Bankenkrise Commerzbank will Staatshilfe vorerst nicht zurückzahlen

Commerzbank-Chef Martin Blessing auf der Hauptversammlung 2012: Das Institut will die stille Einlage des Bundes vorerst nicht zurückzuzahlen.

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In der Finanzkrise gewährte der Bund eine milliardenschwere Hilfe, zurückzahlen will die Commerzbank die stille Einlage vorerst nicht. Im SZ-Interview spricht Commerzbank-Chef Martin Blessing über sein Verhältnis zur Bundesregierung, über das schlechte Image der ganzen Branche und die Probleme der Deutschen Bank.

Die Commerzbank hat vorerst keine Pläne, die stille Einlage des Bundes zurückzuzahlen. "Wir werden die stille Einlage des Bundes verzinsen, daher gibt es auch keinen Druck sie zurückzuzahlen", sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing der Süddeutschen Zeitung. Er fügte an: "Die stille Einlage ist ohnehin nur bis Ende 2017 als Eigenkapital anerkannt. Spätestens dann macht sie ökonomisch keinen Sinn mehr."

Der Bund hatte der Commerzbank in der Finanzkrise eine milliardenschwere Hilfe gewährt und sich gleichzeitig mit gut 25 Prozent an der Bank beteiligt. Der Kontakt zur Politik sei gut. Blessing: "Wir arbeiten mit der Bundesregierung genauso professionell zusammen wie mit jedem anderen Aktionär. Es ist ja gut, wenn börsennotierte Unternehmen Ankeraktionäre haben. Wir sind wie mit anderen Aktionären auch regelmäßig im Kontakt."

Der Commerzbank-Chef sprach sich für eine Neugestaltung der Einlagensicherung in Deutschland aus. "Es ist höchste Zeit, dass man den Haftungsverbund zwischen Landesbanken und Sparkassen überdenkt und neu regelt", sagte Blessing. Es gehe ihm nicht darum, den Haftungsverbund aufzulösen, aber "die Landesbanken sollten herausgenommen werden", so der Vorstandsvorsitzende der zweitgrößten Bank des Landes.

Er prangert auch an, dass die Sparkassen gegenüber den Privatbanken zahlreiche Vorteile genießen würden. So müssten beispielsweise die Sparkassen im Gegensatz zu privaten Banken kein Eigenkapital unterlegen, wenn sie einer Landesbank Geld leihen.

Für sein eigenes Haus schloss er zudem aus, weitere Filialen aufzulösen. "Weitere Filialschließungen würden unsere Kosten kurzfristig kaum senken." Allerdings sei man in Gesprächen mit dem Betriebsrat in Bezug auf flexiblere Arbeitszeiten für Mitarbeiter. Das könnte den drohenden Arbeitsplatzabbau mildern. Wie viele Stellen das retten könnte, wollte Blessing nicht beziffern, "aber es lohnt sich sehr, darüber intensiv zu sprechen".

Die Commerzbank kämpft seit Jahren mit immer neuen Problemen. Dass das nicht immer Spaß macht, räumte Blessing jetzt offen ein: "Spaß ist nicht die entscheidende Dimension für mich. Ich mache diesen Job, weil ich eine Verantwortung habe. Es gibt Tage, da macht es mehr Spaß und solche, da macht es weniger Spaß."

Das komplette Interview lesen Sie in der Süddeutschen Zeitung vom 21.12.2012.