Air Berlin "Die Schulden wären nicht zu stemmen gewesen"

Mit Flug AB 6210 endete am 27. Oktober der Betrieb von Air Berlin nach fast 40 Jahren. Nun wird die Airline zerschlagen.

(Foto: Getty Images)

Die Chef-Abwickler von Air Berlin verteidigen die Zerschlagung - und geben Arbeitnehmervertretern eine Mitschuld an der Misere der Mitarbeiter.

Von Michael Kläsgen und Stephan Radomsky

Die Chef-Abwickler der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin üben scharfe Kritik an den Betriebsräten der Firma. Es gebe vor allem deshalb noch keinen Sozialplan für die Beschäftigten, "weil sich Teile der Arbeitnehmervertretungen den Gesprächen verweigert haben", sagten Sachwalter Lucas Flöther und der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Die Zerschlagung von Air Berlin sei aber entgegen allen "Verschwörungstheorien" unausweichlich gewesen: "Die Schulden wären nicht zu stemmen gewesen, und Dritte hätten uns das nötige Geld auch nicht zur Verfügung gestellt."

Kebekus gab Teilen der Arbeitnehmervertretungen zudem eine Mitschuld daran, dass Tausende Mitarbeiter der Airline derzeit kein Arbeitslosengeld erhalten. Sie hätten sich Gesprächen verweigert. "Die Vertreter des Kabinenpersonals wollten uns lieber per einstweiliger Verfügung dazu zwingen, weiterzufliegen, was ja bekanntlich gescheitert ist."

Viele Piloten, Flugbegleiter und Beschäftigte am Boden haben bisher nur widerrufliche Freistellungen erhalten. Auf dieser Basis können sie aber in den meisten Fällen kein Arbeitslosengeld beantragen. Sie beklagten deshalb zuletzt, dass sie sich von der Air-Berlin-Spitze um Kebekus und Flöther in die derzeit ausgeschriebenen, schlechter bezahlten Jobs bei der Lufthansa-Tochter Eurowings gepresst fühlten. Das habe man so kommen sehen, konterte Kebekus. "Und das haben wir den Betriebsräten auch seit Wochen so gesagt." Nun hoffe man "auf Einsicht", dass möglichst schnell ein Interessenausgleich und Sozialplan ausgehandelt werden und die erforderlichen Kündigungen ausgesprochen werden können. Flöther als Sachwalter der Air-Berlin-Gläubiger zeigte sich skeptisch, dass den zuletzt rund 8000 Air-Berlinern ihre ausstehenden Gehälter bald ausgezahlt werden. "Klar ist, dass wir es den Mitarbeitern nicht garantieren können", sagte er.

Zugleich trat er Mutmaßungen entgegen, Air Berlin sei über Nacht und ohne Not zerschlagen worden und bestimmte Käufer seien begünstigt worden. "Entgegen allen Verschwörungstheorien haben wir an denjenigen verkauft, die das beste Angebot vorgelegt haben. Und das war bei Lufthansa und Easyjet der Fall." Kebekus und Flöther zeigten sich zuversichtlich, dass die EU-Kommission die Verkäufe genehmigt. "Man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass der Easyjet-Deal wohl unproblematisch ist", sagte Kebekus. "Wir rechnen bis Anfang Dezember mit einer Genehmigung."

"Air Berlin als Ganzes hatte keine Zukunft"

Nach der Pleite der Fluggesellschaft machen Verschwörungstheorien die Runde. Die beiden Chef-Abwickler erklären, warum viele Mitarbeiter in Not sind - und warum Lufthansa seinen Marktanteil vergrößern darf. Von Michael Kläsgen und Stephan Radomsky mehr...