Daimler könnte mit einem blauen Auge aus dem Korruptionsstreit mit den USA hervorkommen. Der Preis dafür ist hoch - und doch ist ein Vergleich besser als ein peinliches Verfahren.
Was Siemens am Ende nur recht sein konnte, wird auch für Daimler nicht gerade billig. Es erinnert an ein Déjà-vu-Erlebnis, wenn jetzt der Stuttgarter Autokonzern aus seinem Korruptionsskandal mit einem blauen Auge herauskommen könnte.
Das US-Justizministerium wirft Daimler vor, in 22 Ländern Behörden bestochen zu haben. (© Foto: dpa)
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Gelernt haben jedenfalls beide deutschen Konzerne, dass es alles andere als ein Spaziergang ist, ins Visier der amerikanischen Justiz und Börsenaufsicht zu geraten. Hatte Siemens vor zwei Jahren 800 Millionen Dollar an die US-Behörden bezahlt, um einem langwierigen Verfahren zu entgehen, so strebt auch Daimler solch einen Vergleich an. 185 Millionen Dollar sind auch für einen Weltkonzern keine Kleinigkeit, zumal nicht in Zeiten der Autokrise und angesichts eines schmerzlichen Verlusts von 2,6 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.
Aber Rückstellungen für diesen Fall bildet Daimler schon seit fast sechs Jahren, als die ersten Korruptionsvorwürfe laut wurden und die US-Behörden mit ihren Recherchen begannen.
Freikaufen ist immer noch besser als ein langes und peinliches Strafverfahren, in dem die unappetitlichen Details der Schmiergeldströme aus den Konzernkassen an Regierungsvertreter und Beamte in 22 Ländern noch einmal vor Gericht ausgebreitet werden. Vom personellen Energieaufwand und den weiteren Kosten für teure Anwälte gar nicht zu reden.
Gelernt hat Daimler allerdings beizeiten aus dem Schmiergelddebakel, hat vor Jahren schon beteiligte Manager an die Luft gesetzt und ein strenges, konzerninternes Regelwerk für tadelloses Verhalten installiert. Seit 1999, als Korruption auch in Deutschland unter Strafe gestellt und Schmiergelder nicht mehr als nützliche Aufwendungen von der Steuer abgesetzt wurden, haben viele Unternehmen die neue Rechtslage erst langsam und mühselig lernen müssen.
Nicht zuletzt die Autokrise hat Konzerne wie Daimler dabei gelehrt, dass die Strategien von gestern so oder so obsolet geworden sind: Produktionskapazitäten um jeden Preis auslasten, Autos in die Märkte drücken - koste es, was es wolle. Es sind ja nicht die böswilligen Vertriebsmanager in den Ländergesellschaften, die sich mal eben so verbotener Praktiken zu bedienen belieben. Es sind immer auch die ehrgeizigen Absatzvorgaben aus den Zentralen, die Korruption als zweckheiligendes Mittel nolens volens befördern.
(sueddeutsche.de/tob/mel)
Großprojekte in Berlin
Wieso kann die Amerikanische Justiz eigenlich gegen Daimler ermitteln in Bestechungsfällen in 22 Ländern? Hat die USA bereits die Rechtshoheit in der ganzen Welt?
Wieso will die USA nicht erkennen, dass Bestechung in allen Ländern - oft auch in den USA selbst - nötig ist, um ein Geschäft voranzubringen? Warum bestraft man in den USA diejenigen, welche notgedrungen bestechen und nicht die eigenen Behörden und Geschäftsleute, welche die Bestechung gefordert haben und sich haben bestechen lassen. Nicht, wer besticht, ist korrupt, sondern wer sich bestechen lässt.
Manager der Deutschen Bank wurden in England verhaftet. Bitte liebe recherchierende Qualitäts-Presse berichtet auch mal darüber.
Ist ja interessant.
Falls es zutrifft, dass Daimler schon seit sechs Jahren Rückstellungen für den Fall der Strafzahlung gebildet hat, werden die Damen und Herren Bilanztrickser wohl kaum nur Tausend Euro in die Bilanz eingestellt haben. Mit anderen Worten: Die Strafzahlung wird durch die Gewinnminderung = Steuerminderung teilweise, wenn nicht ganz kompensiert.
Wie heißt dieser Bilanzposten eigentlich: dann doch wieder nützliche Aufwendungen?
Aber was soll´s: Für 185 Millionen zieht sich Herr Schumacher ja nicht mal den Rennoverall an.