Bruttoinlandsprodukt Warum Chinas Niedrig-Wachstum uns interessieren sollte

  • Chinas Wirtschaft ist 2015 so wenig gewachsen wie seit einem knappen Vierteljahrhundert nicht mehr: Das Plus lag bei 6,9 Prozent.
  • Chinas Schwäche zieht auch viele andere Staaten nach unten. Besonders Deutschland wäre von einer China-Krise bedroht.
Analyse von Jakob Schulz

Die chinesische Wirtschaft ist im Jahr 2015 um 6,9 Prozent gewachsen und damit so wenig wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Im vierten Quartal des Jahres stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur um 1,6 Prozent. Das teilte das Statistikamt in Peking am Dienstag mit. Seit 1991 lag die jährliche Wachstumsrate des BIP nicht mehr unter sieben Prozent. Dem chinesischen BIP gilt in diesen Tagen weltweit besondere Aufmerksamkeit.

Darum ist China so wichtig für die Weltwirtschaft

An den Börsen geht die Furcht um, dass Chinas Wirtschaft an Fahrt verliert und damit die Weltkonjunktur bremst. In der Tat stottert der chinesische Wachstumsmotor. Das Land leidet unter neuen Produktionskonkurrenten, die sich auch wegen steigender chinesischer Löhne auf dem Weltmarkt etablieren konnten. Die Staatsschulden stiegen zuletzt stark, zudem gibt es eine Immobilienblase. Viele Unternehmen haben Überkapazitäten angehäuft.

China ist heute die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Viele Staaten hängen stark von China ab - etwa das ohnehin kriselnde Brasilien. Die Südamerikaner hatten riesige Mengen Rohstoffe wie etwa Eisenerz nach Fernost exportiert. Doch nun hat die Nachfrage stark nachgelassen, die Preise und damit auch die Einnahmen Brasiliens sind drastisch gesunken.

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Deutschland besonders betroffen

Auch in Deutschland haben zahllose Unternehmen in den vergangenen Jahren gute Geschäfte mit China gemacht. Für Deutschlands Wirtschaft insgesamt ist China der viertwichtigste Handelspartner, nach den USA, Großbritannien und Frankreich. Gerade für die Automobil- und Maschinenbaubranche ist dieser Markt extrem wichtig.

Wenn die Nachfrage nach deutschen Maschinen oder Autos dort nun einbricht, merken deutsche Firmen das unmittelbar. Für die deutsche Wirtschaft könnte das schlimmstenfalls Entlassungen, mehr Arbeitslose, niedrigere Steuereinnahmen und einen sinkenden Konsum bedeuten.

Der Yuan als Hebel

Die Regierung in Peking versucht, die weltweiten Sorgen um die Konjunktur zu zerstreuen. Ministerpräsident Li Keqiang zeichnete zuletzt das Bild einer robusten Wirtschaft und trat Ängsten vor einem Währungskrieg entgegen. Sein Land habe nicht die Absicht, die Exporte über eine Abwertung des Yuan anzukurbeln.

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In der Vergangenheit hatten die Behörden den Kurs des Yuan jedoch immer wieder angepasst und die Währung verbilligt. Das unterstützt die heimische Industrie, da chinesische Waren für ausländische Kunden dadurch günstiger werden. Die Währungspolitik der Volksrepublik hatte zuletzt für Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten gesorgt.

Kursstürze an Chinas Börsen

Seit Beginn des Jahres sind die Börsen in Shenzhen und Shanghai regelrecht eingebrochen. An mehreren Handelstagen wurde der Handel ausgesetzt, nachdem der Kurs des Index CSI 300 um sieben Prozent gesunken war. Damit griff ein erst im Januar eingeführter Mechanismus, der bei Kursstürzen den Handel stoppen soll.

Der Mechanismus wurde zwischenzeitlich wieder außer Kraft gesetzt. In der Folge der Turbulenzen und der daraus von Investoren abgeleiteten wirtschaftlichen Aussichten für China brachen weltweit die Kurse ein.

Weiterer Faktor: Der niedrige Ölpreis

Die Aussichten für die Weltkonjunktur werden auch durch den Ölpreis getrübt. Der Markt wird von Rohöl geradezu überflutet. Die Nachfrage aber sinkt. Dementsprechend fallen die Preise. Der Preis pro Barrel Rohöl fiel zuletzt sogar unter die Marke von 30 Dollar und damit so tief wie seit knapp zwölf Jahren nicht mehr. Ein niedriger Ölpreis gilt zwar als vorteilhaft für die Industrie und Konsumenten. Sinkt er aber zu stark, verschieben Förderunternehmen Investitionen, kaufen keine Maschinen mehr und entlassen Mitarbeiter. Dies wiederum schädigt auch Wirtschaftsbereiche, die auf den ersten Blick wenig mit Rohstoffen zu tun haben.

Der niedrige Ölpreis führt weltweit zu dramatischen Verwerfungen. Gerade Länder, die zum großen Teil vom Ölexport abhängen, geraten unter Druck. So musste zuletzt Russland seinen Staatshaushalt stark eindampfen. In Venezuela wurde der Wirtschaftsnotstand ausgerufen. In Saudi-Arabien reißt das billige Öl eine gigantische Lücke in den Staatshaushalt.

Nach dem Ende der internationalen Sanktionen hat nun auch Iran angekündigt, deutlich mehr Öl zu fördern und zu exportieren. Diese Gemengelage lässt auch mittelfristig extrem niedrige Ölpreise erwarten.

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