"Das Ergebnis einer jahrzehntelangen falschen Bahnpolitik": Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Winfried Hermann, fordert eine Wende in der Verkehrspolitik.
Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, Winfried Hermann, fordert eine Wende in der Verkehrspolitik. "Das Winterchaos zeigt: Wir brauchen nicht das potenziell schnellste Verkehrssystem, sondern ein zuverlässiges und schnelles", sagte der Grünen-Politiker am Sonntag zur Süddeutschen Zeitung. Wegen der anhaltenden Probleme treffen sich an diesem Montag Verkehrsminister von Bund und Ländern zu einer Sondersitzung. Auch Bahn-Chef Rüdiger Grube ist zu dem Treffen eingeladen.
Bild vergrößern
Nicht nur die Politik, auch das Management der Verkehrsunternehmen habe versagt, kritisiert Grünen-Politiker Winfried Hermann. (© dpa)
Anzeige
"Was wir jetzt erleben, ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen falschen Bahnpolitik", sagte Hermann. Es sei sehr viel Geld ausgegeben worden, damit Züge auf bestimmten Strecken 300 Stundenkilometer fahren könnten. Dadurch aber sei das System Schiene insgesamt anfälliger geworden. "Statt Milliarden in eine fragile Hochgeschwindigkeits-Bahn zu stecken, hätte man in die Stabilität des Schienenverkehrs und ins Bestandsnetz investieren müssen." Die Vorfälle der vergangenen Tage seien "verheerend für den Ruf des Technologiestandorts Deutschland".
Doch nicht nur die Politik, auch das Management der Verkehrsunternehmen hat nach Ansicht von Hermann versagt. "Das gilt für Bahn und Luftfahrt gleichermaßen." So habe er kein Verständnis dafür, wenn den Flughäfen die Enteisungsmittel ausgingen oder Start- und Landebahnen gesperrt werden müssten, weil man sich nicht rechtzeitig aufs Räumen eingestellt hat. "Mir ist durchaus klar, dass man die Natur nicht jeden Tag besiegen kann, aber das Winterwetter kann keine Entschuldigung für schlechtes Management und schlechte Vorbereitung sein."
Bei der Deutschen Bahn sei ebenfalls falsch gewirtschaftet worden. Vor allem fehlten Reservekapazitäten, es gebe zu wenig Züge. "Da wurde in der Vergangenheit mit Blick auf den Börsengang am völlig falschen Ende gespart", sagte Hermann. Das sei zwar vorrangig dem früheren Bahn-Chef Hartmut Mehdorn anzulasten. Doch sein Nachfolger Grube habe keine neue Strategie und setze zum Teil dessen Fehler fort. "Seit einem Jahr verhandelt er nun schon mit Siemens über den Kauf von neuen ICE-Zügen", kritisierte der Verkehrsexperte. Diese Züge aber kämen bestenfalls ab 2014 zum Einsatz. "Statt erneut Milliarden von Euro in modernste Hochgeschwindigkeits- Technologie zu stecken, sollte Grube lieber etwas langsamere, dafür aber robustere Züge kaufen. Zumal diese deutlich früher zu haben wären."
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) drohte den Verantwortlichen bei der Deutschen Bahn derweil mit Konsequenzen für mögliches Fehlverhalten beim Winterchaos. "Wenn sich herausstellt, dass es vermeidbares Chaos gab, muss es Konsequenzen geben", schrieb der Minister in einem Gastbeitrag für die Bild am Sonntag. Das Winterwetter und Fehler in der Vergangenheit taugten nicht "als Ausrede" für die Verspätungen und Zugausfälle.
Ramsauer kritisierte die Bahn auch für den Sparkurs der vergangenen Jahre: "Auf der Schiene regierten jahrelang Sparpolitik und Renditedruck. Reserven wurden abgebaut, Personal eingespart", schrieb er. Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister Hendrik Hering (SPD) nannte Ramsauers Kritik "unglaubwürdig". Der Bund sei Eigentümer, sitze im Aufsichtsrat, kenne die Versäumnisse seit Jahren und verlange gleichzeitig "pro Jahr 500 Millionen Euro Gewinnabführung von der Bahn", sagte Hering am Sonntag in Mainz. Das erinnere an "ein Schwarzer-Peter-Spiel", fügte er hinzu.
