BER-Chaos Mehdorn soll Berliner Flughafen retten

Ausgerechnet Mehdorn: Der frühere Air-Berlin- und Bahnchef soll das Chaos am neuen Hauptstadtflughafen in den Griff bekommen. Dabei verklagte er in seinem alten Job gerade erst den Flughafen. Grünen-Fraktionschefin Künast reagiert: Der Flughafen mache sich endgültig zum Gespött. Schließlich habe Mehdorn Stuttgart 21 zu verantworten.

Hartmut Mehdorn, früher Bahn- und Air-Berlin-Chef, nimmt den heikelsten Posten an, den es in Berlin derzeit zu vergeben gibt: Er wird neuer Chef des Hauptstadflughafens BER. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer, einer der BER-Gesellschafter, bestätigte der SZ die Neubesetzung.

Parteien, die nicht im Aufsichtsratdes Flughafens sitzen, reagierten enttäuscht auf die Berufung: Die Grünen-Fraktionschefin und gescheiterte Berliner Bürgermeisterkandidatin, Renate Künast, nannte die Entscheidung einen Fehler. "So setzt sich die Flughafengesellschaft endgültig dem Gespött aus", sagte Künast Spiegel Online. "Wenn man denkt, schlimmer geht es nicht, überzeugt einen der Aufsichtsrat zuverlässig vom Gegenteil." Gebraucht werde ein erfahrener Manager, Mehdorn dagegen habe als Bahnchef zehn Jahre lang das "Milliardengrab" Stuttgart 21 betrieben. Auch der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Anton Hofreiter (Grüner)hält Mehdorn für den Falschen: Der Flughafen hätte einen diplomatischen Chef gebraucht, der offen und behutsam auf Mitarbeiter, Aufsichtsräte und Auftragnehmer zugehen könne, sagte Hofreiter dem Handelsblatt: "Hartmut Mehdorn kann ich mir in dieser Rolle überhaupt nicht vorstellen." Mehdorn ist berüchtigt für seinen ruppigen Stil.

Auch FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte, Mehdorn könne zwar "Führung und harte Hand", aber: "Es fehlt vor allem auch Führung im Detail, und da kennt sich Mehdorn beim BER auch nicht aus."

Dagegen lobt Verkehrsminister Ramsauer Mehdorn. Der besitze "hervorragende Managementfähigkeiten sowie ein Höchstmaß an wirtschaftlicher und technischer Kompetenz", sagte Ramsauer, der als ein Vertreter des Bundes Einfluss im Aufsichtsrat ausübt. Mehdorn folgt auf Rainer Schwarz, den der Aufsichtsrat Mitte Januar wegen Pannen am Projekt gefeuert hatte. Die Eröffnung des Airports wurde bereits mehrfach verschoben, eine nicht endende Peinlichkeit für die beiden beteiligten Bundesländer.

Ramsauer verwies auf Mehdorns "große Erfahrung vor allem im Bereich Luftfahrt". Davon könne der Flughafen profitieren. Der studierte Maschinenbauer Mehdorn begann seine Karriere bei den Vereinigten Flugtechnischen Werken, die später in der Daimler Aerospace und Airbus aufgingen. Bei Airbus war er Vorsitzender der Geschäftsführung. Die Fluglinie Air Berlin leitete er etwas mehr als ein Jahr als Übergangschef, bis Januar dieses Jahres. In dieser Funktion war er auch für eine Klage Air Berlins gegen den Flughafen Berlin-Brandenburg verantwortlich - jene Gesellschaft, die er nun leitet. Wie andere Fluglinien will auch Air Berlin Schadenersatz für den immer wieder abgeblasenen Umzug von Berlin-Tegel zum neuen Flughafen im brandenburgischen Schönefeld.

Mehdorns Schritt könnte man als mutig bezeichnen, denn Glück brachte das Milliardenprojekt zuletzt keinem mehr: Erst im Januar trat Klaus Wowereit, Berlins Regierender Bürgermeister, von seinem Posten als Aufsichtsratschef zurück - Mehrkosten, Baumängel, mehrere Verschiebungen des Eröffnungstermins, zu viele Pannen hatte er zu verantworten. Die Opposition und auch Medien hatten sogar seinen Rücktritt als Regierungschef gefordert.

Am vergangenen Montag dann hatte der frühere Chef des Frankfurter Flughafens, Wilhelm Bender in letzter Sekunde den Posten als neuer Chefberater des BER abgelehnt: Er sehe "keine ausreichende Gewähr dafür, dass seine Tätigkeit für den BER erfolgreich sein kann", hieß es zur Begründung.

Im Januar hatte Brandenburgs Ministerpräsident und neuer Aufsichtsratschef des BER, Matthias Platzeck, gesagt, für den Chefposten werde ein Bewerber gesucht, der möglichst Vorerfahrungen bei Flughäfen habe. Die neue Führungsspitze müsse erreichen, dass der Flughafen "in absehbarer Zeit genehmigungsfähig an das Flugnetz kommt".

Der Ministerpräsident wies darauf hin, dass die drei Gesellschafter Berlin, Brandenburg und der Bund nicht jeden bezahlen könnten, der für den Job infrage komme. Nach Informationen der Bild-Zeitung soll Mehdorn jährlich mehr als eine halbe Million Euro verdienen, allerdings deutlich weniger als eine Million.