NS-Protzbau Prora auf Rügen Brauner Koloss mit Masterbad

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(Foto: Prora Solitaire)

Die einstmals größte Nazi-Ruine des Landes wird gentrifiziert. In der riesigen Anlage an der Ostsee entstehen schicke Ferienwohnungen. Kein Scherz.

Von Anne Backhaus, Rügen

Eigentlich ist es wirklich schön in Prora. Kilometerweit streckt sich der Strand zwischen Ostsee und Kiefernwäldern. Das Meer liegt ruhig, und gleich ums Eck verstecken sich die berühmten Kreidefelsen von Rügen. "Und der Sand ist so weiß", sagt Sven Scharf-Hettig. Der Sprecher der Firma Irisgerd aus Berlin, die hier unter dem Slogan "Neues Prora" baut, blickt verzückt um sich. Er wird bei dieser Führung über die Baustelle nicht müde, die Lage des Objekts zu preisen, in dem bis Ende des Jahres 2016 mehr als hundert Eigentumswohnungen und ein Apartment-Hotel mit "modernem Wohnkomfort" entstehen sollen.

"Es hat seinen Grund, dass die Leute vor 80 Jahren dieses Fleckchen Erde zur Erholung ausgesucht haben", sagt Scharf-Hettig und macht ein Handyfoto vom Strand. Mit "die Leute" meint er das NS-Regime. Denn in seinem Rücken steht der "Koloss von Rügen".

Über 4,5 Kilometer zieht sich die größte Bauanlage der Nazis.

(Foto: Stefan Sauer/dpa)

Die Ferienwohnungen der Nazis waren so groß wie Gefängniszellen

Der Bau war lange die größte Nazi-Ruine der Republik, jetzt aber soll das gigantische Gebäude bald stilvoll und schön aussehen. Den Anfang machte 2011 eine Jugendherberge, nun folgen in allen Blocks Apartments, Hotels und Eigentumswohnungen. In Block 1 etwa, der heute besichtigt wird, sind 75 Prozent schon verkauft und das bei Quadratmeterpreisen von bis zu 6500 Euro. Die "Sonnen-Wohnungen" haben ein "Masterbad" mit "Dschungelbrause" und sind in den Prospekten musterhaft hell eingerichtet. Der Glastisch neben der "Liegewiese" fehlt genauso wenig wie die offene Küche mit Familientresen. Das alles in einem Gebäudekomplex, den Historiker "Demagogie in Stein" nennen.

In der "Kraft durch Freude"-Anlage sollten 20 000 Deutsche Platz finden, um nach einer Woche Erholung fit für den Krieg sein. Eine Urlaubsfabrik für Arbeiter und ihre Familien, die sich den Aufenthalt in Badeorten wie dem benachbarten Binz nicht leisten konnten. Adolf Hitler hatte die Idee für das knapp fünf Kilometer lange und sechs Stockwerke hohe architektonische Monstrum. Nach der Grundsteinlegung im Jahr 1936 bauten die Nazis acht Häuserblöcke in Prora. Die Wohnungen maßen 2,5 mal 4,75 Meter und glichen eher Gefängniszellen, aber die Gäste sollten schließlich gemeinsam draußen an der frischen Luft sein. Die Anlage diente zugleich dem Ausdruck wie der Stärkung des arischen Volkskörpers.

Die Musterwohnungen sollen Besserverdiener anlocken.

(Foto: Prora Solitaire)