Auch der Grünen-Politiker Hermann bezeichnete es als "absurd", dass die Bundesregierung im Sparpaket eine jährliche Bahn-Dividende von 500 Millionen Euro beschlossen habe. "Die Bahn bekommt jedes Jahr 2,5 Milliarden Euro vom Bund, um das Schienennetz zu erhalten und auszubessern", sagte er. Alle Experten seien sich jedoch einig, dass das viel zu wenig sei. "Die 500 Millionen Euro sind ungefähr der Betrag, der fehlt." Ramsauer müsse sich dafür einsetzen, dass der Bund auf die Dividende verzichte. "Wir reden alle davon, dass wir Klima und Umwelt schützen wollen. Aber bei dieser Nachrichtenlage kann man keinen Autofahrer davon überzeugen, auf die Bahn umzusteigen."
Die SPD beschloss auf ihrer Präsidiumssitzung am Sonntag ebenfalls, dass der Bund auf die Dividende verzichten müsse. Ramsauer sagte im ZDF, er werde darauf drängen, dass die Dividende weitestmöglich für Investitionen in den Verkehrsbereich genommen werde.
- Thema
- Winfried Hermann RSS
(SZ vom 10.01.2011/hai)
Gysi gegen Lafontaine
Das mit den GRÜNEN kann man aber, wenn man diesen Artikel kommentiert, nicht vollständig beiseite lassen.
Zum Schweizvergleich: Die Vernetzung der öffentlichen Verkehrsmittel ist das Geheimnis des Schweizer Erfolgsrezeptes. Die Geschwindigkeit der Bahn wird dort auf HGV gesetzt, wo es die Topographi der Schweiz oder der Trasse zulässt. Die NBS Rothrist-Bern ist eine funkelnagelneue HGV-Trasse. Lötschberg und Gothardt-Basis auch. Zürich-Olten wird beschleunigt, Lausanne-Bern auch.
HGV setzen alle ein, die moderen Eisenbahenn bauen - in Japan, China, Katar, Frankreich, USA Russland, Spanien etc. Alles technologiegeile Spinner?
Ihre "alle Regierungen" schliesst ja Rot/Grün ein. Was nur ist den nun die GRÜNE
Startegie? In Deutschland gibt es für HGV günstige Entfernungen. München-Nürberg ist ein Erfolg, Köln-Bonn auch, Hamburg-Berlin ist es und Nürnberg-Berlin wird es auch sein, genaus so wie München-Stuttgart.
Die Frage des Erfolges richtet sich nach der Vernetzung. Die Geschwindigkeit definiert die Marktsituation. Und 5 Stunden Berlin-München oder 1 Stunde München-Nürnberg sind vom Individual- oder Luftverkehr nicht zu schlagen. Gleiches gilt für viele Regionalverkehrsverbindungen und so gut wie alle S-Bahnstrecken. Und natürlich sind die Verkehrsträger untereinander Konkurenten. Wer das, bei alternativen Angeboten, nicht glaubt ist entweder weltfremd und/oder GRÜN. Im Güterverkehr gilt, je weiter die Strecke, um so effektiver ist der Transport auf der Schiene. Wer den Gütertransport auf der Strasse verlagern will, kann sich ebenfalls in der Schweiz das Rezept holen (HUPAC). Und das Transitland Deutschland hat viele Möglichkeiten, die Kosten auf die zu verlagern, die im Transit transportieren.
Und wer fordert, im 21 Jhd. ausschliesslich auf den Trassen zu verkehren, die im 19.Jhd. gelegt wurden, und neues Nachdenken damit ablehnt, nennt sich zurecht konservativ. Man kann ihn auch technologiefeindlich nennen. Es ist dann genau die Technologiefeindlichkleit, die weltweit über Deutschland das Kopfschütteln erzeugt, von dem Kretschmann fabuliert.
Lassen wir mal Ihre Antipathie den Grünen gegenüber beiseite.
Sie wiederholen Ihre Aussage, dass die Bahn im unmittelbaren Wettbewerb mit dem Auto und Flugzeug steht. Diese Ansicht ist seit Jahrzehnten die verkehrspolitische Vorstellung aller Regierungen gewesen. Das ist jedoch ein Irrweg. Ich habe bemekt, dass die Bahn diesen "Kampf" nicht gewinnen kann. Die Fluggesellschaften bieten Inlandsflüge zu Dumpingpreisen an, und der Individualreisende fährt lieber imit seiner Limousine von A nach B, koste es , was es wolle. Ihre Vorliebe für HGV-Strecken und der Vergleich mit der Schweiz, passen nicht zusammen und sind insich ein Widerspruch. Die Haupstränge der Schweiz werden in der Mehrzahl nicht im HGV betrieben und trotzdem lieben die Schweizer ihre Bahn. Die hervorragenden Anschlussmöglichkeiten, ist ein Fahrplangestalltungsproblem und keines vom HGV beeinflusstes.
