BayernLB-Prozess Staatsanwalt fordert zehn Jahre Haft für Gribkowsky

Trotz seines Geständnisses fordert der Staatsanwalt eine lange Haftstrafe für den ehemaligen Vorstand der BayernLB. Gerhard Gribkowsky soll von Formel-1-König Bernie Ecclestone Schmiergeld in Millionenhöhe angenommen haben. Der Staatsanwalt beschuldigt auch Ecclestone schwer.

Monatelang sagte er nichts, dann redete er plötzlich. Gerhard Gribkowsky hat gestanden, als Risikochef der BayernLB Schmiergelder angenommen zu haben. Der Formel-1-Baron Bernie Ecclestone habe ihm "einen Riesenberg Geld" gegeben. Trotz des Geständnisses fordert die Staatsanwaltschaft jetzt für Gribkowsky eine Haftstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten.

Vor Gericht: Gribkowsky betritt an diesem Mittwoch den Gerichtssaal in München.

(Foto: REUTERS)

An diesem Mittwoch halten Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Plädoyers im Fall Gribkowsky. Der 54-Jährige habe sich 2006 beim Verkauf der Formel-1-Anteile der Landesbank an den britischen Investor CVC bestechen lassen, sagt Oberstaatsanwalt Christoph Rodler am Landgericht München I. Das Geld sei von Ecclestone gekommen. Zudem liege Untreue zulasten seines Arbeitgebers und Steuerhinterziehung vor.

Richter Peter Noll hatte Gribkowsky im Falle eines Geständnisses eine Freiheitsstrafe von knapp acht bis neun Jahren in Aussicht gestellt. Doch der Staatsanwalt findet, der Ex-Banker habe zu lange geschwiegen: Erst am 45. Verhandlungstag habe er das Geständnis abgelegt, begründete Rodler seine Forderung nach einer längeren Haftstrafe. "Es kam spät, aber es kam immerhin noch."

Gribkowsky habe nach einer Geheimabsprache mit Ecclestone in Deutschlands zweitgrößter Landesbank den Verkauf an CVC durchgeboxt, ohne den Unternehmenswert der Beteiligung näher zu prüfen oder alternative Offerten einzuholen. Dadurch sei der Landesbank ein Untreue-Schaden in Höhe von 66 Millionen Dollar entstanden.

Ecclestone, dem der Fonds CVC als neuer Eigentümer genehm war, habe Gribkowsky eine Zahlung von 45 Millionen Dollar zugesagt. "Insgesamt sind 43,9 Millionen Dollar an den Angeklagten geflossen." Aus diesen Bestechungsgeldern seien die nötigen Steuern in Höhe von knapp 15 Millionen Euro hinterzogen worden.

Staatsanwalt: "Ecclestone ist nicht Opfer, sondern Mittäter"

Sollte Gribkowsky wegen Bestechung verurteilt werden, könnte dies Folgen für Ecclestone haben. Der Formel-1-Boss erzählt bisher eine andere Geschichte. Auch vor Gericht hatte er schon behauptet, er sei von Gribkowsky erpresst worden. Gribkowsky sei ein "armer Junge", der seit 18 Monate im Gefängnis sitze und alles erzählt hätte, um sich vor einer langen Haftstrafe zu schützen, sagte Ecclestone vor kurzem. Doch der Druck steigt: Erste Rennställe überlegen schon laut, ob Ecclestone noch tragbar ist.

Das macht auch das Plädoyer des Staatswalts klar. Ecclestone sei nicht erpresst worden und habe das Geld auch nicht verschenkt, sagt Oberstaatsanwalt Christoph Rodler an diesem Mittwoch. "Es bleibt nur noch die Bestechungsvariante." Gribkowsky habe bei seinem Arbeitgeber die Anerkennung und die finanziellen Boni für den aus seiner Sicht sehr guten Kaufpreis von 839 Millionen Dollar vermisst. Ecclestone habe im Gegenzug die Banken nicht mehr als Eigentümer haben wollen. Diese hätten ihm mit Entlassung gedroht und sein Lebenswerk bedroht. "Ecclestone ist nicht Opfer, sondern Mittäter einer Bestechung", so Oberstaatsanwalt Rodler.

Kurz habe sich Rodler sogar versprochen, twittert ein Reporter des Münchner Merkur aus dem Gerichtssaal, und Ecclestone als "Angekl... äh Zeugen" bezeichnet. Gegen Ecclestone wird in Deutschland ermittelt. Eine Anklage gegen ihn gibt es nicht - bisher.