Antibiotika in der Tierhaltung Die Qual der Puten

Massentierhaltung Geflügel, Puten

(Foto: A. Farkas/afi)
  • Eine neue Studie des Verbraucherministeriums Nordrhein-Westfalen deckt den exzessiven Einsatz von Antibiotika in der Putenmast auf.
  • Alarmierend ist, dass Teile der eingesetzten Mittel als Notfallmittel bei der Behandlung von Menschen eine wichtige Rolle spielen.
  • Der Bund für Umwelt- und Naturschutz kritisiert die Bundesregierung, "zu lasch" gegen die Zustände in der Massentierhaltung vorzugehen.
Von Silvia Liebrich

Nicht nur in Hühnerställen, sondern auch in der Putenmast werden Antibiotika in großem Stil eingesetzt. Eine neue Studie des Verbraucherministeriums Nordrhein-Westfallen (NRW) zeigt, dass neun von zehn Puten im Laufe ihres Lebens mit solchen Medikamenten behandelt werden - zum Teil sogar mehrmals und mit mehreren Wirkstoffen gleichzeitig.

Alarmierend ist zudem, dass 20 Prozent der eingesetzten Mittel zur Gruppe der Reserve-Antibiotika gehören, die als Notfallmittel bei der Behandlung von Menschen eine wichtige Rolle spielen. In Ländern wie Dänemark oder den Niederlanden ist deren Einsatz in der Tierhaltung verboten, nicht so in Deutschland.

Ein Drittel der gefundenen Wirkstoffe sei zudem gar nicht für die Putenmast zugelassen, heißt es weiter in der Untersuchung, die NRW-Verbraucherminister Johannes Remmel (Grüne) am Dienstag vorstellte. Das Ministerium will nun prüfen, ob in diesen Fällen Anzeige erstattet wird.

Die Ställe gelten als Brutstätten für resistente Keime

"Der massenhafte Einsatz von Antibiotika in der Intensivtierhaltung ist weiterhin Alltag, obwohl wir in den letzten Jahren eine große Debatte darüber hatten", sagte Remmel. Er forderte die Geflügelverbände auf, "schnell und umfassend zu handeln".

Die nun vorgelegte Studie ist bereits die dritte aus NRW, die den Missbrauch von Antibiotika in der Tiermast offenlegt. Für die Studie wurden von Januar bis November 2013 die Daten von 1,3 Millionen Puten ausgewertet. Damit wurden laut Remmel fast alle in dem Zeitraum in NRW gehaltenen Puten erfasst. In dem Bundesland gibt es neben Niedersachsen die meisten Geflügelmäster in Deutschland.