Sofern die Bahn (und seit Mehdorn entscheidet auch die AG über die Infrastruktur, der Bund genehmigt), HG-Strecken flächendeckend in der Republik bauen will, so wird sich dieser Prozess noch Jahrzehnte hinziehen. Der jetzige Fleckerlteppich und die Fragmente Erfurt - Nürnberg, beweisen die Unfähigkeit der politischen Entscheidungsträger.
Ein weiteres K-O.-Kriterium ist, dass die HG-Strecken keinen Mischverkehr zulassen. Die Möglichkeit den Güterverkehr auf die Schiene zu verlagern, wird nicht einmal von der Bahn selbst vollzogen. Hunderte von DB-Lastwagen der Bahn kurven täglich auf den Autobahnen herum.
Das vielgepriesene Schweizer Modell lässt sich in Deutschland nicht durchsetzen, weil der politsche Wille der Regierenden dafür nicht vorhanden ist, und das liegt . auch z.B. an einem gewissen Herrn Wissman, Sie wissen schon, der von der Autolobby, und der ist bei Gott nicht grün.
Vor dreißig Jahren hatte die Bahn auch ständig Verspätung - um die fünf Minuten - und war bei den Pendlern unbeliebt, da ständig übervolle Züge. Aber, wir sind mit der Bahn gefahrenund haben den Stress mit dem Auto vermieden.
Heute, wer kann nimmt das Auto und tut sich den Stress mit der Bahn nicht an.
Meiner Meinung nach hängt dies mit der Vernachlässigung des Nahverkehrs zusammen.
Wichtig ist nur der Fernreiseverkehr!
Für mich ein grober Unfug. Wer im Nahverkehr von der Bahn derart stiefmütterlich behandelt wird greift doch im Fernverkehr lieber auf das Flugzeug oder das Auto zurück.
Was habt Ihr gegen mich? Ich muß mich ständig erneut einloggen - ohne erkennbaren Grund.
Liegt es an meinem Browser oder Eurem System?
Hier liegen Sie richtig:
Ich kann die GRÜNEN als ewige NEIN-Danke-Posauner und eine der vergesslichsten aktuell im Parlament vertretenen Parteien, nicht ab. Die sind verkehrspolitisch genau so konzeptionslos wie energiepolitisch - und das sind die beiden, die Zukunft dieses Landes bestimmenden Themanfelder. Die sind eher so Sonne-Mond und Sterne!
Hier liegen Sie falsch:
Als Rückgrat des Personenverkehrs ist der HGV derzeit und zukünftig unverzichtbar. Denn die Bahn steht nun mal, ob Sie das wollen oder nicht, innerdeutsch in Konkurrenz zum Auto und zum Flugeug. Das soll sogar so sein, den was die GRÜNEN als reines Lippenbekenntnis vor sich hertragen kann die Bahn Wirklichkeit werden lassen - Signifikante Verlagerung von Transporleistung von der Strasse auf die Schiene - dem wesentlich ökologischerem Transportsystem. Dies gelingt aber nur, wenn die Bahn attraktive und vollständige Angebote machen kann. Wie das aussieht zeigt die Schweiz. Im letzten Bergdorf steigen Sie ins Postauto, lösen dort mit dem HalbTaxAbo ihr Billet incl. Bus, Bahn, Fähre bis zu ihrem Ziel, egal mit welchem Transpoteur. Die Nahverkehrssysteme sind so genau verzahnt, dass der Reisende kaum Aufenthalt hat und es wird wesentlich mehr Geld für Betrieb und Unterhalt des Netzes zur Verfügung gestellt.
Die dafür massgeblichen Stichworte sind "Taktfahrplan", "Taktfahrplan", "Taktfahrplan". In dem ist der HGV sinvoll mit den IC und Regio-Verbindungen zu verküpfen, um so geschlossenen Transportketten zur Verfügung stellen zu können. Das bedingt aber automatisch gewaltige Investitionen ins Netz. Ein weites Feld für die GRÜNE NEIN-Danke Fraktion.
Also - Genau das wünsche ich mir auch für Deutschland. Dafür muss hier aber in einer anderen Dimmension gedacht werden als - "Sparen wir uns S21 - da haben wir 11 Mrd. frei!" - Als würde K21 nix kosten. Und das Netz plant nun mal nicht "Die Bahn" sondern der Bund.
Paging