Stilkritik Hallodri-Kappe gegen Glitzer-Hillary

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Im US-Wahlkampf gehören Merchandise-Artikel dazu. Wir hoffen, dass am Ende doch der gute Stil gewinnt.

Stilkritik von Julia Werner und Max Scharnigg

Das Hillary-Shirt

Hat das Kreuzchen, das man auf dem Wahlzettel macht, auch was mit gutem Geschmack zu tun? Irgendwie schon - unvorstellbar, dass Menschen, die zum Beispiel Frauke Petry ihre Stimme geben würden, Wert auf Eleganz in Sachen Frisur und Umgangsformen legen. Zum Glück ist die AfD noch nicht auf die Idee gekommen, großflächig Fanartikel zu entwerfen, von Frauen, die ihren Hemdblusenkragen immer über das Jackett klappen, ist in Modefragen nicht viel zu erwarten.

Im Show-Paradies USA gehört derartiges Merchandising von Anfang an zum guten Wahlkampfton. 2008 riss man sich in den USA und in internationalen Modekreisen um Obama-Hoodies und Yes-we-can-Shirts. Hollywood-Stars gingen extra joggen, um darin fotografiert zu werden, denn Obama auf der Brust war das ultimative Sexy. In diesem Jahr wird Amerikas Geschmackselite Hillary Clinton unterstützen, auch weil es stilistisch kaum eine Alternative gibt.

Die hat schlauerweise das T-Shirt-Design Vollprofis überlassen: Der Designerin Tory Burch zum Beispiel, und Marc Jacobs, der seine Kreation auch selbst nach seiner letzten Show auf dem Laufsteg trug. Das Shirt zeigt Hillary, ist strassbesetzt und wurde, wie man hier sieht, gerade sogar von Anna Wintour in Kombination mit Rock und Collier auf einer Show getragen.

Das ist zwar nicht überraschend, die Vogue-Chefin ist offizielle Hillary-Freundin und Fundraiserin. Aber es ist gut, denn es nährt, wie vor acht Jahren, erneut die Hoffnung, dass am Ende doch der gute Stil gewinnt.

(Julia Werner)