Bestechungsaffäre Formel 1 bereitet Aus für Ecclestone vor

Bernie Ecclestones Machtposition wankt. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" laufen detaillierte Vorbereitungen, ihn als Vermarkter der Formel 1 abzulösen: Bei einer möglichen Anklage wegen Bestechung soll ein Interims-Chef die Geschäfte übernehmen.

Von Michael Neudecker, São Paulo, und Klaus Ott, München

Mit einer Anklage Bernie Ecclestones wird in den nächsten Wochen gerechnet:

(Foto: Getty Images)

In der Formel 1 laufen detaillierte Vorbereitungen, Bernie Ecclestone abzulösen. Sollte in München Anklage gegen den Vermarkter der Rennserie wegen Bestechung von Gerhard Gribkowsky - dem ehemaligen Risikovorstand der BayernLB - erhoben werden, will sich das Führungsgremium (Board) der Firma Delta Topco, die als Obergesellschaft des Rennsport-Imperiums fungiert, auf der Ärmelkanal-Insel Jersey treffen, wo die Firma ihren Sitz hat.

Nach SZ-Informationen gibt es in dem Gremium den Plan, einen Interims-Chef einzusetzen, der aus dem Board stammt. Wie es an der Spitze der Formel 1 dauerhaft weitergeht, soll erst nach Ende des möglichen Justizverfahrens in München entschieden werden. Mit der Anklage gegen Ecclestone wird in den nächsten Wochen gerechnet.

Gribkowsky hatte das Landgericht München I im Juni dieses Jahres wegen Bestechlichkeit in Tateinheit mit Untreue und Tatmehrheit mit Steuerhinterziehung zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Der 54-Jährige hatte in dem Verfahren angegeben, beim Verkauf von Formel-1-Anteilen von Ecclestone Schmiergeld empfangen zu haben. Ecclestone, 82, bestreitet diesen Vorwurf.

Der britischen Zeitung The Independent hatte er vor dem Saisonfinale am Sonntag in São Paulo zudem gesagt, viele Partner der Formel 1 vertrauten ihm und wollten nicht, dass er aufhöre. "Manche von denen haben mir gesagt: ,Wenn Du nicht da bist, sind wir es auch nicht.' Das ist die Gefahr." Er habe "wirklich gute Beziehungen zu den Rennpromotern". Die Äußerungen können als Warnung gewertet werden, ihn besser im Amt zu belassen. Ecclestone ist bestens vernetzt, er dürfte mitbekommen haben, was das Board vorhat und ist offenbar dazu bereit, seine Stellung zu verteidigen.

Ecclestones müsste gehen - zumindest vorübergehend

Der einstige Gebrauchtwagenhändler fuhr früher selbst Autorennen, allerdings wenig erfolgreich. Anschließend war er bis zu dessen Tod Manager des österreichischen Rennfahrers Jochen Rindt. Anfang der siebziger Jahre erwarb Ecclestone zunächst einen Rennstall und schließlich die Fernsehrechte an der Formel 1. Er begann damals damit, die Formel 1 in das zu verwandeln, was sie heute ist: eine Geldmaschine. Inzwischen ist die Investmentgruppe CVC Inhaber der Vermarktungs- und Übertragungsrechte, Ecclestone blieb aber als Aufseher für die Formel 1 zuständig. Diese Machtposition aber wankt nun.

Sobald die Anklage in München fertig ist, will sich das F1-Board auf Jersey treffen. Ecclestone soll dann sein Amt ruhen lassen, ob freiwillig oder unfreiwillig. Auch von anderer Seite droht dem 82-Jährigen Ungemach. Der Automobilkonzern Daimler etwa hat sich intern früh positioniert. Im Falle einer Anklage sei Ecclestone nicht mehr haltbar, heißt es aus dem Konzern. Die Daimler-Manager sind längst nicht mehr die einzigen, die das so sehen. Würde sich die Mehrheit im Board gegen Ecclestone stellen, müsste er gehen. Zumindest vorübergehend, bis das Justizverfahren beendet ist. Doch das kann lange dauern, womöglich bis 2014, und mit jeder Saison ohne Ecclestone würden dessen Chancen sinken, an die Spitze der Formel 1 zurückzukehren.

Vor längerer Zeit hat man in der Formel 1 mit Hilfe einer Headhunter-Agentur nach Alternativen Ausschau gehalten. Der Grund war Ecclestones Alter; mit den Ermittlungen gegen ihn hatte das nichts zu tun. Offen stellt sich im Rennsport bislang niemand gegen Bernie, auf Anfrage lehnen die Teamchefs es ab, über Ecclestone zu reden. Zu komplex sei das Thema, heißt es. Intern aber wird längst über den Fall der Fälle geredet: dass Ecclestone untragbar wäre, würde er angeklagt.