Buchhandel Weltbild könnte bis zu 70 Filialen verkaufen

Die Weltbild-Chefs Sikko Böhm (li.) und Patrick Hofmann wollen auch Waren fürs Heim in die Läden bringen.

(Foto: Johannes Simon)
  • Die neuen Weltbild-Geschäftsführer Sikko Böhm und Patrick Hofmann kündigen harte Einschnitte an, um den Konzern wieder profitabel zu machen.
  • Insider gehen von mindestens 200 gefährdeten Stellen aus, 70 Filialen sollen dem Betriebsrat zufolge verkauft werden.
Von Stefan Mayr und Dieter Sürig

Neue Geschäftsführer kündigen Einschnitte an

Der Buchhändler Weltbild steht vor weiteren Einschnitten. Die neuen Geschäftsführer Sikko Böhm und Patrick Hofmann sagten in einem Interview zur Süddeutschen Zeitung, dass neuerlich Arbeitsplätze gestrichen werden sowie Filialen verkauft werden müssten, um den früheren Kirchenkonzern wieder profitabel machen zu können.

"Weltbild denkt über den Verkauf eines Teils seiner Filialen nach", sagte Hofmann. Unter anderem hätten sich die Umsatzerwartungen nicht erfüllt. "Wir bedauern die erforderlichen Personalmaßnahmen". Er deutete auch an, dass weitere Filialen geschlossen werden müssen. "Wir schauen uns jede einzelne Filiale an", jede müsse sich "mittelfristig rechnen". Details nannte er nicht.

Insider nennen genaue Zahlen

Insider gehen von mindestens 200 gefährdeten Stellen aus, 70 Filialen sollen dem Betriebsrat zufolge verkauft werden. Seit der Insolvenz vor einem Jahr sind bereits etwa 1000 der ehemals 2300 Arbeitsplätze in Augsburg gestrichen worden, 70 von 250 Filialen wurden dicht gemacht. Das Filialnetz werde aber weiter zur Weltbild-Struktur gehören, versicherten die Geschäftsführer und dementierten damit Spekulationen, sich künftig auf das Internetgeschäft konzentrieren zu wollen.

Böhm und Hofmann sagten, dass der Sparkurs erste Erfolge zeige. Im November habe Weltbild ein fast ausgeglichenes Ergebnis erzielt. Mittelfristig werde Weltbild wieder Gewinn machen. Die Gruppe, die bislang in Besitz der katholischen Bistümer war, hatte im Januar 2014 einen Insolvenzantrag gestellt und ist im Sommer von dem Düsseldorfer Investor Walter Droege übernommen worden.

Die Geschäftsführer werden am Mittwoch und Donnerstag wieder mit dem Betriebsrat über das Ausmaß der Sparmaßnahmen verhandeln, nachdem die Gespräche im Dezember abgebrochen worden waren.

Allein der Glaube bleibt

Die Stimmung im Weltbild Verlag ist schlechter denn je: Ein Jahr nach der Insolvenz könnte es weitere Entlassungen geben. Die Wut der Mitarbeiter richtet sich gegen den neuen Eigentümer Droege. Von Stefan Mayr mehr ...

Das vollständige Interview lesen Sie in der Dienstagsausgabe der Süddeutschen Zeitung oder in der Digitalausgabe hier.