Deutsche Bank Eingeständnis des Scheiterns

Jürgen Fitschen und sein Kollege Anshu Jain im September 2012 auf einer Pressekonferenz der Deutschen Bank in Frankfurt am Main.

(Foto: dpa)

Die Deutsche Bank trennt sich von ihrer Tochter Postbank. Es ist die größte Richtungsänderung seit Jahren für das Institut - und zeigt, dass die Doppelspitze Jain und Fitschen versagt hat. Der Verlierer der großen Wende ist nun trotzdem ein anderer.

Von Harald Freiberger

Der Prozess dauerte Monate, in der Nacht zum Samstag hat der Aufsichtsrat der Deutschen Bank nun die neue Strategie für das größte deutsche Geldhaus beschlossen: Es trennt sich von seiner Tochter Postbank und beschneidet zugleich das eigene Privatkundengeschäft sowie das Investmentbanking.

Es ist die größte Richtungsänderung seit Jahren für das Institut. Gleichzeitig ist es ein Eingeständnis des Scheiterns der Doppelspitze unter Anshu Jain und Jürgen Fitschen, die seit drei Jahren im Amt sind.

Vor allem Jain war es, der die Strategie ausrief, im Investmentbanking weiter zu wachsen. Während rundherum europäische Großbanken wie Royal Bank of Scotland, UBS oder Credit Suisse das Geschäft mit dem Handel von Aktien, Anleihen und Währungen zurückfuhren, meinte der Co-Chef der Deutschen Bank vom Verschwinden anderer profitieren zu können.

Jain und Fitschen haben nicht gesehen, was auf sie zukommt

Womit er nicht gerechnet hat: Die Regulierung hat das Geschäft viel teurer und damit unrentabler gemacht. Die Aufseher drangen weltweit - zurecht - darauf, die Risiken mit mehr Eigenkapital zu unterlegen. Denn künftig sollen nicht wieder Steuerzahler die Rechnung begleichen, wenn die Geschäfte schiefgehen. Andere Großbanken haben gesehen, was da auf sie zukommt - Jain und Fitschen nicht.

Die Folge war, dass die Gewinne der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren weit unter den Erwartungen blieben. Der Aktienkurs bewegte sich kaum von der Stelle, während die Kurse rundherum Rekordstände erreichten. Dagegen haben die Investoren rebelliert. Sie waren es, die die Führungsspitze zu einer Änderung ihrer Strategie drängten. Es war kein mutiger unternehmerischer Wurf, sondern eine Reaktion aus der Not heraus.

Der Investmentbanker Jain, der aus seiner Londoner Zeit den Ruf eines "Regenmachers" hatte, hat sich als Zauderer erwiesen. Zudem fließt ein großer Teil des Regens, den er früher machte, in Form von Strafzahlungen wieder ab. Zum Beispiel jene 2,3 Milliarden Euro, die für Manipulationen des Zinssatzes Libor fällig werden.

Die Investmentbanker haben nicht bei sich selbst gespart, sondern bei anderen

Mit dem Verkauf der Postbank wird die Investmentbanking-Sparte bei der Deutschen Bank künftig wieder mehr Gewicht haben - obwohl die Führungsspitze betont, dass es auch dort massive Einschnitte gibt. Die Investmentbanker, die beim größten deutschen Geldhaus seit drei Jahren das Sagen haben, haben nicht bei sich selbst gespart, sondern in erster Linie bei den anderen - den eigenen Leuten im Haus, die für das Privatkundengeschäft zuständig sind. Das wird auch den Graben in der Bank weiter vertiefen.

Großer Verlierer der großen Wende ist Privatkundenchef Rainer Neske, der bis zuletzt dafür plädierte, die Postbank zusammen mit den Filialen der Deutschen Bank aus dem Konzern herauszutrennen. Er verliert die Hälfte seiner Zuständigkeit und kann eigentlich nur noch gehen. Die Deutsche Bank aber ist noch mehr zu dem geworden, was die Politik bei Jains Amtsantritt befürchtete: eine große Investmentbank mit einem kleinen angeschlossenen Privatkundengeschäft.