Abgas-Skandal Haftbefehl außer Vollzug gesetzt

Der Motorenentwickler könnte eine Schlüsselposition in dem mutmaßlichen Betrug mit manipulierten Schadstoffmessungen von Diesel-Fahrzeugen eingenommen haben, wenn auch nicht alleine.

(Foto: Bloomberg)

Ein früherer Audi-Ingenieur, der mit den Behörden kooperierte, muss aber wegen eines weiteren Haftbefehls der US-Justiz noch im Gefängnis bleiben.

Von Max Hägler und Klaus Ott

Der einzige deutsche Haftbefehl in der Abgasaffäre bei Volkswagen und der Konzerntochter Audi ist vom Landgericht München I außer Vollzug gesetzt worden. Der vor mehr als zwei Monaten festgenommene frühere Audi-Ingenieur Giovanni P. bleibt vorerst aber weiter in München-Stadelheim im Gefängnis, obwohl er umfangreich ausgesagt hat. Die US-Justiz, die ebenfalls gegen ihn ermittelt, hat beim Oberlandesgericht (OLG) München einen vorläufigen Auslieferungs-Haftbefehl erwirkt. Die Verteidiger Walter Lechner und Klaus Schroth wollen nunmehr beim OLG erreichen, dass auch dieser Haftbefehl außer Vollzog gesetzt wird. "Dann käme unser Mandant frei."

Das Landgericht München I sieht nach Informationen von SZ, NDR und WDR bei P. zwar noch einen dringenden Tatverdacht. Der Motorenentwickler habe offenbar eine Schlüsselposition in dem mutmaßlichen Betrug mit manipulierten Schadstoffmessungen von Diesel-Fahrzeugen eingenommen. Die Untersuchungshaft könne aber, so die Richter, unter zahlreichen Auflagen beendet werden. P. müsste sich, sofern er frei käme, regelmäßig bei den Behörden melden und 80 000 Euro Kaution in bar zahlen.