21. Januar 2013, 19:29 Stilkritik zu Familie Obama Harmonie in Lila

Brombeerrot der Schal von Tochter Malia und die Handschuhe von Mutter Michelle, Fliederfarben der Mantel von Sasha, passend zur Krawatte von Vater Obama. Zur Inauguration erscheint die Präsidentenfamilie in makellos abgestimmter Garderobe - und sendet damit eine klare Botschaft.

Die Botschaft der präsidentiellen Garderobe ist eindeutig. Also, nicht die von Barack Obama allein. Zwischen Krawatte, Hemd und Sakko passt schließlich nur ein äußerst beschränktes Maß an Symbolwert, selbst dann, wenn es wie hier um den Präsidenten der Vereinigten Staaten geht. Gemeint ist hier vielmehr das Ensemble der vier Obamas - Barack, Michelle, Malia und Sasha. Makelloser hätte man das Familienbild anlässlich der zweiten Vereidigung von Vater Obama gar nicht inszenieren können.

Zur großen Polit-Show auf den Stufen des Kapitols erschien Tochter Malia im magentafarbenen Mantel, dazu trug sie einen brombeerroten Schal. Brombeerrot ebenfalls: Die Handschuhe von Mutter Michelle. Diese trug einen - wie immer originellen und nichtsdestotrotz eleganten - blau-grau-schwarz gemusterten Mantel, der ganz ausgezeichnet mit Malias petrolfarbenen Handschuhen harmonierte. Sasha, die Kleine, trug ein Kleid im selben Magentaton wie der Mantel ihrer Schwester und darüber: Flieder. Fliederfarbener Mantel, fliederfarbener Schal, fliederfarbene Handschuhe und Strumpfhose; eine Farbe, die sich in der Krawatte ihres Präsidenten-Papas wiederfand. Es dürfte einige Stunden mit Farbkarten und Stoffmustern gebraucht haben, um das alles so hinzukriegen.

Was dieses bis auf den letzten Knopf abgestimmte Familienoutfit sagen soll ist klar: Wir Obamas sind eins, da passt kein Blatt Papier dazwischen, nicht mal eines aus dem Telefonbuch. Eine Einheit, die Platz lässt für Individualität - in Maßen. Das passt einerseits zu dem Mindestmaß an Normalität, das die Obamas ihren elf und 14 Jahre alten Töchtern erhalten wollen - darauf wiesen die aufgeregten CNN-Moderatoren im Vorfeld der Inauguration-Feierlichkeiten in einer Regelmäßigkeit hin, die in einer fast mantra-artige Euphorie kulminierte.

Andererseits sind die Abweichungen von der Standard-Staatsangelegenheits-Garderobe so gering, dass die Gefahr flächendeckender Herzinfarkte minimal blieb. Zieht man in Betracht, welchen Aufruhr ein paar Zentimeter fehlendes Haar bei Michelle Obama auslöste - der Präsident selbst scherzte über den Rummel, der um den Pony seiner Gattin gemacht wurde - man möchte sich nicht vorstellen, was passieren würde, wenn Sasha mit neongelben Ohrenschützern oder Malia in einem drei Zentimeter zu kurzen Kleid aufgetaucht wäre.

So schafft die First Family wieder einmal, was wohl einen Großteil ihrer Popularität ausmacht: Die Obamas wirken wie eine glückliche Familie und dabei so makellos, dass sie gerade noch menschlich bleiben.