Konzernumbau Bahn-Chef Grube feuert vier Vorstände

Bahnchef Rüdiger Grube

(Foto: dpa)
  • Bahn-Chef Grube verkleinert den Vorstand des Unternehmens von acht auf sechs Personen.
  • Unter den Neuzugängen ist eine umstrittene Personalie: der frühere Kanzleramtsminister Pofalla.
Von Guido Bohsem, Berlin

Mit einem Neuzuschnitt des Vorstandes und einer Bündelung der Aufgaben will Bahn-Chef Rüdiger Grube den in Schwierigkeiten geratenen Konzern wieder in Fahrt bringen. Der Aufsichtsrat beschloss am Montag auf Grubes Vorschlag hin eine Verkleinerung des Vorstands von acht auf sechs Personen. Vier Vorstandsmitglieder sollen ausscheiden und teilweise ersetzt werden.

Die Konzernstrukturen werden schlanker, die Aufgaben der Mobility Logistics auf den Konzern übertragen.

Grube läutet mit dem Umbau eine Neuaufstellung des Unternehmens ein, die auf höhere Erträge zielen soll. Schließlich bleibt das Unternehmen seit Jahren hinter den Erwartungen zurück. Zuletzt machten ihm der monatelange Streik der Lokführer, die Konkurrenz durch die Fernreisebusse sowie der Verlust von Aufträgen durch regionale Verkehrsverbünde zu schaffen. Der Konzern wird voraussichtlich auch das für das laufende Jahr ausgegebene Ziel verfehlen, einen Gewinn von 2,2 Milliarden Euro einzufahren - vor Steuer- und Zinszahlungen.

Pofalla neu im Vorstand

"Wir handeln, weil ein verschärfter Wettbewerb, zunehmende Regulierung und zu schnell steigende Kosten derartige Veränderungen erfordern", sagte Grube nach der Sitzung des Kontrollgremiums. Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht zeigte sich zuversichtlich, die Bahn mit der Neuausrichtung zukunftsfest machen zu können.

Die mit Abstand umstrittenste Personalie dürfte die Berufung des ehemaligen Kanzleramtsministers Ronald Pofalla sein. Er war wegen seines schnellen Wechsels zum Staatskonzern scharf kritisiert worden. Im Bahnvorstand soll er nun für die politischen Beziehungen zuständig sein, für Recht und dafür, dass im Konzern Gesetze und Regeln eingehalten werden.

Stellvertreter Grubes soll Volker Kefer werden. Eine besonders wichtige Rolle aber dürfte der Vorstands-Neuling Berthold Huber künftig spielen. In Grubes Mannschaft soll er nach den Plänen sowohl für den Bereich Personenverkehr als auch für den Güterverkehr zuständig sein. Er löst damit Personenverkehr-Vorstand Ulrich Homburg ab.

Homburg war vorgeworfen worden, zu spät auf die Herausforderung durch die Fernbusse reagiert zu haben. Auch jagen die Billigflieger der Bahn weiter Kunden ab. Im Nahverkehr verlor die Bahn zuletzt bei der Ausschreibung des künftigen Städteschnellverkehrs Rhein-Ruhr-Express. Auch das schwierige Geschäft im Güterverkehr ist weniger lukrativ geworden.

Über 700 Millionen Euro sollen zunächst bis 2020 in der Zentrale eingespart werden. Wie weit der Umbau des gesamten Konzerns gehen soll, ist noch offen. Angeblich will der Vorstand für eine neue Konzernstruktur bis zum Dezember Vorschläge präsentieren. Grube hat ausgeschlossen, die Tochterunternehmen Schenker und Arriva zu verkaufen, die für Transport und Logistik beziehungsweise für den Regionalverkehr im europäischen Ausland zuständig sind. Der Bahn-Chef soll aber angeblich nach Investoren suchen, die bereit sind, bei den beiden Unternehmen einzusteigen.

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