CO2-Emissionen 90 Konzerne verursachen 60 Prozent der Klimagase

Viele Emissionen, wenige Firmen verantwortlich: neue Studie zum Klimawandel

Wer ist verantwortlich für den Klimawandel? Eine neue Studie rechnet vor, dass es nur wenige Firmen sind, die den Großteil der schädlichen Gase in die Atmosphäre blasen. Die Chefs der betroffenen Unternehmen würden in zwei Busse passen.

Der Klimawandel und die Erderwärmung ist menschengemacht und fällt mit dem Beginn der Industrialisierung zusammen - so lautet der Konsens unter den allermeisten Wissenschaftlern.

Für den Ausstoß der klimaschädlichen Gase sind letztlich nur wenige Dutzend Unternehmen verantwortlich. Der britische Guardian berichtet über eine neue Studie, die zuvor im Fachmagazin Climatic Change veröffentlicht wurde. Demnach sind nur 90 Konzerne für 63 Prozent der Kohlendioxid- und Methan-Emissionen im Zeitraum von 1751 bis 2010 verantwortlich.

Von den 90 sind 83 Firmen Energiekonzerne, die Öl, Gas oder Kohle produzierten. Mit dabei sind zum Beispiel die US-Ölkonzerne Chevron und Exxon sowie der britische Konzern BP. Auch der russische Staatskonzern Gazprom findet sich auf der Liste. Die restlichen sieben Konzerne sind in der Zementbranche aktiv. Der Guardian hat alle Konzerne in einer Infografik visualisiert.

Solches Unheil droht der Welt

Dass der Klimawandel schuld am Taifun "Haiyan" ist, wird sich nicht beweisen lassen. Aber der Wirbelsturm demonstriert, was vielen Menschen in Zukunft noch häufiger droht, wenn die Kohlendioxidemissionen nicht zurückgehen. Für die UN-Klimakonferenz in Warschau ist er ein Signal. Eine Analyse von Markus C. Schulte von Drach mehr ...

Es gebe auf der Welt Tausende Öl-, Gas- und Kohleproduzenten. Wenn man den Fokus aber auf die Personen an der Spitze konzentriere, dann würden die größten Klimaverschmutzer "in einen oder zwei Busse passen", sagt Studienautor Richard Heede vom Climate Accountability Institute im US-Bundesstaat Colorado.

Die jetzt vorgelegte Studie ist laut vom Guardian zitierten Experten der bisher aufwendigste Versuch, den CO2-Ausstoß nicht einzelnen Staaten zuzuordnen, wie auf Klimakonferenzen üblich, sondern einzelnen Verursachern.

Al Gore, der frühere US-Vizepräsident, der sich seit seinem Rückzug aus der aktiven Politik für den Klimaschutz einsetzt, bezeichnete die Studie als "entscheidenden Schritt nach vorne". Die Analyse zeige, dass die Reduzierung der CO2-Emissionen nicht nur von den Regierungen Anstrengungen verlange. Auch die Unternehmen müssten in die Verantwortung genommen werden.

Der UN-Weltklimarat IPCC hatte im September gewarnt, dass das sogenannte Zwei-Grad-Ziel, also das Vorhaben, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius über dem Niveau von vor der Industrialisierung zu begrenzen, in Gefahr sei. Derzeit findet in Warschau die UN-Klimakonferenz statt. Dort wollen die Staats- und Regierungschefs über Lösungen verhandeln, um die CO2-Emissionen zu reduzieren.

Die Stunde der Verzagten

Während auf der Klimakonferenz in Polen über die Folgen der Erderwärmung diskutiert wird, verabschieden sich nun auch Japan und Australien vom Klimaschutz. Aus wirtschaftlichen Gründen, heißt es. Doch tatsächlich scheitern sie am Umbau ihrer Energieversorgung. Es ist der Sieg der kurzfristigen über die langfristige Sicht. Ein Kommentar von Michael Bauchmüller mehr ...