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Weltweiter Protest der Fast-Food-Angestellten:Heute bleibt die Küche kalt

Ein Demonstrant in Seoul hat sich als Ronald McDonald verkleidet, die bekannteste Werbefigut von McDonald's.

(Foto: AP)

Frust an der Fritteuse: Die Angestellten von Fast-Food-Ketten sind aufgerufen, weltweit gegen niedrige Löhne zu protestieren. Gerade Burger King dürfte die Debatte gar nicht passen.

Es ist ein Aufstand, beschleunigt durch die sozialen Netzwerke: Unter dem Stichwort #Fastfoodglobal protestieren an diesem Tag Angestellte von Schnellrestaurants in der ganzen Welt gegen ihre oft schlechten Arbeitsbedingungen.

"Ich arbeite bei Wendy's und streike, weil ich von meinem Stundenlohn von acht Dollar nicht leben kann", schreibt etwa die Mitarbeiterin Casside Franklin aus New York auf Instagram. Knapp sechs Euro pro Stunde, das ist kein austrägliches Einkommen, klagen an diesem Tag in den ganzen USA Mitarbeiter auch von McDonald's, Burger King oder KFC. Schon am Morgen waren in den USA Hunderte im Ausstand und demonstrierten vor den Restaurants, in denen sie normalerweise arbeiten.

Der Ärger am Burgergrill, an den Kassen und Fritteusen ist groß, nicht nur in den USA. In 33 Ländern sind Protest-Aktionen geplant, darunter Japan, Brasilien, Marokko, Italien. Weltweit gibt es in mehr als 200 Städten Aktionen.

Ziel der amerikanischen Proteste sind ein Mindestlohn von 15 Dollar (11 Euro) - und das Recht auf freie und ungehinderte Gewerkschaftsarbeit, erklären die Organisatoren, darunter die Initiative Fast Food Forward und die International Union of Food, die zwölf Millionen Mitglieder in 126 Ländern repräsentieren. Gerade in den USA mit ihren weit schwächeren Arbeitnehmerrechten müssen Gewerkschafter immer wieder mit massivem Widerstand der Arbeitgeber kämpfen.

Wie schon im Fall des Versandhändlers Amazon organisieren Aktivisten nun eine Protestwelle, die über die Kontinente geht. Die Deutschen machen diesmal nicht mit, sie zeigen sich nur solidarisch. Für die meisten Fast-Food-Angestellten gelte Friedenspflicht wegen ihrer Tarifverträge, erklärt eine Sprecherin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Auch die NGG gehört der Dachorganisation International Union of Food an. In Deutschland sei die Situation zudem lange nicht so prekär wie zum Beispiel in den USA. Dennoch läuft auch hierzulande nicht alles zur Zufriedenheit der Gewerkschaft: Löhne deutlich unter acht Euro in Ostdeutschland seien "alles andere als üppig".

Aktionen in Deutschland sind dieser Tage lediglich von den Angestellten der Autobahn-Kette Auto-Grill zu erwarten. Sie sind seit Ostern im Dauerstreik, legen seitdem des öfteren die Arbeit nieder. Ihr Ziel: einen Tarifvertrag durchsetzen.

Auch mit Burger King beschäftigt sich die Gewerkschaft seit längerem. Allerdings hat Deutschland-Chef Andreas Bork im Gespräch mit der SZ deutliche Nachbesserungen angekündigt. Unter anderem will er sein Unternehmen vom TÜV prüfen lassen.

An Burger King - und den Konkurrenten McDonald's - wenden sich zum Streiktag auch die Gewerkschafter von der NGG: Die Unternehmen müssten ihrer sozialen Verantwortung besser gerecht werden. "Qualitätsstandards müssen auch für die Arbeitsbedingungen und die Zahlung von Löhnen gelten", forderte der stellvertretende Vorsitzende der NGG, Burkhard Siebert. Die Anwendung von Tarifverträgen müsse Bestandteil der Verträge sein, die die Schnellrestaurantketten mit ihren Franchise-Partnern abschlössen. Die Konzerne selbst müssten auch einschreiten, wenn diese Franchise-Nehmer die Rechte der Beschäftigten verletzten.

Bei den aktuellen Auseinandersetzungen mit der Burger King GmbH sei die Dachorganisation erst eingeschritten, als Reporter um Günter Wallraff Hygieneprobleme aufgedeckt hatten - und auch nur, weil daraufhin der Umsatz einbrach.

Zudem müssten die Löhne deutlich über 8,50 Euro pro Stunde liegen, sagte Siebert: "Die Systemgastronomie darf keine Mindestlohnbranche werden."

© SZ.de/holz
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