Deutsche Bahn So reagiert Bahn-Chef Grube auf den Gewinnschwund

Bahnchef Rüdiger Grube kündigt deutliche Veränderungen bei dem Unternehmen an.

(Foto: dpa)
  • Der Gewinn der Bahn bricht dramatisch ein. Auch der Lokführer-Streik ist ein Grund dafür.
  • Bahnchef Grube kündigt deshalb eine Verschlankung des Vorstands an.
  • Zudem soll die Struktur des Konzerns vereinfacht werden.
  • Das Hauptaugenmerk will Grube künftig auf Aktivitäten in Deutschland richten.
Analyse von Guido Bohsem, Berlin

Vielleicht ist die Sache mit den Büros in Frankfurt das deutlichste Zeichen dafür, wie ernst es Bahnchef Rüdiger Grube mit dem neuen Kurs nimmt. Derzeit hat nämlich jedes Vorstandsmitglied zwei Vorstandsbüros, eins im Bahn-Tower in Berlin und eins in der Frankfurter Zentrale. Und man kann davon ausgehen, dass das auch für ihren direkten Arbeitsstab gilt. Doch damit soll es nun vorbei sein.

Grube fängt sein Sparprogramm, mit dem er die Bahn wieder wirtschaftlicher machen möchte, beim Vorstand an. Künftig wird der Konzern nur noch von sechs Vorständen geführt, statt wie bisher von acht. Und ja, auf die Frankfurter Büros müssen die Chefs in Zukunft verzichten.

Gewinn der Bahn sinkt dramatisch

Dem Konzern machen Streiks, Unwetter und Fernbusse zu schaffen. Bahn-Chef Grube reagiert mit einem Konzernumbau. mehr ...

"Die Zweitbüros für Vorstände werden aufgelöst, und damit unser zweites Headquarter in der Frankfurter Gallusanlage", sagte Grube am Dienstag in Berlin. Auf der Pressekonferenz zeigte sich der Bahnchef bereit, das Unternehmen umzukrempeln. Mit kosmetischen Korrekturen sei es nicht getan. Mutige Entscheidungen seien gefragt.

Dass bei der Bahn etwas passieren muss, zeigen die Ergebnisse aus den ersten sechs Monaten des Jahres. Zwar stieg der Umsatz der Bahn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,3 Prozent auf 20 Milliarden Euro. Doch wurde dies nach Angaben des Konzern durch den schwachen Euro-Kurs beeinflusst. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (EBIT) ging hingegen um 18,2 Prozent zurück. Der Konzern erwirtschaftete damit nur noch 890 Millionen Euro, etwa 198 Millionen Euro weniger als in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres.

Massive Einbußen durch den Lokführerstreik

Nach Grubes Worten hätte das Ergebnis deutlich besser ausgesehen, wenn nicht die Lokführer gestreikt hätten. Insgesamt hätten die Arbeitsniederlegungen, die sich über Monate hinzogen, einen wirtschaftlichen Schaden von 500 Millionen Euro verursacht. In diesem Jahr wäre das Ergebnis nach Grubes Worten um 252 Millionen Euro höher gewesen, hätten die Lokführer nicht gestreikt.

"Ohne die streikbedingten Effekte wären wir auch beim EBIT leicht oberhalb des Vorjahres gewesen", sagte Grube. Das dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass "wir strukturelle Herausforderungen haben, die wir mit dem jetzt angestoßenen Wandel entschlossen angehen", fügte er hinzu.

Finanzchef Richard Lutz sagte, der Konzern sei zuversichtlich, insgesamt noch ein Ergebnis von zwei Milliarden Euro erreichen zu können. Angestrebt war ein Ergebnis von 2,2 Milliarden Euro.

Entrümpeln bei der Bahn

Grube will nicht nur den Vorstand verschlanken, sondern auch die Struktur des Konzerns entrümpeln. Um den Börsengang anzugehen, hatte sich der Konzern eine doppelstöckige Holding-Struktur verordnet. Neben der DB AG gab es daher seit Jahren auch die DB Mobility Logistics AG. Das hatte den bürokratischen Aufwand enorm aufgebläht.

So waren doppelte Geschäftsberichte, doppelte Wirtschaftsprüfungen und doppelte Entscheidungsprozesse in dem 300 000-Mitarbeiter-Unternehmen an der Tagesordnung. "Mit der einfacheren Holdingstruktur erhöhen wir auch ganz erheblich das Tempo für Entscheidungen und übergreifende Lösungen", sagte Grube.

Augenmerk auf Aktivitäten in Deutschland

Auch eine andere Entscheidung aus der Vergangenheit stellt Grube auf den Prüfstand. Bis Dezember will er darüber entscheiden, ob nicht ein Anteile der beiden Bahn-Töchter Schenker Logistics AG und DB Arriva verkauft werden können. Die beiden Unternehmen machen im wesentlichen das Auslandsgeschäft für die Bahn aus.

Bahn-Chef Grube feuert vier Vorstände

Mehrere Topmanager der Bahn müssen das Unternehmen verlassen: Die Zahlen sind nicht gut genug. Von Guido Bohsem mehr ...

Das Unternehmen hatte Arriva erst vor fünf Jahren und Schenker vor zwölf Jahren erworben. Die Entscheidung sei noch nicht gefallen, betonte er. Klar sei jedoch, dass die Bahn die Mehrheit an den beiden Unternehmen behalten wolle. Zusätzliches Kapital aus einem solchen Verkauf käme dem Unternehmen gelegen. Es hätte damit deutlich mehr Spielräume für Investitionen.

Grube kündigte an, sein Augenmerk künftig vor allem auf die Aktivitäten in Deutschland legen zu wollen. In den verbleibenden Monaten des Jahrs werde man weitere fabrikneue ICEs der Baureihe 407 in Betrieb nehmen. Die künftige ICE-Generation ICx werde noch in diesem Jahr auf Zulassungsverfahren vorbereitet und dann zwölf Monate lang getestet. Die Bahn werde zudem die Schnellstrecke zwischen Halle/Leipzig und Erfurt in Betrieb nehmen, den nächsten Abschnitt der Hochgeschwindigkeitsstrecke Berlin-München.