Abgasaffäre VW kauft sich frei

VW muss eine Milliarde Euro Strafe zahlen.

(Foto: AP)

Während sich immer mehr Hinweise finden, dass heutige und frühere Vorstände in die Abgasaffäre verwickelt sind, beharrt der Konzern auf der These: Die Verantwortung sei nicht ganz oben zu suchen.

Kommentar von Klaus Ott

Mit vermeintlich hehren Worten kommentiert der neue Volkswagen-Chef Herbert Diess den Bußgeldbescheid gegen den Autokonzern über eine Milliarde Euro. "Wir arbeiten mit Nachdruck an der Aufarbeitung unserer Vergangenheit." Das Unternehmen bekenne sich "zu seiner Verantwortung für die Dieselkrise".

Schöne Worte sind das, mehr nicht. Auch Diess spricht verharmlosend von "Krise" statt von Affäre. Die neue Konzernspitze lässt nichts unversucht, Unheil von der alten Führungsriege um Martin Winterkorn fernzuhalten.

Während sich immer mehr Hinweise finden, dass heutige und frühere Vorstände in die Affäre verwickelt sind, beharrt VW auf einer längst überholten These: Die Verantwortung für manipulierte Dieselautos sei nicht ganz oben zu suchen, sondern irgendwo darunter. Das soll helfen, Schadenersatzklagen von Aktionären in Milliardenhöhe abzuwehren. Dazu passt der Bußgeldbescheid der Braunschweiger Staatsanwaltschaft, weil sich darin offenbar nichts gegen Winterkorn findet.

VW darf sogar darauf hoffen, in Europa glimpflich davonzukommen. Das deutsche Bußgeld schließt wohl weitere Strafen in vielen anderen europäischen Staaten aus. Die eine Milliarde Euro sind wenig im Vergleich zu den insgesamt mehr als 20 Milliarden Dollar, die in den USA fällig waren. VW kauft sich frei.

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