Debatte über Eine-Billion-Dollar-Münze in USA Auch verrückte Geldpolitik hat schon funktioniert

Die rechtlichen Konsequenzen des Münztricks liegen allerdings größtenteils im Dunkeln. Klagen kann nur, wem persönlicher Schaden entstanden ist, schreibt John Carney vom Sender CNBC. Dafür kämen Angestellte der Prägeanstalt US Mint in Frage, weil sie zu einer möglicherweise verfassungswidrigen Handlung gezwungen würden. Oder Kongressabgeordnete, weil das Finanzministerium ihr verfassungsgegebenes Recht verletze, "Geld herzustellen und seinen Wert zu regulieren". In diesem Fall könnte Republikanerführer John Boehner die Regierung Obama vor Gericht zerren.

Auch der britisch-nüchterne Economist kommentiert die aktuelle Diskussion. Die Billion-Dollar-Münze würde einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen, schreibt Redakteur Ryan Avent: Die US-Regierung würde ihr eigenes Geld drucken. Die Prägung wäre demnach das endgültige Signal, dass die Politik in Washington zusammengebrochen sei: "Es besteht die kleine Chance, dass die Weltmärkte Angst vor Amerika bekommen."

Dennoch verweist Avent darauf, dass in der Geldpolitik vermeintlich "verrückte" Strategien Erfolg haben können, zum Beispiel die Abkehr vom Goldstandard zur Krisenbekämpfung unter Franklin D. Roosevelt und Richard Nixon. Avent empfiehlt, lieber nach Bedarf Millionen-Dollar-Münzen zu prägen, statt eines einzigen Billionen-Geldstücks. Damit klinge die Idee auch weniger "wie der Plot eines James-Bond-Films". Der höchste US-Dollarbetrag, der bisher auf ein Zahlungsmittel gedruckt wurde, war das 100.000-Dollar-Goldzertifikat von 1934. Es wurde nur für den Zahlungsverkehr zwischen regionalen Notenbanken verwendet.

Die lauter werdende Debatte könnte US-Präsident Barack Obama oder seinen Minister Geithner zwingen, sich zur Super-Münze zu äußern. Deren größter Fan Krugman ist berüchtigt. Er ist einerseits Wirtschaftsnobelpreisträger, andererseits offen parteiisch. Wegen seiner Attacken gegen republikanische Wirtschaftspolitik beleidigte ihn der Economist einst als "Michael Moore für denkende Menschen" - ein Verweis auf den populistischen Dokumentarfilmer, dem politische Treffer oft wichtiger als Fakten sind.

Äquivalent des fliegenden Spaghettimonsters

Krugman meint wie einige Demokraten auch, die sturen Republikaner hätten nichts anderes verdient als ein bisschen "kreative" Gesetzesauslegungen. Der Ökonom Tyler Cowen warnt dagegen, diese Sicht sei die Bestätigung von Krugmans eigener Aussage, in der Praxis einen schlechten Finanzminister abzugeben.

Felix Salmon, Wirtschaftsblogger der Nachrichtenagentur Reuters, hält die Idee für Unsinn: "Niemand wird eine Billion-Dollar-Münze aus Platin prägen." Er erklärt das Geldstück zur Metapher, welche die Absurdität der Schuldengrenze aufzeige. Der Münztrick sei ein "haushaltspolitisches Äquivalent des fliegenden Spaghettimonsters", jener Phantasiefigur, mit der Religionskritiker Vorstellungen von Gott veralbern.

Die Realisten bleiben in der Debatte in der Überzahl. Aber selbst wenn sie niemals hergestellt werden sollte, kann die Münze Obama helfen: Als Drohkulisse, um die republikanische Blockade zu schwächen. Der Abgeordnete Walden hat seine Furcht vor der Münze mit der Gesetzesinitiative bereits demonstriert.

Schöne neue Plastikwelt

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Linktipp: Der ehemalige Leiter der Prägeanstalt US Mint schreibt in einer E-Mail an das Online-Magazin Gawker, dass er die Prägung für durchaus legitim hält. Er war selbst an der Erstellung des entsprechenden Gesetzes beteiligt.