherschützer: Die "Punkte verpuffen im Nichts".

In der Regel funktionieren die Systeme folgendermaßen: Für jeden ausgegebenen Euro erhalten die Teilnehmer einen Punkt, der wiederum einen Cent wert ist. Die Verbraucherzentrale wirft Payback und Deutschlandcard nun vor, ihre Prämien überteuert abzugeben - sprich: Im Handel seien die Produkte deutlich günstiger als umgerechnet in den Online-Shops der Kundenkarten-Anbieter.

Im Schnitt würde Kinderspielzeug, Hörbücher und Technik bei anderen Händlern um 20 Prozent billiger angeboten als bei Payback. Gegenüber den Prämien von Deutschlandcard ließen sich sogar durchschnittlich 27 Prozent sparen.

Besonders sauer stößt den Verbraucherschützern bei Deutschlandcard das Hörbuch "Karl May - Orientzyklus" auf. Dies sei bei einem Händler sogar für gerade einmal die Hälfte des bei dem Kundenkarten-Anbieter vorgesehenen Preises offeriert worden.

"Ganz normales Preisgefüge"

Von dreister Abzocke will man bei Deutschlandcard nichts wissen - im Gegenteil. Die Preise der angebotenen Prämien "liegen in einem ganz normalen Preisgefüge", sagte eine Sprecherin zu sueddeutsche.de.

Natürlich könne es immer sein, dass ein Internet-Händler günstiger sei. "Wir bieten Markenprodukte und halten uns an die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) der Hersteller", sagte die Sprecherin. Allerdings bestehe auch beim Deutschlandcard-Programm die Möglichkeit, im Rahmen spezieller Aktionen zusätzliche Punkte zu sammeln und somit günstiger an die Prämien zu kommen.

Beim Konkurrenten Payback fanden die Verbraucherschützer allerdings auch Fälle, in denen Preishits ("40 Prozent unter UVP") von Onlineshops deutlich unterboten wurden.

Eine Sprecherin kontert, die aktuellen Prämienangebote lägen 20 Prozent unter der Preisempfehlung der Hersteller. Zudem sei der Versand kostenlos. Zwar könnten einzelne Produkte im Handel günstiger angeboten werden. "Bei aktuell über 700 Prämien ist es in unserem Shop schlicht nicht möglich, einzelne Aktionen immer zu unterbieten und die günstigsten Preise am Gesamtmarkt zu offerieren. Dies behaupten wir auch nicht."

Wer seine Punkte nicht in Sachprämien investieren will, der kann seine Punkte auch in Einkaufsgutscheine der teilnehmenden Partner umtauschen lassen - außerdem ist es möglich, die Punkte zu spenden. Payback bietet einer Sprecherin zufolge überdies noch die Möglichkeit, ab einem Stand von 1000 Punkten (zehn Euro) den entsprechenden Betrag aufs Bankkonto zu überweisen - theoretisch zumindest. Denn auf der Internetseite von Payback ist diese Möglichkeit äußerst gut unter dem Begriff "Prämienvorteil" unten auf der Internetseite versteckt.

Vielleicht ist es Payback doch lieber, wenn sich die Kunden für Sachprämien entscheiden.