Aktien Was Chinas Börsenturbulenzen für Deutschland bedeuten

Wegen schlechter Konjunkturdaten sind die Börsen von Shanghai und Schenzhen massiv eingebrochen.

(Foto: Johannes Eisele/AFP)

Wenn in Shanghai die Kurse abstürzen, zittern auch Dax-Anleger. Denn was in China passiert, wird die Weltwirtschaft prägen.

Kommentar von Nikolaus Piper

Es sind ja nicht Fakten, die Börsen bewegen, sondern Meinungen über Fakten. Deshalb sollte man einen einzelnen Börsentag nicht überbewerten. Der Deutsche Aktienindex hatte am Montag mehr als vier Prozent seines Wertes verloren; auch am Dienstag machte er den Verlust nicht wett und schloss nur leicht im Plus. Die Meinungen können morgen ganz andere sein.

Trotzdem zeigt sich ein klares Muster: Seit Mitte vorigen Jahres schlagen die Aktienkurse ungewöhnlich stark aus - ein klares Indiz für große Unsicherheit und gewachsenes Risikobewusstsein. Die politischen Gefahren der Gegenwart rücken immer stärker ins Bewusstsein: der Nahe Osten, zuletzt die Eskalation zwischen Iran und Saudi-Arabien, die Selbstdemontage Europas in der Flüchtlingskrise.

Vor allem aber ist es China, das die Finanzmärkte auf der ganzen Welt beunruhigt. Anlass des Frankfurter Kurssturzes am Montag waren die Börsen von Shanghai und Schenzhen. Sie waren wegen schlechter Konjunkturdaten massiv eingebrochen, was einen neu eingeführten Sicherungsmechanismus auslöste: Der Handel wurde automatisch für den Rest der Tages ausgesetzt. Das mag den einen oder anderen daran erinnern, dass China die große Unbekannte der Weltwirtschaft ist.

Das Land macht eine schwere Anpassungskrise durch, die Wirtschaft wächst zwar nach europäischen Maßstäben immer noch kräftig, nach den Bedürfnissen des Landes jedoch völlig ungenügend. Die Krise kommt nicht unerwartet in Anbetracht der Tatsache, dass China binnen zwei Jahrzehnten von einem Entwicklungsland zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Erde wurde.

Der Börseneinbruch in Schanghai lässt Schlimmeres befürchten

Das besondere Risiko in China liegt darin, dass das Land trotz aller kapitalistischen Entwicklung immer noch eine kommunistische Diktatur geblieben ist. Vieles in der chinesischen Wirtschaft ist daher für Außenstehende undurchschaubar. Die chinesischen Börsen sind politisiert und manipuliert, die dort ermittelten Kurse sind also nur bedingt aussagekräftig.

Schwaches Wachstum, politische Eingriffe und außenpolitische Spannungen - nach allem, was man heute weiß, wird das China-Syndrom die Weltwirtschaft in diesem Jahr und darüber hinaus prägen und vermutlich auch schwächen. Das betrifft vor allem die deutsche Wirtschaft, deren momentane Stärke zu einem wesentlichen Teil auf Exporten nach China beruft. Unter den Handelspartnern Deutschlands steht die Volksrepublik an dritter Stelle. Sie nimmt besonders deutsche Maschinen und Autos ab.

Die chinesische Krise hat viele Aspekte: Viele Firmen sind hoch verschuldet, wenn nicht gar überschuldet - ein klares Warnsignal für Schlimmeres. Hinzu kommen Überkapazitäten in vielen Industrien, katastrophaler Smog in Peking, fehlende Sozialsysteme, immer noch schwacher Konsum.

Die kommunistische Führung will die Wirtschaft reformieren, ist aber in den innerparteilichen Interessengeflechten gefangen. All dies bedeutet nicht, dass China wirtschaftlich am Ende wäre oder dass gar die historische Rückkehr Chinas in die Weltwirtschaft rückgängig gemacht würde. Aber die unmittelbare Zukunft ist krisenhaft, und angesichts der Größe Chinas werden andere davon betroffen sein; in erster Linie Exportnationen wie Deutschland.

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