Deutsche Bank Gar nicht mal so radikal

Dreimal in Folge schrieb die Deutsche Bank zuletzt einen Jahresverlust - sie hat den Anschluss an die großen Konkurrenten in Europa und den USA verloren.

(Foto: picture alliance / Arne Dedert/d)
  • Die Deutsche Bank verkündet schlechte Zahlen und spricht von Veränderungen, die nach radikaler Wende klingen.
  • Tatsächlich aber bleibt der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing in seinen Ankündigungen sehr vage.
  • Klar ist nur: Die Bank muss Stellen streichen, weiter sparen - und gleichzeitig den Anschluss an die großen Konkurrenten in Europa und den USA wiederfinden.
Von Meike Schreiber, Frankfurt

Keine drei Wochen im Amt, versucht der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing die Flucht nach vorne: Am Donnerstag verkündete der frühere Privatkundenvorstand und Nachfolger von John Cryan nicht nur schlechte Zahlen für die ersten drei Monate des Jahres, sondern auch eine Anpassung der Strategie. "Die Ergebnisse im ersten Quartal zeigen die Notwendigkeit, sofort zu handeln", sagte Sewing. Die Einschnitte seien "schmerzlich, aber unvermeidlich". Es werde auch zahlreiche Arbeitsplätze kosten.

"Sofort handeln", "schmerzliche Einschnitte". Was nach einer radikalen Wende klingt, beläuft sich aber vorerst auf vage Ankündigungen. Analysten bezweifelten eine grundsätzliche Strategieänderung. Künftig sollen zwar 65 Prozent der Erträge, das sind die gesamten Einnahmen, aus "stabilen Quellen" wie dem Privatkundengeschäft oder dem Zahlungsverkehr stammen. Die Zahl ist heute mit 62 Prozent aber auch nur unwesentlich niedriger. Der Rest speist sich weiter aus dem Investmentbanking. Sewing betonte, die Bank wolle im Investmentbanking durchaus weiter wachsen, mit Fokus aber eher auf Europa.

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Aussteigen will das Geldhaus hingegen aus Bereichen des Anleihehandels in den USA - ein Geschäft, das traditionell zu den Stärken der Bank gehört, aber immer weniger abwirft. Außerdem werden dort nur noch Kunden versorgt, die Bezug zu Europa haben. Zudem prüft Sewing, wie stark man weltweit noch im Aktienhandel tätig sein will. Und natürlich will er den Konzern nach neuen Sparmöglichkeiten absuchen. "Doppelspitzen werden abgeschafft. Auf allen Ebenen sollen schlankere Führungsstrukturen zu geringeren Kosten und schnelleren Entscheidungen führen."

Wie tief greifend die Pläne wirklich sind, lässt sich aber noch nicht sagen. Denn bisher hält die Bank weitere Informationen zurück. Unklar ist, wie viele Stellen gestrichen werden und wie viel Geschäft bilanziell wirklich wegfällt. Für den Umbau kalkuliert man mit zusätzlichen Kosten von 300 Millionen Euro, was nicht sehr viel ist. "Das scheint mir eher Bastelei zu sein", sagte Analyst Stuart Graham von Autonomous Research. Immerhin: Sein Kollege Kian Abouhossein von JP Morgan hält den Weg für "grundsätzlich richtig".

Die deutsche Bank hat den Anschluss verloren

Die Ankündigungen aber sind nicht nur vage, sie klingen auch alles andere als neu: John Cryan, der am 8. April in einer Hauruckaktion von Aufsichtsratschef Paul Achleitner abgelöst wurde, hatte ähnliche Dinge angekündigt, als er vor bald drei Jahren ins Amt kam, genauso wie die Vorgänger Anshu Jain und Jürgen Fitschen zum Ende ihrer Amtszeit. Sie alle wollten das Investmentbanking "neu positionieren", sich aus Geschäften zurückziehen, die Kosten radikal kürzen und die Verankerung im Heimatmarkt stärken - allein, es gelang keinem von ihnen, das alles auch schnell genug umzusetzen.

Dreimal in Folge schrieb die Bank zuletzt einen Jahresverlust, sie hat den Anschluss verloren an die großen Konkurrenten in Europa und den USA, die Erträge fielen schneller als die Kosten, zu wenig Aussicht, bald wieder ausreichend Rendite zu erwirtschaften. Auf Druck von großen Investoren löste Achleitner schließlich Cryan ab. Der langjährige Aufsichtsratschef wollte sich selbst für die Hauptversammlung Ende Mai aus der Schusslinie nehmen.

Wie groß die Probleme sind, die Sewing lösen muss, zeigt das erste Quartal. Der Gewinn ging deutlich zurück auf 120 Millionen Euro, die Erlöse gaben um fünf Prozent auf sieben Milliarden Euro nach. Immerhin: 2018 will das Institut profitabel sein. Und an der Börse reichte es trotz des schwachen Auftakts noch zu einem kleinen Plus.

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