Demonstration für Mindestlohn Mehr als hundert Festnahmen vor der McDonald's-Zentrale

Fast 2000 Menschen, darunter mehr als 300 McDonald's-Mitarbeiter in Firmen-Uniform, waren vor die Unternehmenszentrale im Chicagoer Vorort Oak Brook gezogen.

(Foto: AFP)

McDonald's-Mitarbeiter in Amerika kämpfen für höhere Löhne. Nun sind mehr als hundert von ihnen während eines Protests vor der Konzernzentrale in Illinois festgenommen worden. Für das Fast-Food-Unternehmen ein PR-Gau.

Von Johannes Kuhn, San Francisco

McDonald's hatte ein PR-Desaster vermeiden wollen - doch als die Demonstranten die Hamburger University ansteuerten, zerschmolz diese Hoffnung wie ein McFlurry in der Sommersonne. Am Ende hatte die Polizei 101 Mitarbeiter und 36 Gewerkschaftler, Geistliche und Bürgerrechtsaktivisten festgenommen, wie Organisatoren berichten.

Fast 2000 Menschen, darunter mehr als 300 McDonald's-Mitarbeiter in Firmen-Uniform, waren vor die Unternehmenszentrale im Chicagoer Vorort Oak Brook gezogen. Die Aktion war Teil einer größeren Kampagne der Beschäftigten im Einzelhandel und der Gastronomie, die eine Erhöhung des Mindestlohns auf 15 Dollar pro Stunde fordern - und mit ihrer Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen weltweit Nachahmer gefunden haben. Zudem verlangen die Protestierenden das Recht für McDonald's-Angestellte in den USA, eine Gewerkschaft zu gründen.

Die Geschäftsführung hatte zuvor einen Großteil seiner mehr als 3000 Mitarbeiter in der Konzernzentrale gebeten, von zu Hause aus zu arbeiten. Auf dem Campus des Unternehmens erwartete eine Hundertschaft von Polizisten die Demonstranten, die Berichten zufolge Slogans wie "Kein Big Mac, keine Pommes, macht unsere Löhne XXL" skandierten.

Eine ungemütliche Aktionärsversammlung droht

Als die Protestierenden das Firmengelände betraten und das "Hamburger-Universität" genannte Fortbildungszentrum ansteuerten, begannen die Festnahmen wegen Hausfriedensbruch.

Die Gewerkschaften dürften die Aktion als Erfolg werten, sichert sie doch Aufmerksamkeit zu einem kritischen Zeitpunkt: Am Donnerstag findet die Aktionärsversammlung des Unternehmens statt, das seit Jahren mit sinkenden Gewinnen und großer Konkurrenz zu kämpfen hat. Dort wollen gewerkschaftsnahe Anleger-Vereinigungen gegen die Bonus-Zahlungen für McDonald's-Chef Donald Thompson stimmen.

Thompson soll für das schwache Geschäftsjahr 2013 insgesamt 9,5 Millionen Dollar inklusive Boni erhalten. Ähnliche Initiativen gegen hohe Manager-Gehälter hatte es bereits bei anderen Fastfood-Ketten gegeben.

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Mindestlohn ist Wahlkampfthema

Für die Mitarbeiter-Löhne ist der Konzern allerdings nicht alleine verantwortlich. In der Regel betreiben Subunternehmer die McDonald's-Restaurants und entscheiden über die Bezahlung ihrer Angestellten. Diese liegen aber gerade für Tätigkeiten in Küche und Verkauf nur selten über dem Mindestlohn, der regional unterschiedlich zwischen 7,25 und 10 Dollar liegt.

Im Durchschnitt verdient ein Angestellter in der Fast-Food-Branche jährlich umgerechnet etwa 13 730 Euro. "Ich lebe mit meinen Kindern im Auto, weil ich mir die Miete nicht mehr leisten kann", zitiert der Guardian eine Mitarbeiterin aus dem US-Bundesstaat Missouri.

Die Proteste für bessere Bezahlung dürften auch in Washington mit Interesse zur Kenntnis genommen werden. US-Präsident Barack Obama möchte den Mindestlohn auf zehn Dollar pro Stunde erhöhen; viele demokratische Kandidaten ziehen mit dieser Botschaft in den anstehenden Kongress-Wahlkampf.

Die Demonstrationen vor der McDonald's-Filiale sollen am Donnerstag zur Aktionärsversammlung fortgesetzt werden.