Religiös korrekte Kosmetik Alles halal

Schönheitsprodukte ohne Alkohol oder Schweinefett: Neben Halal-Lippenstift gibt es auch Halal-Parfüm.

(Foto: Rendiansyah Nugroho/unsplash.com)
  • Große Kosmetikfirmen setzen seit einiger Zeit auf eine Halal-Kennzeichnung. Weltweit lockt ein Milliardengeschäft.
  • Mit Halal werden Pflegeprodukte und Parfüms ausgewiesen, die zum Beispiel weder Schweinefett noch Alkohol enthalten.
  • Ein deutsches Unternehmen geht noch weiter. Es sieht Halal nicht nur im Verzicht von Inhaltsstoffen, sondern darin, dass Halal für alle gut sein muss: den Produzenten, den Händler und den Konsumenten.
Von Dunja Ramadan, Dortmund

Der Trend kommt aus Südostasien: Indonesien, das mit rund 260 Millionen Einwohnern größte muslimische Land der Welt, verabschiedete ein Gesetz, demzufolge ab 2019 alle Produkte eine Halal-Kennzeichnung haben müssen. Parfüms mit Alkohol oder Lippenstifte mit Schweinefett fallen durch - stattdessen müssen Hersteller auf tierische Produkte und Alkohole verzichten.

Der Kosmetikriese L'Oréal und der deutsche Chemiekonzern BASF horchten auf, der Markt wird schließlich größer - immerhin ist der Islam laut mehreren Studien die am stärksten wachsende Religion der Welt. L'Oréal hat sich längst Hunderte seiner Produkte als halal zertifizieren lassen. Und auch die Produktion wird bei den Franzosen auf religiöse Zulässigkeit geprüft.

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Noch vor wenigen Jahren war Halal-Kosmetik ein Nischenmarkt für einige kleine Unternehmen in muslimischen Ländern. Das hat sich mittlerweile geändert, wie man auch auf dem Festi Ramazan sehen kann, dem riesigen Ramadan-Fest derzeit in Dortmund: Das Wort "halal" findet sich oft beim Rundgang über das 22 000 Quadratmeter große Festivalgelände.

Schon 2014 erreichte der weltweite Markt ein Volumen von gut 18 Milliarden Euro. Bis 2019 könnte sich das laut dem britischen Marktforschungsunternehmen Tech Navio nochmal verdoppeln und dann sechs Prozent des weltweiten Geschäfts mit Schönheitsprodukten ausmachen.

"Die Verbindung zum schönen Duft wurde meinem Mann in die Wiege gelegt"

Doch nicht nur Großkonzerne wurden auf den globalen Halal-Markt aufmerksam, der sich eben nicht nur auf Lebensmittel beschränkt. Auch die Dortmunderin Julia Fritz und ihr Mann Abdelhay Fdil machten sich bereits 2015 an die Arbeit. Dafür gab Fdil seinen Job als Chemietechniker an der Uni auf, Fritz arbeitete weiter als Architektin in Teilzeit. Gemeinsam gründeten sie die Arganpur GmbH, schufen die Halal-Marke Al-Balsam, ihre Produkte sollen gut für Körper und Seele sein, erklären sie.

Das "Al" verweise auf die arabische Herkunft der Rohstoffe, wie die 40-jährige Vierfachmutter erzählt. Inspiriert hat sie Marokko, die Heimat ihres Mannes, die auch optisch allgegenwärtig ist: Bunte Orientlampen in den Regalen, dunkler Kajal unter ihren blauen Augen. Jahrelang verbrachten sie gemeinsam die Sommerferien bei seiner Familie im Atlasgebirge, im Dadestal, dem Tal der Rosen, wo die rosafarbenen Damaskusrosen wachsen. "Die Verbindung zum schönen Duft wurde meinem Mann in die Wiege gelegt", erzählt Fritz, er hütet zu Hause die Kinder.

Gemeinsam mit ihrer Schwägerin gründeten sie in dem kleinen Dorf eine Frauenkooperative. Jedes Jahr im Mai fährt ihr Mann mit den kleinen Kindern zur Rosenernte, während sie bei den Schulkindern bleibt. Sobald die Ernte beendet ist, gibt es ein großes Fest mit Rosengirlanden und Berbertänzen. Dort wird das Rosenöl, das sie für ihre Produkte verwendet, destilliert - und in Deutschland produziert, etikettiert und über den Onlineshop vertrieben.

Kein Verzicht auf Plastik - bisher

Auch französische Parfümhersteller haben das Dadestal für sich entdeckt: Tonnen von Rosen werden nach Grasse in Frankreich, in die "Welthauptstadt der Parfümerie" exportiert, wo sie zur Parfümherstellung dienen. "Es gibt so viel Mist auf dem Markt, das geht noch besser, noch fairer - und zwar für alle Beteiligten", sagt Fritz selbstbewusst.

Halal sei ein sehr spannendes Geschäft, erklärt Julia Fritz. Und es sei eine ethische Aufgabe. Für sie sei es zum Beispiel nicht genug, wenn man auf tierische Produkte oder auf Alkohol verzichte. "Halal muss gut für alle sein, für den Produzenten, den Händler, den Konsumenten. Es muss für alle fair und transparent sein." Viele Muslime würden sich zu sehr mit Verboten und Geboten beschäftigen und den Blick für das Wesentliche verlieren, meint sie. "Der Grundgedanke eines jeden Muslim sollte doch eigentlich sein, dass wir auf diese Erde aufpassen sollen", sagt Fritz, die mit 22 Jahren zum Islam konvertiert ist.

Nur auf Plastik verzichtet al-Balsam bislang nicht. Noch nicht. Der Markt dafür wäre vorhanden, wie man eben auch auf dem Dortmunder Religionsfest sieht. Das Festival ist eine große Verbrauchermesse, an der auch deutsche Automobilclubs oder zum Beispiel Stromverkäufer teilnehmen. Die Besucher können hier Bettwäsche und Immobilien kaufen sowie sich in zwei Zeltmoscheen zum Beten aufhalten. Nebenan besuchen Zehntausende gleichzeitig die internationale Tattoo-Messe, viele sind von oben bis unten tätowiert - doch auch einige von ihnen landen auf dem Festi Ramazan. Wegen der kulinarischen Spezialitäten, wie sie gerne betonen. Und, klar, auch die sind natürlich alle halal.

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